Gedrängel der Lieferdienste Jetzt will auch noch Doordash in Deutschland starten

Uber Eats, Delivery Hero, Lieferando, Hellofresh ... als gäbe es nicht schon genug Firmen, die Menschen in Deutschland mit Essen und anderen Artikeln beliefern, stößt nun auch noch der US-amerikanische Marktführer Doordash dazu. Kann das gutgehen?
In den USA rasant gewachsen: Nun plant der Lieferdienst Doordash auch den Eintritt in den deutschen Markt, der ist allerdings ist extrem hart umkämpft

In den USA rasant gewachsen: Nun plant der Lieferdienst Doordash auch den Eintritt in den deutschen Markt, der ist allerdings ist extrem hart umkämpft

Foto: John Marshall Mantel / imago images/ZUMA Wire

Die Deutschen müssen ein Ausbund an Bequemlichkeit sein - jedenfalls in den Augen der zahlreichen Lieferdienste, die um die Gunst der Kunden hierzulande werben und Expansionspläne schmieden: Vor wenigen Tagen erst kündigte Delivery Hero für Juni die Rückkehr auf den deutschen Markt unter dem Namen Foodpanda an. Kurz zuvor hatte Fahrdienstvermittler Uber erklärt, mit seinem Dienst Uber Eats den Marktführer Lieferando (Just Eat Takeaway) anzugreifen. Auch der finnische Lieferdienst Wolt kämpft in deutschen Großstädten um Kunden . Nun gesellt sich noch das US-Unternehmen Doordash hinzu, das den US-amerikanischen Markt binnen zwei Jahren aufgerollt und es dort zum Marktführer gebracht hat.

Laut "Financial Times"  sucht Doordash für Berlin 15 Topleute, die Positionen in den Bereichen Management, Strategie und Personalrekrutierung besetzen sollen. Wann die US-Amerikaner starten wollen, ist unklar. Doordash wollte sich zu Stellenausschreibungen und Plänen gegenüber der FT nicht äußern.

Doch lässt sich das Modell, mit dem Doordash in den USA binnen zwei Jahren seinen Marktanteil rasant auf 55 Prozent hochschraubte und damit die Marktführerschaft eroberte, auf einen hart umkämpften Markt wie Deutschland übertragen?

In den USA hatte Doordash den Marktführer Grubhub vielerorts erfolgreich attackiert, indem es eine eigene Lieferflotte aufbaute und auch aus Restaurants lieferte, die nicht selbst Speisen ausfuhren. Vor allem in den Vorstädten, die Uber Eats und Grubhub mieden, wuchs Doordash rasant. Damit baute Doordash seinen Marktanteil, der Anfang 2018 noch bei weniger als 20 Prozent lag, zur heute dominanten Position aus.

Gigworker-Modell funktioniert in Deutschland nicht

In Deutschland wird dieses Playbook wohl nicht so funktionieren: Der Arbeitsmarkt hierzulande ist durch Gesetze strenger reglementiert, Doordash wird das US-amerikanische Gigworker-Modell hier nicht übertragen können. Der Marktführer Lieferando liefert selbst mit mittlerweile 10.000 sozialversicherungspflichtig angestellten Kurierfahrern aus rund 40 Städten. Bis Ende des Jahres soll die Zahl auf 80 Städte steigen.

Lieferando hat aus der Niederlage von Grubbub gelernt und will Doordash und den anderen Konkurrenten von Wolt bis Uber Eats und dem bald startenden Dienst Foodpanda keine offene Flanke bieten. Der Dienst hat die wichtigsten Restaurants nahezu alle unter Vertrag. Keiner der anderen Dienste dürfte den Restaurants auch in Zukunft so viele Kunden liefern wie der Marktführer.

Nun stellt sich Doordash in den USA bereits breiter auf: Gut 7 Prozent der Gesamtbestellungen entfallen mittlerweile auf Convenience-Artikel wie Toilettenartikel, Blumen oder Alkohol. Dabei holt Doordash nicht nur in bestehenden Geschäften ab, sondern betreibt auch ein stetig wachsendes Netzwerk von Lagerhäusern, in denen Kuriere Artikel zur möglichst schnellen Lieferung abholen können. Gut möglich, dass Doordash dies als Blaupause für den deutschen Markt nutzen will, allerdings versprechen auch Wettbewerber wie Gorillas und Flink immer schnellere Lieferungen.

Insgesamt dürfte für Doordash der Markteintritt in Deutschland daher besonders hart werden. Auch deshalb, weil die Wettbewerber Delivery Hero, Wolt und Uber den hiesigen Markt deutlich besser kennen. Nicht zuletzt wird Doordash viel Geld in die Hand nehmen müssen, um in Deutschland Fuß zu fassen - dabei fährt der an der Börse nach wie vor hoch bewertete Lieferdienst in den USA noch horrende Verluste ein. Ob die Aktionäre das noch länger so hinnehmen, bleibt abzuwarten. Nach ihrem spektakulären Börsengang im Dezember vergangenen Jahres  markierte die Aktie mit 215 Dollar im Februar zwischenzeitlich ein Rekordhoch, bis Mitte Mai ging es aber auf 115 Dollar wieder steil bergab.

rei, rs
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