SoftBank verkauft Arm Herr Son besiegelt 40-Milliarden-Dollar-Deal mit Nvidia

Nun ist der Deal unter Dach und Fach: Der japanische Technologieinvestor SoftBank verkauft den britischen Chipdesigner Arm Holdings an den Grafikkartenspezialisten Nvidia. SoftBank-Chef Masayoshi Son kann das Geld derzeit gut gebrauchen.
SoftBank-Chef Masayoshi Son freut sich über den 40 Milliarden-Dollar-Deal

SoftBank-Chef Masayoshi Son freut sich über den 40 Milliarden-Dollar-Deal

Foto: KAZUHIRO NOGI / AFP

SoftBank-Chef Masayoshi Son (63) verkauft in seiner Geldnot sein größtes Tech-Investment: Der Chipdesigner Arm, ein Schlüsselunternehmen für die gesamte Smartphone-Branche, soll in die Hand des Grafikkarten-Spezialisten Nvidia  kommen. Der bisherige Eigentümer, der japanische Technologie-Konzern SoftBank , trennt sich von der britischen Firma in einem rund 40 Milliarden Dollar schweren Deal, kündigten die Unternehmen in der Nacht zum Montag an.

Allerdings erfordert die Übernahme noch die Zustimmung von Wettbewerbshütern in den USA, der Europäischen Union, China und Großbritannien - und da könnte es angesichts der Bedeutung von Arm Widerstände geben. Die Unternehmen rechnen dafür einen Zeitraum von 18 Monaten ein. Bereits seit Juli wird über den Deal spekuliert, zuletzt hatte das "Wall Street Journal" am Samstag unter Berufung auf Insider über einen möglichen Verkauf berichtet.

Von Arm stammt die Grundarchitektur der Chips, die in praktisch allen Smartphones und den weitaus meisten Tabletcomputern verwendet werden. Auf Basis der Arm-Designs entwickeln unter anderem Apple und Samsung die Prozessoren für ihre Smartphones. Auch der Chipkonzern Qualcomm, dessen Prozessoren in vielen Android-Telefonen stecken, greift darauf zurück. Arm selbst stellt somit keine eigenen Computerchips her, sondern vergibt nur die Lizenzen für die dahinter liegende Technologie.

Die Arm-Architekturen setzten sich in Smartphones gegen Chipsysteme des Halbleiterriesen Intel durch - unter anderem, weil sie deutlich stromsparender arbeiten. Jetzt steht die Technologie auch vor dem Sprung in den PC-Markt: Apple stellt seine Mac-Computer auf Arm-Technologie um, ein erstes Modell wird noch in diesem Jahr erwartet.

Arm-Gründer Hermann Hauser fürchtet um "Schweiz der Halbleiterindustrie"

Im Jahr 2019 lieferte Arm insgesamt 22,8 Milliarden Einheiten aus, ihr Marktanteil bei mobil eingesetzten Prozessoren betrug eigenen Angaben zufolge 90 Prozent, bei Infotainment- und Fahrassistenzsystemen in Autos 75 Prozent. Mit Lizenzgebühren von Chipherstellern, die Arm-Technik nutzen, sowie mit anderen Prämien hat das 1990 gegründete Unternehmen im vergangenen Jahr knapp 1,6 Milliarden Dollar umgesetzt. Vorstandschef ist seit 2013 der Ingenieur Simon Segars (52), der entscheidend an der Entwicklung der frühen Arm-Technologie mitgearbeitet hatte. 

Die Industrie konnte über die Jahre gut mit Arm als neutralem Technologieanbieter leben, der sich aus den Konflikten zwischen einzelnen Playern der Branche heraushielt. Für die Zukunft könnte entscheidend sein, dass Nvidia diese Neutralität trotz der eigenen Interessen im Chipgeschäft beibehält. Nvidia-Chef Jensen Huang (57) versicherte, dass das Lizenzmodell von Arm bleiben werde. Die Übernahme werde sein Unternehmen im Geschäft mit Chips für Rechenzentren und den Wettbewerb insgesamt stärken, sagte Huang am Montag. Es sei das erste Mal in der Geschichte der Branche, dass es eine echte Alternative zu der Dominanz von Intel gebe.

Zugleich wolle Nvidia auch seine Grafiktechnologie über die Arm-Plattform anbieten. Nvidia betonte auch, das Hauptquartier von Arm solle in Großbritannien bleiben - und um Forschung für Robotik, autonomes Fahren und das Gesundheitswesen ausgebaut werden.

Kritik kam vor allem von Arm-Mitbegründer Hermann Hauser. Der Verkauf bringe das neutrale Geschäftsmodells von ARM als "die Schweiz der Halbleiterindustrie" in Gefahr, sagte Hauser Reuters.

SoftBank-Chef Masayoshi Son braucht dringend Geld

SoftBank hatte Arm vor vier Jahren für rund 32 Milliarden Dollar gekauft und von der Börse genommen. Jetzt bekommt der japanische Konzern Nvidia-Aktien im Wert von 21,5 Milliarden Dollar sowie 12 Milliarden Dollar in bar. Später kann SoftBank noch weitere fünf Milliarden Dollar in bar oder Aktien bekommen, wenn bestimmte Ergebnisziele erreicht werden. Außerdem gibt Nvidia noch Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Dollar an die Arm-Belegschaft aus.

Der Verkaufserlös kommt SoftBank-Chef Masayoshi Son (63), der wegen zahlreicher Investments an den US-Börsen als "Wal der Nasdaq" gilt, sehr gelegen. In den vergangenen Jahren hatte der weltgrößte Tech-Investor mit seinem 100 Milliarden Dollar schweren "Vision Fund" und aggressiven Geschäftsmethoden weltweit die Dimensionen von Tech-Deals in die Höhe getrieben. Nach dem geplatzten WeWork-Börsengang hat sich die Anleger-Euphorie jedoch verflüchtigt, spätestens seit der Corona-Pandemie braucht SoftBank dringend Geld. Die Beteiligungen in den Bürodienstleister WeWork oder den Taxiersatzdienst Uber erwiesen sich weitgehend als Flop.

Im Frühjahr kündigte der Konzern entsprechend an, Beteiligungen von bis zu 41 Milliarden Dollar abzustoßen. Ende Juni begannen die Japaner, ihre Anteile am US-Mobilfunker T-Mobile US an die Deutsche Telekom zu veräußern. Und Mitte Juli hatten die Nachrichtenagentur Bloomberg und das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider über Pläne von SoftBank berichtet, auch Arm an die Börse zu bringen oder zumindest teilweise zu verkaufen.

Nvidia wurde mit Grafikkarten für PCs groß - vor einigen Jahren stellte sich jedoch heraus, dass die Technologie der Firma sehr gut für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz eingesetzt werden kann. Das brachte dem Nvidia-Geschäft einen neuen Schub. Die Firma entwickelt inzwischen auch Computer für Fahrassistenz-Systeme im Auto und autonomes Fahren.

mg/ak/dpa-afx/Reuters
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