Kampf ums Metaversum Microsoft kauft "Candy-Crush"-Hersteller für 70 Milliarden Dollar

Mega-Übernahme in der Spielebranche: Für 70 Milliarden Dollar kauft Microsoft den Videospielanbieter Activision Blizzard. Konzernchef Nadella bläst damit zum Angriff auf das Internet der nächsten Generation.
Erfolg mit Videospielen: Activision Blizzard bietet Spiele wie "Call of Duty", "Overwatch" und "Candy Crush" an

Erfolg mit Videospielen: Activision Blizzard bietet Spiele wie "Call of Duty", "Overwatch" und "Candy Crush" an

Foto: Teresa Dapp/ dpa

Der Softwarekonzern Microsoft übernimmt in einem fast 70 Milliarden US-Dollar schweren Deal den Videospielanbieter Activision Blizzard. Der Software-Riese, der hinter der Xbox-Spielekonsole steht, sichert sich damit populäre Spiele wie "Call of Duty", "Overwatch" und "Candy Crush". Es wäre der bislang größte Deal in der Branche überhaupt und damit auch der größte Zukauf in der 46-jährigen Unternehmensgeschichte von Microsoft.

Microsoft bietet 95 Dollar je Aktie von Activision Blizzard, das entspricht einem Aufschlag von 45 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs von Freitag. Die Spielefirma wird damit insgesamt mit 68,7 Milliarden Dollar (60,4 Milliarden Euro) bewertet. Die an der US-Technologiebörse Nasdaq notierte Aktie von Activision kletterte zum Handelsstart um rund 32 Prozent zu, das Microsoft-Papier  verlor knapp 3 Prozent. Der Index der Techbörse selbst rutschte angesichts Sorgen um steigende Zinsen zuletzt um 1,7 Prozent ab.

Der bisherige Chef von Activision Blizzard, Bobby Kotick, solle weiter an der Spitze der Spielefirma bleiben, hieß es. Und das, obwohl er in den vergangenen Monaten nach Vorwürfen von sexueller Belästigung und Diskriminierung gegen Manager des Unternehmens in die Kritik geraten war. Im Zuge von staatlichen Ermittlungen wegen flächendeckender sexueller Missbrauchsvorfälle wurden 37 Mitarbeiter entlassen, wie Activision Blizzard am Montag mitgeteilt hatte, 44 weitere hätten eine schriftliche Verwarnung bekommen.

Sexskandal ließ Aktienkurs einbrechen

Im Zuge des Skandals waren die Aktien von Activision um 27 Prozent gefallen – für Microsoft ein attraktives Einstiegsszenario. Allerdings kann Microsoft den Deal sowieso problemlos aus der Portokasse finanzieren. Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021 erwirtschaftete der US-Konzern mit seinen 182.000 Mitarbeitern einen Nettogewinn von 61 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 168 Milliarden Dollar.

Das Team um Microsoft-Chef Satya Nadella (54) steigt damit ein in den Kampf um die Vorherrschaft im sogenannten Metaversum, dem Internet der nächsten Generation, in dem man aktiv teilnimmt, statt nur auf einen Bildschirm zu schauen – mit entsprechenden Verdienstmöglichkeiten. Als erster großer Konzern hatte sich hier Facebook positioniert , in dem Gründer und CEO Mark Zuckerberg (37) sein Unternehmen in Meta umbenannte.

Activision hat laut "New York Times " monatlich fast 400 Millionen Nutzer und einige der beliebtesten Videospiele der Welt im Portfolio, mit denen sich im Metaversum sicherlich gut Geld verdienen lässt. "Gaming ist heute die dynamischste und aufregendste Kategorie in der Unterhaltung auf allen Plattformen und wird eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Metaversum-Plattformen spielen", sagte Nadella in einer Erklärung.

mg/dpa-afx, Reuters