Streamingdienst Netflix verliert rund eine Million Abonnenten

Netflix verliert zwar viele zahlende Kunden im zweiten Quartal, letztlich aber sind es weniger als erwartet – auch dank des Mystery-Epos "Stranger Things". Anleger zeigen sich erleichtert, die Aktie steigt zweistellig.
"Stranger Things" (hier ein Teil des Ensembles, 2019)

"Stranger Things" (hier ein Teil des Ensembles, 2019)

Foto: Chris Delmas / AFP

Im April hatte Netflix noch gewarnt, in abgelaufenen Quartal würden wohl zwei Millionen Kunden verloren gehen. So schlimm ist es dann doch nicht gekommen. Bei dem Videostreaming-Dienst sind nicht einmal halb so viele Abonnenten abgewandert, wie vom Management befürchtet. Von April bis Juni sei die Zahl, auch dank Serienerfolgen wie dem Mystery-Epos "Stranger Things", um 970.000 gesunken. Das teilte der US-Konzern am Dienstag nach US-Börsenschluss mit.

Im laufenden Quartal vom Juli bis September werde man wohl eine Million neue Kunden hinzugewinnen, hieß es zudem. Analysten gingen bislang von 1,84 Millionen aus. Die Netflix-Aktie , die in diesem Jahr fast zwei Drittel an Wert eingebüßt hat, legte nachbörslich dennoch knapp 10 Prozent zu. Zum abgelaufenen Quartal erklärte Netflix zudem, der Umsatz sei um neun Prozent auf 7,97 Milliarden Dollar gestiegen. Ohne den starken Dollar hätte das Plus 13 Prozent betragen, hieß es. Das Betriebsergebnis sank jedoch um 15 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar.

Nach Jahren rasanten Wachstums litt Netflix zuletzt darunter, dass Rivalen wie Walt Disney, Warner Bros Discovery und Apple stark in ihre eigenen Streaming-Dienste investierten.

Werbespots sollen Preise senken – und Kunden locken

Zuletzt hatte der Rückgang bei den Abonnentenzahlen Netflix zum Umbau des Geschäftsmodells gedrängt. Nach 15 Jahren ohne eigenes Anzeigengeschäft will der Streamingdienst bald Werbespots ausspielen. Wie die Unternehmen Mitte Juli bekannt gaben, haben Microsoft und Netflix eine Werbepartnerschaft geschlossen. Der Softwareriese bringe alle nötigen Fähigkeiten dafür mit, erklärte der fürs operative Geschäft zuständige Netflix-Manager Greg Peters.

Einige Streaming-Konkurrenten bieten bereits Varianten ihrer Flatrates mit Werbespots an. Amazon will in Deutschland noch in diesem Jahr ein kostenfreies werbefinanziertes Angebot starten.

In den drei Monaten bis Ende März hatten sich noch rund 200.000 Abonnenten abgemeldet, wie das Unternehmen im April mitteilte. Eigentlich hatte Netflix laut eigener Prognose mit einem Zuwachs von 2,5 Millionen Kunden gerechnet. Diese Entwicklung hatte im Konzern für erhebliche Aufregung gesorgt – und zur Entlassung von rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt.

rei/Reuters
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