Nach Bewährungsstrafe Orange-Chef tritt nun doch zurück

Kehrtwende in Paris: Der Chef des französischen Telekomkonzerns Orange ist nach einer Verurteilung von seinem Posten zurückgetreten. Am Vortag hatte Stéphane Richard dies noch verweigert.
Über die Tapie-Affäre gestolpert: Orange-Chef Stéphane Richard scheidet spätestens zum 31. Januar 2022 aus dem Unternehmen aus

Über die Tapie-Affäre gestolpert: Orange-Chef Stéphane Richard scheidet spätestens zum 31. Januar 2022 aus dem Unternehmen aus

Foto: ALBERT GEA / REUTERS

Der Chef des französischen Telekomunternehmens Orange, Stéphane Richard (60), hat sein Amt nach einer Verurteilung wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder aufgegeben. Richard scheide nach der Regelung einer Nachfolge spätestens zum 31. Januar 2022 aus, teilte Orange am Mittwochabend in Paris mit. In der Affäre um den Verkauf von Adidas-Anteilen durch den kürzlich verstorbenen Ex-Eigner Bernard Tapie hatte ein Gericht in Paris Richard am Mittwoch zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder muss der einstige Leiter des engsten Mitarbeiterstabes der damaligen Wirtschaftsministerin Christine Lagarde (65) außerdem 50.000 Euro Strafgeld zahlen, urteilte das Gericht. Drei weitere Angeklagte, darunter Tapies langjähriger Anwalt, wurden zu Strafen zwischen zwei Jahren auf Bewährung und drei Jahren Haft sowie hohen Geldstrafen verurteilt.

In dem Pariser Berufsprozess ging es um eine komplizierte Affäre, die die französische Justiz seit Jahren beschäftigt. Tapie hatte sich beim Verkauf von Anteilen an dem deutschen Sportartikelhersteller Adidas Anfang der 1990er-Jahre von der damaligen Staatsbank Crédit Lyonnais geprellt gesehen und geklagt. In einem Schiedsverfahren bekam Tapie 2008 mehr als 400 Millionen Euro Entschädigung zugesprochen. Der Schiedsspruch wurde aber später von einem Zivilgericht aufgehoben. Um Veruntreuung öffentlicher Mittel ging es, weil die Entschädigung letztlich aus der Staatskasse kam.

Richard weist die Vorwürfe zurück

Tapie hatte Vorwürfe von Manipulationen im Zuge des Schiedsverfahrens mehrfach zurückgewiesen. Der frühere Minister und Chef des Fußballklubs Olympique Marseille war im Sommer 2019 in erster Instanz freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen Berufung eingelegt. Nach einer Krebserkrankung war Tapie Anfang Oktober im Alter von 78 Jahren gestorben. Sein Freispruch hat damit Bestand.

Richard hatte sich am Mittwoch zunächst geweigert, seine Ämter als Vorsitzender von Vorstand und Aufsichtsrat nach der Verurteilung zu räumen. "Ich lege mein Mandat in die Hände des Aufsichtsrats", antwortete Richard auf die Frage, ob er zurücktrete.

Finanzminister Bruno Le Maire (52) hatte in der Vergangenheit allerdings immer wieder gesagt, Vorstandsvorsitzende von staatlich kontrollierten Unternehmen sollten nach einer Verurteilung zurücktreten. Der französische Staat ist der größte Aktionär von Orange. Regulär läuft die dritte vierjährige Amtszeit von Richard im Mai 2022 aus. Richard hat in der Tapie-Affäre jegliches Fehlverhalten von sich gewiesen. Das Berufungsgericht hat ihn vom Vorwurf der Komplizenschaft zum Betrug freigesprochen.

mg/dpa-afx, Reuters
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