Stellenabbau "Ich habe mich geirrt" - Meta-Chef entlässt 11.000 Mitarbeiter

Meta-Chef Mark Zuckerberg wird rund 13 Prozent der Stellen streichen. Die Probleme der Facebook-Mutter sind teils hausgemacht. Zuckerberg entschuldigt sich dafür und verfolgt seine Pläne unbeirrt: Ins "Metaverse" will er allein 2023 rund 100 Milliarden Dollar investieren.
CEO Mark Zuckerberg entlässt 11.000 Mitarbeiter

CEO Mark Zuckerberg entlässt 11.000 Mitarbeiter

Foto: ERIN SCOTT / REUTERS

Mit einer der größten Entlassungswellen des Jahres im Technologiesektor will Meta-Chef Mark Zuckerberg (38) das Ruder herumreißen. Der Eigentümer von Facebook, Instagram und WhatsApp will insgesamt 11.000 Stellen oder 13 Prozent der Arbeitsplätze streichen, wie Meta am Mittwoch mitteilte. Es ist der erste Stellenabbau in der 18-jährigen Firmengeschichte.

Der Wirtschaftsabschwung, verschärfter Wettbewerb und schwindende Werbeeinnahmen hätten den Umsatz stärker beeinträchtigt als er gedacht habe, schrieb Zuckerberg an die Beschäftigten. "Ich habe mich geirrt, und ich übernehme die Verantwortung für diesen Fehler." Andere Technologiefirmen wie der Kurznachrichtendienst Twitter und das Softwarehaus Microsoft streichen ihre Belegschaft ebenfalls zusammen. Die Aktie von Meta kletterte vorbörslich um mehr als 4 Prozent.

Meta hat das Problem, dass das Kerngeschäft mit Werbung in Online-Diensten wie Facebook und Instagram weniger Einnahmen als bisher abwirft. Außerdem erschweren neue Datenschutz-Regeln von Apple das Personalisieren von Werbung für Nutzer von iPhone & Co. Sie gilt dadurch als weniger wirksam und wirft weniger ab. Zuckerberg hatte zuletzt bereits angekündigt, dass die Beschäftigtenzahl bei Meta vorerst nicht mehr wachse und im kommenden Jahr auch schrumpfen könne, weil sich der Konzern auf weniger Bereiche konzentrieren werde.

Teil der Probleme ist hausgemacht

Vor dem Hintergrund fallender Erlöse und steigender Ausgaben hatte Meta Ende Oktober einen erneuten Umsatz- und Gewinnrückgang bekannt gegeben und das schlechteste Ergebnis seit 2019 eingefahren. Allerdings ist ein Teil der aktuellen Probleme selbst verschuldet. Denn das Sorgenkind "Reality Labs" türmt Milliarden-Verluste auf. In dieser Sparte ist unter anderem die Entwicklung des "Metaversum" gebündelt, einer virtuellen Welt, die Zuckerberg als besonders zukunftsträchtig betrachtet. Daher hatte er sein Unternehmen vor rund einem Jahr von Facebook in Meta Platforms umbenannt.

Im Metaversum hofft der CEO auf gigantische Erlöse, langfristig soll der Social-Media-Konzern zu einem Plattformunternehmen für Produkte rund um das Thema virtuelle Realität werden. Allerdings: Die neue Ausrichtung kann als riskante Wette  gesehen werden, denn wie die neuen virtuellen Welten zukünftig genutzt werden, ist noch überhaupt nicht klar.

Zuckerberg will dennoch im kommenden Jahr insgesamt 100 Milliarden Dollar in das Metaversum, künstliche Intelligenz und andere Bereiche investieren. Dem gegenüber steht die Verlängerung des Einstellungsstopps bis ins erste Quartal 2023 hinein. Außerdem sollen andere Ausgaben reduziert werden. Das Unternehmen nannte bislang allerdings keine Details oder ein Volumen für die angestrebten Einsparungen.

Bei Investoren kam der geplante Sparkurs von Meta gut an: Die Aktien der Facebook-Mutter stiegen im vorbörslichen US-Geschäft um rund vier Prozent. Damit lagen sie aber immer noch rund 70 Prozent unter dem Niveau von Anfang Januar und steuerten auf den größten Jahresverlust seit dem Börsengang 2012 zu. "Der Markt atmet auf, dass das Meta-Management oder Zuckerberg im Besonderen einen Ratschlag zu beherzigen scheint, nämlich die wachsenden Ausgaben etwas zu drosseln", sagte Sophie Lund-Yates, leitende Analystin beim Brokerhaus Hargreaves Landsdown. "Allerdings passt es nicht zusammen, dass sie auf der einen Seite die Effizienz steigern wollen und gleichzeitig etwas so Ehrgeiziges und Unbeständiges wie das Metaversum vorantreiben."

rei, frm/Reueters, dpa
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