Bündnis mit Ubisoft Netflix schließt mächtige Games-Allianz

Der Streaming-Marktführer aus den USA steht unter Druck. Die Abo-Zahlen sind rückläufig, die neue Spiele-Sparte wird kaum wahrgenommen. Nun soll ein Bündnis mit dem "Assassin`s Creed"-Entwickler Ubisoft den Durchbruch bringen.
Vorspiel: Mit dem Mega-Franchise "Assassin's Creed" verkaufte Ubisoft über 155 Millionen Spiele. Nun erhofft sich Netflix von der Reihe einen Boost.

Vorspiel: Mit dem Mega-Franchise "Assassin's Creed" verkaufte Ubisoft über 155 Millionen Spiele. Nun erhofft sich Netflix von der Reihe einen Boost.

Foto: Jonathan Alcorn / Bloomberg via Getty Images

Netflix-Chef Reed Hastings (61) möchte mehr bieten als nur Filme und Serien – um die Menschen so möglichst eng an seine Plattform zu binden. Seit November 2021 bietet der durch Abo-Rückgang unter Druck geratene Streaming-Dienst darum ein wachsendes Angebot an Handyspielen an. Je häufiger die Leute daddeln, desto länger zahlen sie – so lautet zumindest das Kalkül. Das Problem nur: Bislang bemerkt kaum jemand das zehn Monate alte Angebot.

Das soll sich nun ändern, Konzerngründer Hastings startet die zweite Offensive. Ein Bündnis mit dem französischen Games-Entwickler Ubisoft, der einige der populärsten Videospiele-Reihen herausgebracht hat ("Assassin‘s Creed", "Far Cry"), soll den Durchbruch bei den Spielen bringen. Die neue Allianz gaben die beiden Unternehmen am Samstagabend bekannt.

Ubisoft (Umsatz: 2,1 Milliarden Euro) wird drei Handy-Games exklusiv für Netflix produzieren; darunter auch einen Titel der populären Reihe "Assassin’s Creed". Seit 2007 wurden über 155 Millionen Spiele der Serie verkauft. Damit wird Netflix erstmals einen Titel eines der größten Game-Franchises weltweit exklusiv auf der Plattform anbieten können.

Zudem sollen ab 2023 Nachfolger zu zwei weiteren, weniger bekannten Ubisoft-Titeln – "Valiant Hearts" und "The Mighty Quest for Epic Loot" – nur bei Netflix zur Verfügung stehen, ohne Werbung oder In-App-Käufe. Zumindest anfangs. Wie lange die Handyspiele exklusiv bei Netflix bleiben werden, bevor sie auch auf anderen Plattformen zu Verfügung stehen, ließ Leanne Loombe, Netflix‘ Chefin für die Kooperationen mit externen Games-Entwicklern, bei einem Gespräch mit Journalisten im Vorfeld der Ankündigung offen.

Eckpfeiler der Netflix-Strategie

Die Managerin erklärte, dass Spiele für Netflix eine wichtige Ergänzung zu Serien und Filmen seien. Um eine Serie oder einen Film zu sehen, brauche man "ein paar Stunden". Games könnten hingegen auch für "fünf Minuten in der Pause" gespielt werden. "Mit Spielen können wir wirklich sicherstellen, dass unsere Mitglieder etwas haben, an dem sie sich beteiligen können, wo immer sie sich befinden", sagte Loombe. Deshalb sei die neue Games-Sparte "so wichtig" für die Netflix-Strategie.

Netflix bietet inzwischen 28 Mobilspiele  für iPhones und Android-Handys ab, bis Ende des Jahres sollen es rund 50 Titel werden. Neben Kooperationen mit externen Entwicklern hatte der Streamer auch drei unabhängige Spiele-Studios übernommen, darunter für 65 Millionen Euro das finnische Studio Next Games, das zuvor für Netflix unter anderem ein "Stranger Things"-Spiel entwickelt hatte. Netflix-Chef Hastings hatte Anfang des Jahres vor Investoren klargemacht, dass Netflix die eigene Games-Sparte sehr ernst nehme: Das Ziel sei nicht, nur mitzuschwimmen – man wolle "das absolute Beste" anbieten.

Bislang erreicht Netflix mit seinen Mobilspielen allerdings offenbar nur einen Bruchteil der Abonnenten. So bezifferte das App-Analysefirma Apptopia die Zahl der täglichen Nutzerinnen und Nutzer im August auf 1,7 Millionen – nicht einmal ein Prozent der weltweit rund 220 Millionen Netflix-Abonnentinnen und Abonnenten.

Kein Grund zur Sorge, redet Netflix-Managerin Loombe sich Mut zu. Solche Zahlen seien "zu erwarten" gewesen, da Netflix noch "ganz am Anfang" stehe. Vor allem wollten sie erstmal herausfinden, was bei den Netflix-Abonnentinnen und Abonnenten ankomme. "Wir erwarten nicht, dass jedes einzelne Mitglied heute Spiele spielt." Bislang sei Netflix "absichtlich etwas leise" im Games-Bereich gewesen, da man sich auf das Experimentieren konzentriere.

Das dürfte nun vorbei sein. Mit dem neuen Bündnis tritt Netflix schon einmal deutlich lauter auf. Und wird beweisen müssen, dass der Streamer wirklich Mehrwert liefern kann.

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