Luxusuhren-Onlineportal Schweizer Uhrenhändler Chronext bereitet Börsengang vor

Mit einem Börsengang will sich der Luxusuhren-Onlinehändler Chronext frische Mittel für weiteres Wachstum beschaffen. Das Geschäft mit Nobel-Chronometern boomt - erst kürzlich ist Milliardär Bernard Arnault bei der Konkurrenz eingestiegen.
Außen Edelstahl, doch Zeiger und Indexe bestehen aus Weißgold: Die 2021 überarbeitete "Explorer II" von Rolex, die der Online-Uhrenhändler Chronext ungetragen und gebraucht verkauft

Außen Edelstahl, doch Zeiger und Indexe bestehen aus Weißgold: Die 2021 überarbeitete "Explorer II" von Rolex, die der Online-Uhrenhändler Chronext ungetragen und gebraucht verkauft

Foto: Ulysse Fréchelin / Rolex

Mit einem Börsengang will sich der Schweizer Luxusuhren-Händler Chronext frische Mittel für weiteres Wachstum beschaffen. Das Jungunternehmen, das über eine Online-Plattform gebrauchte und neue Uhren von Marken wie Rolex, Omega oder Patek Philippe verkauft, peile im vierten Quartal ein Notierung an der Schweizer SIX an, wie Chronext am Freitag mitteilte.

Im Rahmen der Transaktion wolle die Firma neue Aktien im Volumen von rund 250 Millionen Franken (230 Millionen Euro) platzieren. Zudem dürften auch die bestehende Aktionäre, zu denen eine Reihe von Finanzinvestoren sowie die Gründer gehören, Anteile verkaufen. Einem Insider zufolge könnten diese ein Volumen von rund 100 Millionen Franken (92 Millionen Euro) erreichen. Chronext machte keine Angaben zum angepeilten Börsenwert. Früheren Aussagen von Insidern zufolge könnte dieser aber bis zu eine Milliarde Euro erreichen.

Die Corona-Krise hat dem Handel von Luxusuhren über das Internet einen Schub gegeben. Das Geschäft erhalte aber auch von längerfristigeren Treibern Rückenwind. "Wir sehen gerade die Millenials als Impulskäufer, die prädestiniert sind für Online-Käufe", sagte Chronext-Chef Philipp Man der Nachrichtenagentur Reuters.

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Foto: Rolex

Nach Einschätzung von Kepler-Cheuvreux-Analyst Jon Cox wächst der Sekundärmarkt schneller als der Markt für neue Uhren und kommt auf ein Volumen von rund 20 Milliarden Dollar. "Er ist meist online, transparent und zieht jüngere Käufer an, die mit den Produkten handeln und in Uhren als Anlageklasse investieren." Immer mehr Hersteller würden ihre Skepsis gegenüber diesem Geschäft ablegen.

Chronext will 2021 den Umsatz um 40 Prozent steigern

Die 2013 gegründete Chronext wuchs 2020 um 18 Prozent auf 101,3 Millionen Euro. Im laufenden Jahr peile das Unternehmen ein Plus von rund 40 Prozent an. Die Erlöse aus dem Börsengang sollen je etwa zur Hälfte in Zukäufe und in das bestehende Geschäft fließen. Bisher war die Firma vor allem in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Großbritannien aktiv, im vergangenen Jahr kamen Frankreich, Italien und die Niederlande dazu.

Chronext wolle aber auch in den asiatischen und den US-Markt einsteigen. "Diese Märkte sind hoch fragmentiert und bieten Übernahmeziele."

Gegenwärtig habe die Firma über 120 Mitarbeiter. Hauptsitz sei die Schweiz, das operative Geschäft werde aber noch größtenteils aus Köln betrieben. Die Firma plane, im operativen Geschäft mittelfristig die Gewinnschwelle zu erreichen. Beim Börsengang seien Jefferies und die UBS federführend. Ebenfalls beteiligt seien Bank of America und Deutsche Bank.

Chronext sieht sich selbst als Luxusfirma und bietet den Kunden auch die Möglichkeit, die Uhren vor dem Kauf in einer ihrer Boutiquen anzuschauen und nach dem Online-Kauf auch dort abzuholen. Experten prüfen die Uhren zudem auf ihre Echtheit. Zu den Konkurrenten gehören etwa die deutsche Chrono24, die Richemont-Tochter Watchfinder, die amerikanische WatchBox oder auch Ebay.

Die Karlsruher Chrono24 nahm vor einem möglichen Börsengang kürzlich prominente neue Investoren an Bord. So beteiligte sich auch der Start-up-Investor des LVMH-Großaktionärs Bernard Arnault (72), Aglaé Ventures. Arnault liefert sich derzeit mit Amazon-Chef Jeff Bezos (57) ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des reichsten Menschen der Welt. Der Milliardär ist Großaktionär des französischen Luxuskonzerns LVMH, der allein im ersten Quartal 2021 einen Umsatz von 14 Milliarden Euro erwirtschaftete.

wed/Reuters