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100-Millionen-Euro-Vehikel Wie Janna Ensthaler Deutschlands größten Green-Tech-Fonds aufbaut

Im Sommer hat die Investorin aus Berlin ihren Green Generation Fund geschlossen. Ihr Ziel: Mit Beteiligungen an Food- und Nachhaltigkeits-Start-ups den Wert verfünffachen. Im Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" erklärt sie ihre Pläne.

Ein grün-weißer E-Scooter ist Janna Ensthalers (39) Transportmittel der Wahl, um von ihrem Termin in Berlin-Mitte zum Podcast-Studio am Hauptbahnhof zu fahren. Nach einem eng getakteten Morgen beißt sie erst einmal in ein Gebäckstück der glutenfreien Bäckerei Aera. Vorher einfach keine Zeit gehabt.

Damit ist man gleich nah am Thema: Die Investorin hat im Sommer ihren Fonds für grüne Start-up-Investments mit 100 Millionen Euro geschlossen, und der Fokus liegt auf Entwicklungen von "Food Tech" wie veganen Ersatzprodukten und Technologien zur Bekämpfung des Klimawandels. Der Green Generation Fund, den Ensthaler mit ihrer Studienfreundin aus Oxford-Zeiten, Manon Littek (42), gegründet hat, ist bisher das größte Vehikel dieser Art in Deutschland.

Ziel der beiden Fondspartnerinnen ist es, in den nächsten zehn Jahren die 30 besten Firmen für ihren Fonds in Europa zu finden. Ihren Einsatz wollen sie im schlechtesten Fall verdreifachen, "im besten Fall, was unser Ziel ist, verfünffachen", sagt Ensthaler im Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" des manager magazins.

Die Zeit mit Oliver Samwer "war der bestmögliche Business-MBA, den ich hätte machen können".

Janna Ensthaler

Ensthaler startete mehrere eigene Unternehmen, bevor es sie auf die Investorenseite zog. Unter anderem baute sie zwei Jahre lang den Kosmetik-Versender Glossybox mit Rocket Internet als Geldgeber auf. Von Rocket-Chef Oliver Samwer (50) habe sie viel gelernt, "nämlich was man alles in einer Woche, in einem Monat, in einem Jahr schaffen kann", so Ensthaler. "Ich muss sagen, dass ich im Nachhinein wirklich sehr dankbar bin für die Zeit mit Oli, weil er einfach extrem viel Energie hat und gezeigt hat, was man mit dieser Energie umsetzen kann. Das war wirklich der bestmögliche Business-MBA, den ich hätte machen können."

Abseits des Rocket-Universums baute Ensthaler ein Gastronomieunternehmen und einen Vermittler für Konferenz- und Veranstaltungsräume auf.

Ihre Gesinnung habe sich bei einer einwöchigen Reise durch die Arktis mit dem ehemaligen US-Vizepräsidenten und Umweltschützer Al Gore (74) im Jahr 2012 gewandelt. Die Regeln für ihren Investmentfonds hat Ensthaler entsprechend streng gestrickt. Das Vehikel soll ein Investmentfonds nach Artikel neun werden, die sich an besonders strenge Nachhaltigkeitsregeln binden. Ein Drittel der Rendite sei außerdem daran gebunden, dass der Fonds seine Nachhaltigkeitsversprechen einhält – sonst "bekommen wir auch den Anspruch nicht".

Ensthaler hofft darauf, die nächsten Revolutionen im Lebensmittel-Sektor zu entdecken – wie vielleicht das Unternehmen Neggst, an dem sich ihr Fonds beteiligt hat. Die Forscherin Verónica García Arteaga entwickelte am Fraunhoffer-Institut ein patentiertes, künstliches, veganes Ei, das alle Eigenschaften eines tierischen haben soll. Das gilt es jetzt in den Handel zu bringen.

"Wir brauchen in den nächsten Jahrzehnten eine Art und Weise, wie wir uns autark in Europa ernähren können", sagt Ensthaler im Podcast. "Wir können uns nicht mehr auf globale Supply Chains verlassen und wir können uns auch nicht darauf verlassen, dass die Ernten jedes Jahr gut reinkommen, durch den Klimawandel und die irregulären Wettersituationen, die wir in Zukunft leider immer häufiger bekommen werden."

Erfahren Sie mehr im manager-magazin-Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger":

In der aktuellen Folge mit Janna Ensthaler über ihren Green Generation Fund – oder in der bereits erschienenen ersten Folge der neuen dritten Staffel mit Jörg Gerbig, Lieferando-Gründer und COO bei JustEat Takeaway, über den Essensliefermarkt und die Frage, wie groß sein Konzern werden kann.

Im Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" informiert und diskutiert mm-Redakteurin Christina Kyriasoglou mit ihrem Kollegen Mark Böschen und ausgewählten Gästen aus der deutschen Wirtschaft, welche Chancen die wichtigsten digitalen Hoffnungsträger haben, an die Weltspitze vorzustoßen und was die Krisen derzeit für sie bedeuten. Sie können den Podcast über manager magazin sowie auf Spotify , Apple , Deezer  und bei castbox  abonnieren.

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