Nach Jahren der Spekulationen Umstrittenes Big-Data-Unternehmen Palantir bereitet Börsengang vor

Jetzt aber: Immer wieder war in den vergangenen Jahren über einen Börsengang Palantirs spekuliert worden. Nun hat das bei Geheimdiensten beliebte Unternehmen erste Unterlagen eingereicht.
Führt eines der geheimnisvollsten Unternehmen des Silicon Valley: Alex Karp (52)

Führt eines der geheimnisvollsten Unternehmen des Silicon Valley: Alex Karp (52)

Foto: Vincent Isore / imago images / IP3press

Nach Jahren der IPO-Spekulationen bereitet das Datenanalyseunternehmen Palantir seinen Börsengang vor. Man habe erste Unterlagen eingereicht , teilte die für ihre Arbeit für Regierungen, Nachrichtendienste und Strafverfolgungsbehörden bekannte (und umstrittene) Firma am Montagabend kalifornischer Zeit mit. Genauere Angaben zu Zeitpunkt und Volumen machte das Unternehmen nicht; es gehe los, sobald die Börsenaufsicht SEC ihre Überprüfung der Unterlagen beendet habe, zudem hänge es an "Markt- und anderen Bedingungen."

Bei einer Finanzierungsrunde 2015 hatte Palantir, vor 16 Jahren unter anderem von dem deutschstämmigen Paypal-Mitgründer Peter Thiel (52) und dem heutigen CEO Alex Karp (52) gegründet, eine Bewertung von 20 Milliarden Dollar (17,9 Milliarden Euro) erreicht. 2018 berichtete das "Wall Street Journal", die Investmentbank Morgan Stanley rechne im Falle eines Börsengangs 2020 mit einem Unternehmenswert von 36 bis 41 Milliarden Dollar. Diese Zahl erscheint heute allerdings ambitioniert: Laut "Financial Times " hatten zuletzt mehrere Fonds den Wert ihrer Beteiligungen am Unternehmen niedriger ausgewiesen, als es dem 20-Milliarden-Wert von 2015 entspräche; auch würden Anteile unterhalb dieser Marke auf Zweitmärkten gehandelt.

Beobachter sehen in der aktuellen Ankündigung Hinweise, Palantir könne eine direkte Notierung anstreben. Bei dieser Form des Börsengangs werden keine Emissionsbanken benötigt, auch die bei einem IPO übliche Roadshow für Investoren entfällt - die Aktien werden einfach am Markt platziert. Unternehmen können dabei allerdings kein neues Kapital aufnehmen, vielmehr ist es eine Chance für bestehende Anteilseigner, ihre Beteiligung zu Geld zu machen. Entsprechend nutzen nur wenige Start-ups diesen Weg, etwa der Musikstreaminganbieter Spotify und der Kommunikationsdienst Slack. Laut "Wall Street Journal " hatten Palantir-Mitarbeiter in der Vergangenheit wiederholt die Möglichkeit eingefordert, ihre privat gehaltenen Anteile zu Geld zu machen.

Neues Kapital sicherte sich Palantir gerade erst Mitte Juni in einer neuen Finanzierungsrunde, in welcher die japanische Versicherung Sompo 500 Millionen Dollar investierte. Laut SEC-Dokumenten kann diese Summe noch auf knapp eine Milliarde Dollar erhöht werden.

Was ist das geheimnisvolle Unternehmen wert?

Durch seine Arbeit für Regierungen und Geheimdienste sowie Thiels Unterstützung von US-Präsident Donald Trump nimmt Palantir, dessen Big-Data-Software unter anderem beim Aufspüren des Terroristen Osama bin Laden geholfen haben soll, in der liberalen Tech-Community des Silicon Valley eine Sonderstellung ein. In seiner nun 16-jährigen Geschichte hat das Start-up laut "WSJ" noch keinen Jahresgewinn geschrieben. Der Umsatz lag laut zwei Investoren im vergangenen Jahr unter 750 Millionen Dollar. Palantir erwartet in diesem Jahr laut "Bloomberg", die Umsatzmilliarde zu knacken und erstmals die Gewinnschwelle zu erreichen.

Der Wettbewerb für Palantir ist derweil härter geworden: Die automatisierte Verarbeitung großer Datenmengen boomt , auch an der Börse. Immer mehr Anbieter drängen in den Markt. Gleichzeitig bemühen sich in der Corona-Krise Firmen um schnellere Automatisierung ihrer Prozesse; zudem ergeben sich potenzielle neue Kunden: So analysiert Palantir seit dem Frühjahr etwa Pandemiedaten für den britischen Gesundheitsdienst NHS. Das Geschäft der Krisengewinner lässt sich indes nur eingeschränkt mit dem von Palantir vergleichen - gerade auch wegen des besonderen Zuschnitts auf Behörden und Geheimdienste.

luk/kyr/dpa-afx