Bilanz für das erste Quartal Facebook-Konzern Meta begeistert wieder mehr Nutzer

Nach dem enttäuschenden Vorquartal kann Meta-Chef Mark Zuckerberg nun wieder eine steigende Nutzerzahl verkünden. Anleger reagieren erleichtert, obwohl der Umsatz so langsam gewachsen ist wie zuletzt zum Börsengang vor zehn Jahren.
Facebook heißt jetzt Meta: Für das laufende Quartal könnte dem Konzern von Mark Zuckerberg ein Umsatzrückgang drohen

Facebook heißt jetzt Meta: Für das laufende Quartal könnte dem Konzern von Mark Zuckerberg ein Umsatzrückgang drohen

Foto: Eric Risberg / AP

Die Nutzerzahlen beim Facebook-Konzern Meta sind zu Jahresbeginn nach einem Durchhänger Ende 2021 wieder deutlich gewachsen. So griffen auf Facebook im ersten Quartal dieses Jahres täglich 1,96 Milliarden Nutzer zu – rund 30 Millionen mehr als drei Monate zuvor. Die Erleichterung bei Anlegern war groß: Die Meta-Aktie  sprang im nachbörslichen Handel um über 18 Prozent hoch. Allerdings hat die Aktie seit Jahresstart auch fast die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Im Vierteljahr davor war die tägliche Nutzerzahl erstmals gesunken, und zwar um eine Million auf 1,93 Milliarden. Trotz des geringen Rückgangs war das als Alarmsignal interpretiert worden. Meta räumte damals verstärkte Konkurrenz von der Kurzvideo-App Tiktok als einen zentralen Grund ein. Die Aktie verlor daraufhin an einem Tag ein Viertel ihres Werts und sank danach noch weiter.

Jetzt betonte Gründer und Chef Mark Zuckerberg (37) mit Nachdruck den Erfolg der hauseigenen Tiktok-Kopie Reels. In Metas App Instagram etwa schauten sich Nutzer ein Fünftel der Zeit Reels-Videos an, sagte er in einer Telefonkonferenz mit Analysten am Mittwoch. Bei Facebook fülle Video die Hälfte der Nutzungszeit aus – und Reels verzeichnete auch dort Zuwächse. An einem Werbeformat dafür arbeitet Meta allerdings immer noch.

Tiktok wurde populär mit der Idee, kurze Videos für die Nutzer gemäß ihren Interessen von Software auswählen zu lassen. Die Algorithmen achten dabei unter anderem darauf, wie lange man bei einem Video vor dem Weiterblättern verbleibt.

Teure Entwicklung des Metaverse frisst Umsatz auf

Zuckerberg will nun solche künstliche Intelligenz  nicht nur für die Personalisierung von Kurzvideos einsetzen. Sie solle den Nutzern alle möglichen Inhalte über verschiedene Plattformen von Meta hinweg empfehlen, sagte er. "Ich denke, die Leute werden in Zukunft verstärkt Entdeckungsmaschinen auf Basis künstlicher Intelligenz nutzen, damit sie sie unterhalten, ihnen Dinge beibringen und sie mit Menschen mit ähnlichen Interessen verbinden."

Ende vergangenen Jahres verkündete Zuckerberg groß den Fokus auf eine künftige digitale Welt – das Metaverse – und änderte deshalb auch den Konzernnamen von Facebook zu Meta. Jetzt betonte er, dass die bisherigen Dienste wie Facebook und Instagram genug Geld verdienen müssten, um die Entwicklung der neuen Plattform zu finanzieren.

Darum kümmert sich bei Meta der Bereich Reality Labs, in dem auch das Geschäft mit Brillen zur Darstellung virtueller Realität untergebracht ist. Dank dieser Geräte machten die Reality Labs im vergangenen Quartal einen Umsatz von 695 Millionen Dollar. Durch die teure Metaverse-Entwicklung verbuchten sie zugleich einen operativen Verlust von 2,96 Milliarden Dollar.

Geringes Umsatzwachstum, Gewinn gesunken, schwacher Ausblick

Insgesamt läuft es für den Konzern nicht so rund wie früher. Der Umsatz wuchs im ersten Quartal im Jahresvergleich lediglich um 7 Prozent auf 27,9 Milliarden Dollar (26,4 Milliarden Euro). Das ist so wenig wie zuletzt zum Börsengang vor zehn Jahren – und Meta verfehlte damit die Erwartungen der Analysten. Der Konzern verweist unter anderem auf die Abschwächung des Geschäfts durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das liege nicht nur am Stopp der Anzeigenplattform in Russland, sondern auch daran, dass die Sorge um wirtschaftliche Konsequenzen des Krieges die Aktivität der Werbekunden insgesamt bremse. Auch Apples neue Datenschutzregeln hätten für einen Umsatzrückgang gesorgt. Das neue Betriebssystem für Apples iPhone erschwert die Personalisierung von Werbung, wodurch sie als weniger wirksam gilt und weswegen Werbetreibende dann auch weniger zahlen.

Für das laufende Vierteljahr stellte Meta einen Umsatz zwischen 28 und 30 Milliarden Dollar in Aussicht. Bei einem Vorjahreswert von 29 Milliarden Dollar könnte es damit sogar einen Umsatzrückgang geben. Unter dem Strich sank der Gewinn wegen deutlich höherer Ausgaben unter anderem für neue Mitarbeiter und Investitionen in Produkte um gut ein Fünftel auf 7,47 Milliarden Dollar.

Russische Behörden hatten vor Gericht eine Blockade von Facebook und Instagram wegen "extremistischer Aktivitäten" im Land durchgesetzt. Sie verwiesen darauf, dass Meta in der Ukraine Aufrufe zur Gewalt gegen russische Besatzungstruppen toleriert. Rein technisch können Russen die Sperre mit Hilfsmitteln wie VPN-Tunneln umgehen. Meta rechnet dennoch damit, dass wegen des Wegbruchs vieler Nutzer in Russland die Zahl monatlich aktiver Nutzer in Europa im laufenden Quartal sinken wird. Das werde möglicherweise auch zum Rückgang der weltweiten Nutzerzahl führen, sagte Finanzchef Dave Wehner.

Mindestens eine App des Meta-Konzerns – darunter auch WhatsApp und Instagram – verwendeten zuletzt täglich 2,87 Milliarden Nutzer. In den vorherigen drei Monaten waren es 2,82 Milliarden gewesen. Der Konzern kündigte auch an, die Kosten in diesem Jahr zu senken. Bisher wurden die Ausgaben auf 90 bis 95 Milliarden Dollar angesetzt. Jetzt rechnet Meta mit einer Spanne von 87 bis 92 Milliarden Dollar.

mg/dpa-afx, Reuters