Datenfirma vor Börsengang Palantir soll 22 Milliarden Dollar wert sein

Die umstrittene Big-Data-Firma Palantir peilt einen hohen Preis für ihren geplanten Börsengang an. Kontrolle bekommen die Käufer der Aktien dafür nicht, die behalten die drei Gründer.
Palantir-Chef Alex Karp

Palantir-Chef Alex Karp

Foto: Vincent Isore / imago images / IP3press

Die Datenanalysefirma Palantir könnte laut einem Pressebericht nach ihrem Börsengang mit bis zu 22 Milliarden US-Dollar (18,9 Milliarden Euro) bewertet werden. Bei der für den 30. September geplanten Direktplatzierung in New York werde ein Preis je Aktie von 10 Dollar erwartet, berichtete das "Wall Street Journal" (WSJ)  am Donnerstagabend und bezog sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen. Die Insider beziehen sich dabei auf Aussagen von Bankmitarbeitern gegenüber potenziellen Investoren.

Bei einer Direktplatzierung erfolgt im Unterschied zu einem klassischen Börsengang zuvor kein von Banken organisierter Preisbildungsprozess, der Startpreis wird rein durch Angebot und Nachfrage ermittelt. Daher gebe es keine Garantie, dass die Anteilsscheine von Palantir tatsächlich das angepeilte Niveau erreichen werden, oder dort lange verweilen, heißt es im WSJ-Bericht.

Im Verlauf des zurückliegenden Jahres habe die Bewertung der Palantir-Papiere bei den Investoren laut "WSJ" angezogen. Der gemittelte Preis stieg im September demnach auf 9,17 Dollar, während er im August noch 7,31 Dollar betragen hatte.

Die direkte Platzierung an der Börse ermöglicht es den Altaktionären wie dem Techmilliardär Peter Thiel (52), ihre Aktien sofort zu verkaufen. Für sie gilt dabei keine Haltefrist. Außerdem werden ihre Anteile nicht dadurch verwässert, dass Palantir neue Aktien an der Börse ausgibt. Eine Direktplatzierung gilt als riskanter, da Banken nicht als Zwischenhändler oder Kursstabilisator auftreten. Andererseits spart das Gebühren.

Peter Thiel, Alex Karp und Stephen Cohen behalten die Kontrolle

Wie das "WSJ" weiter schreibt, sei die starke Nachfrage für Palantir vor dem Hintergrund der zukünftigen Stimmrechtsverteilung umso erstaunlicher: Die drei Gründer - neben Thiel auch CEO Alex Karp (52) und Aufsichtsratschef Stephen Cohen (37) - können das Unternehmen selbst mit einem sehr geringen Aktienanteil immer noch kontrollieren.

Auch habe es in der Vergangenheit Geschäfte zwischen den Gründern und Palantir gegeben, unter anderem wurden Kredite vergeben. Dies sei im Anschluss an den Börsengang nicht mehr zulässig. Ähnliche Voraussetzungen hatten laut "WSJ" den Börsengang des Bürovermieters WeWork im vergangenen Jahr platzen lassen.

Bisher macht die 2003 gegründete Datenanalysefirma nur Verluste. Im Jahr 2019 lag der Fehlbetrag laut Medienberichten unter dem Strich bei 579,6 Millionen Dollar, ähnlich war es im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2020 verbesserte sich die Lage jedoch im Jahresvergleich.

Für das aktuelle Geschäftsjahr 2020 erwartet Palantir zumindest beim Umsatz ein kräftiges Wachstum. Laut an diesem Dienstag eingereichten Unterlagen sollen die Erlöse in einer Bandbreite von 41 bis 43 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Dollar ansteigen.

ak/dpa-afx