"Kronjuwel" Arm Nvidia droht mit Milliardenübernahme zu scheitern

Kaum ein Chip auf dieser Welt kommt ohne Technologie von Arm aus. Nvidia will den britischen Chipdesigner für 40 Milliarden Dollar übernehmen – doch der Widerstand ist größer als gedacht. Offenbar tritt Nvidia-Chef Huang jetzt den Rückzug an.
Jen-Hsun Huang: Gibt der Gründer und Chef von Nvidia auf? Die geplante Übernahme des britischen Chipdesigners Arm gestaltet sich offenbar langwieriger und stößt auf mehr Widerstand als erwartet

Jen-Hsun Huang: Gibt der Gründer und Chef von Nvidia auf? Die geplante Übernahme des britischen Chipdesigners Arm gestaltet sich offenbar langwieriger und stößt auf mehr Widerstand als erwartet

Foto: Ritchie B. Tongo / dpa / picture alliance

Der geplante Mega-Deal stieß von Anfang an auf Einwände, Aufsichtsbehörden äußerten "signifikante Wettbewerbsbedenken", große Technologiekonzerne übten Kritik. Jetzt nimmt der US-Chiphersteller Nvidia offenbar klammheimlich Abschied von der geplanten 40 Milliarden Dollar schweren Übernahme des britischen Chipdesigners Arm, der zur Softbank-Gruppe von Masayoshi Son (64) gehört. Das berichtet die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg  am Dienstag unter Berufung auf Insider. Die Aktie von Nvidia  ging am Dienstag 4 Prozent schwächer aus dem Handel.

Nvidia habe seinen Partnern mitgeteilt, dass der Konzern nicht mehr mit einem Abschluss der Transaktion rechne. Softbank selbst verstärke zugleich seine Vorbereitungen für einen Börsengang von Arm. Ein Nvidia-Sprecher sagte dem Bericht zufolge, man habe noch keine Entscheidung getroffen. Nvidia sei weiter davon überzeugt, dass Arm von der Übernahme profitieren und dies den Wettbewerb gar fördern werde. Softbank erklärte: "Wir sind weiterhin zuversichtlich, dass die Transaktion genehmigt wird."

Ob es Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang (58) gelingt, den Deal allen Widerständen zum Trotz doch noch über die Bühne zu bringen, ist ungewiss. Es würde die Laufbahn des Nvidia-Mitgründers, der aus dem Grafikkartengeschäft ein regelrechtes Chipimperium geformt hat, zweifelsohne krönen. Erst im Jahr 2020 hatte Nvidia dem Wettbewerber Intel den Rang als wertvollstes Halbleiterunternehmen in den USA abgelaufen. Doch die regulatorischen Hürden und Auflagen bei Fusionen in solchen Schlüsselindustrien sind nicht zu unterschätzen: So hatte Qualcomm im Jahr 2018 seine 44 Milliarden Dollar schwere Übernahme von NXP Semiconductors nach fast zwei Jahren entnervt aufgegeben.

Kaum ein Chip auf dieser Welt kommt ohne Technologie von Arm aus

Nvidia hatte mit seiner Offerte im September 2020 den potenziell größten Halbleiter-Deal in der Geschichte eingeleitet, stieß damit aber auch auf Widerstand von Arm-Kunden selbst. Denn die Bedeutung von Arm ist immens. Der Chipdesigner wird oft als das "Kronjuwel" der britischen Technologiebranche bezeichnet. Seine energieeffizienten Chiparchitekturen werden in 95 Prozent der weltweit produzierten Smartphones und in 95 Prozent der in China entwickelten Chips eingesetzt. Doch auch in Chips von Autos und Fabrikanlagen steckt Arms Technologie.

Die größten Technologiekonzerne sind abhängig von Arm und befürchten, dass der Chipdesigner unter Nvidia seine Unabhängigkeit und sie den uneingeschränkten Zugang verlieren könnten. Nvidia konkurriert mit Intel bei Serverprozessoren, liefert auch Chips an Unternehmen wie Amazons AWS und Microsofts Azure, die Technologie für die Verarbeitung künstlicher Intelligenz in Rechenzentren bereitstellen. Diese Unternehmen entwickeln auch eigene Chips, was Nvidia sowohl zu einem Lieferanten als auch zu einem potenziellen Konkurrenten macht.

So wundert es nicht, dass sich Giganten wie Microsoft, Intel, Amazon oder Qualcomm gegen die Übernahme positioniert und den Aufsichtsbehörden weltweit Munition geliefert haben sollen, um das Geschäft zu verhindern, wie Bloomberg berichtet. Das Antichambrieren der Konzernlobbyisten ist vor dem Hintergrund zu verstehen, als der Kauf von Arm nicht nur von den USA und China, sondern auch von der Europäischen Union und Großbritannien genehmigt werden muss.

Wegen der offensichtlichen Widerstände scheinen sich sowohl bei Nvidia als auch bei Softbank Lager von Befürwortern und Gegnern der Transaktion gebildet zu haben. So gebe es beim Arm-Mutterkonzern eine Fraktion, die einen Börsengang des Chipdesigners vorziehen würde, solange Investoren die Chipindustrie noch als attraktiv bewerteten.

Tatsächlich können die Chiphersteller die steigende Nachfrage derzeit kaum befriedigen. Deshalb wollen Intel, Samsung oder auch Taiwan Semiconductor Manufacturing dreistellige Milliardenbeträge in neue Fabriken und Technologien investieren. Intel-Chef Pat Gelsinger (60) erwartet, dass sich der jährliche Umsatz der Halbleiterindustrie bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf eine Billion Dollar mehr als verdoppelt haben dürfte.

rei