Podcast Cover

Siemens-Strategiechef im Podcast Wie soll Siemens ein echtes Software-Schwergewicht werden, Peter Körte?

Siemens-Strategiechef Peter Körte ist auf Wachstumsmission und will den Industriekonzern wandeln. Wie das gelingen soll und was er von der abgeschlagenen Bewertung an der Börse hält, erklärt der Topmanager im Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger".

Ein ganz großer Abend in Berlin lag vor Peter Körte (46). Die Siemens AG, wo Körte Technologie- und Strategiechef ist, feierte ihren 175. Geburtstag. Selbst Kanzler Olaf Scholz (64, SPD) würde zum Festakt kommen.

Vorher aber findet Peter Körte noch einen Moment Zeit. Er schiebt sein Rollköfferchen in das Podcast-Studio am Berliner Hauptbahnhof. Hier soll es heute genau um das Thema gehen: Wie kann ein Unternehmen eigentlich so lange überleben – und vor allem, wie will Siemens das in Zukunft schaffen?

Konzern-CEO Roland Busch (58) setzt dafür ganz maßgeblich auf seinen langjährigen Vertrauten Peter Körte als Wachstumshelfer . Gleich nach dem Amt als Technologiechef teilte Busch ihm noch das des Strategiechefs zu.

Denn das Siemens-Management, erst unter Joe Kaeser (65) , inzwischen unter Busch, hatte in den vergangenen Jahren eine massive Transformation angestoßen. Siemens soll sich vom Industrie- zum Softwareunternehmen wandeln. Das Mittel der Wahl: Selbstständigkeit. Die großen Sparten der Medizintechnik (Healthineers) und Energie wurden abgetrennt.

"Eine Transformation ist nie einfach", sagt Peter Körte im manager-magazin-Podcast Deutschlands digitale Hoffnungsträger. "Sie betrifft alle und […] natürlich gab es viele Fragen. Vor zwei, zweieinhalb Jahren war es die Diskussion: Das ist dann 'Siemens-Rest', nach Healthcare und der Siemens Energie. Was absolut nicht richtig ist."

Peter Körte soll für das übrige Geschäft nun State-of-the-Art-Softwarelösungen erdenken und weiterentwickeln, sie an die Industriekunden bringen und die richtige Strategie finden, die Siemens in die Zukunft tragen kann.

Ein neuer Marktplatz für die besten Tech-Lösungen soll etwa dabei helfen ("Xcelerator"), mit frischen Programmen für die digitale Industrie, und soll gleich noch die Schwächen des Vorgängers Mindsphere  überwinden. "Wir erhoffen uns damit natürlich Wachstum, das heißt, mindestens 10 Prozent pro Jahr", sagt Körte im Podcast. "Aber das ist eine Mindestzahl."

Die Plattform ist nicht der einzige große Plan. Mit dem US-Chip-Riesen Nvidia plant Siemens eine Partnerschaft. Sie soll die vorhandenen Technologien für die digitale Modellierung etwa von Fabriken und den Abläufen darin noch einmal revolutionieren und ins Metaverse tragen. Noch ist das Ganze in der Experimentierphase, der Ausgang: offen. Den Kunden wolle man erst einmal zeigen, was man könne, so Körte. Wer was vom Kuchen abbekommt, "das ist gar nicht so festgelegt, dass man jetzt sagt: Okay, jetzt müssen wir gleich hier die Beute verteilen".

Die Supermächte Amazon und Microsoft sieht Körte lieber erst einmal als Partner anstatt als Konkurrenz: "Natürlich gibt es hier und dort Überschneidungen im Sinne des Portfolios. Aber ich würde heute nicht sagen, dass wir großer Wettbewerber sind, dass wir jetzt uns da auf den Füßen stehen."

Bei den speziellen Industrie-Daten sieht er sich außerdem im Vorteil gegenüber Big Tech: "Wir sind ja in den Industrien unterwegs, in der Infrastruktur, in der Mobilität. Und dadurch, dass wir die Hardware da überall verbaut haben, wissen wir, wie das alltägliche operative Leben dort aussieht. Und wir wissen, nach welchen Daten man dann suchen muss. Das ist etwas anderes, als wenn ich mit Daten daherkomme und sage, ich kann eigentlich alles analysieren, ich weiß aber nicht, wonach ich suche."

An der Börse sind die Anleger allerdings bisher nicht auf die neue Story von Siemens als Tech Company aufgesprungen. Die Bewertung ist abgeschlagen. "Wir haben sehr, sehr viele angelsächsische Investoren, die natürlich jetzt auf diese ganze Verunsicherung, die sie in Europa sehen, reagieren und entsprechend Kapital abziehen. Damit sind wir als Siemens auch deutlich stärker betroffen als andere", sagt Körte. Nervös sei er aber nicht. Hauptfokus ist eh erstmal: "Wie können wir unser Wachstum beschleunigen?"

Denn das kann mit dem der großen Tech-Giganten noch nicht mithalten.

Erfahren Sie mehr im manager-magazin-Podcast Deutschlands digitale Hoffnungsträger
– in der aktuellen Folge mit Peter Körte über Siemens oder in den bisherigen Folgen der neuen dritten Staffel:

1. Folge: Jörg Gerbig, COO JustEat Takeaway, über die Gründung von Lieferando, den Essensliefermarkt und die Verluste der Unternehmen

2. Folge: Janna Ensthaler, Gründungspartnerin des 100 Millionen Euro schweren Green Generation Fund, über nachhaltiges Investieren

3. Folge: Mario Kohle, CEO und Gründer, Enpal, über den aktuellen Boom seines Solar-Start-ups

4. Folge: Constanze Buchheim, CEO und Gründerin von i-Potentials, über Personenkult bei Gründern und gute Führung in der Krise.

Im Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" informiert und diskutiert mm-Redakteurin Christina Kyriasoglou mit ihrem Kollegen Mark Böschen und ausgewählten Gästen aus der deutschen Wirtschaft, welche Chancen die wichtigsten digitalen Hoffnungsträger haben, an die Weltspitze vorzustoßen und was die Krisen derzeit für sie bedeuten. Sie können den Podcast über manager magazin sowie auf Spotify , Apple , Deezer  und bei castbox  abonnieren.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.