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Lieferando-Gründer Jörg Gerbig "Oft bist du mit 200 km/h gegen die Wand gefahren"

Der Markt der Essenslieferdienste steht massiv unter Druck. Lieferando-Gründer Jörg Gerbig spricht im Podcast Deutchlands digitale Hoffnungsträger über den schwierigen Aufbau seines Start-ups und seine Pläne im Geschäft mit den schnellen Lebensmittellieferungen.

Jörg Gerbig (41) ist eine große Ausnahme. Vor acht Jahren schon hat der Gründer sein Start-up Lieferando an das größere niederländische Lieferunternehmen Takeaway verkauft. Trotzdem sitzt er dort heute noch an der Spitze, als Chief Operating Officer. Einen solchen Weg gehen nur wenige Gründer mit – die meisten nehmen nach einer Übernahme so schnell wie möglich Reißaus.

In seinen 13 Jahren in der Essenslieferbranche hat Gerbig eine Menge Wettbewerber kommen und pleitegehen sehen. Auch aktuell stehen die Lieferfirmen der notorisch defizitären Branche wieder unter starkem Druck. Die Konsolidierung hat bereits begonnen – vor allem trifft es derzeit die Schnell-Lieferfirmen für Lebensmittel.

Die Wettbewerber in diesem Segment, sogenannte "Quick Commerce"-Start-ups wie Gorillas, Flink oder Getir, sieht Gerbig skeptisch. "Das waren teilweise Geschäftsmodelle, wo auf jeder Order 50 Euro oder mehr Verlust gestanden haben", sagt er im manager-magazin-Podcast Deutschlands digitale Hoffnungsträger. Da könne man sich fragen: "Wieso wurde das überhaupt finanziert? Aber ich glaube, viele Investoren haben durch die Erfahrung der letzten 15 Jahre gesagt: 'Eigentlich ist es mir fast egal, ob das Geschäftsmodell irgendwann mal profitabel wird, ob es nachhaltig ist'."

Für Gerbig ist es nicht die erste Krise, die er erlebt. Schon nach der Lieferando-Gründung 2009 lief alles zäher als gedacht. Die Auswirkungen der Finanzkrise nach dem Lehman-Schock im Jahr zuvor hatten das Investitionsklima einfrieren lassen, für sein Start-up war kaum Geld aufzutreiben. Es ging so weit, dass er nach seiner Bankkarriere noch einmal seine Eltern um Geld anpumpen musste.

"Ich kam mir vor wie ein Anwalt."

Jörg Gerbig

Ihr erstes Gehalt hatten Gerbig und seine Mitgründer Christoph Gerber (36) und Kai Hansen (40) auf "1500 Euro brutto" gelegt, erinnert er sich an den Aufbau der Firma. "Ich hatte meine ganzen Ersparnisse nach drei, vier Jahren aufgebraucht. Das war auch einer dieser Momente, wo ich gedacht habe: 'Hmmm, vielleicht hätte ich doch bei der Bank bleiben sollen'."

Gerbig sagt: "Oft bist du mit 200 km/h gegen die Wand gefahren, weil du noch Verluste generiert hast und gesehen hast: In zwei Wochen geht dir das Geld aus. Und du müsstest dich dann eigentlich vor deine Leute stellen und sagen: Hey, sorry, tut uns leid, wir sind pleite."

Die Kosten in die Höhe getrieben hat ein erbitterter Kampf gegen den Hauptwettbewerber in Deutschland: Lieferheld, die Marke von Niklas Östbergs (42) Delivery Hero. Nicht nur flossen über die Jahre immense Millionensummen ins Marketing, um die Kundengunst für sich zu entscheiden. Auch vor Gericht stritt man sich immer wieder, zeitweise liefen um die zehn Verfahren gleichzeitig. "Ich kam mir vor wie ein Anwalt", sagt Gerbig.

Zu dritt im Gründerteam gewesen zu sein, sei immerhin eine große Hilfe gewesen: "Einer war immer irgendwie gut drauf." Und auch die Geldnöte legten sich 2014, als Gerbig und Co. das Start-up an Takeaway verkauften.

Seit dem Zusammengehen mit Lieferando hat das Takeaway-Management unter CEO Jitse Groen (44) massive Akquisitionen gestemmt, in Großbritannien den Lieferdienst JustEat und in den USA GrubHub gekauft – für insgesamt mehr als 13 Milliarden Euro. "Zum damaligen Zeitpunkt haben wir immer gedacht, das ist das Beste für die Firma und haben dementsprechend agiert", so Gerbig. Inzwischen sorgt gerade der US-Markt für miese Zahlen.

Gerbig erklärt im manager-magazin-Podcast, wieso er an eine Profitabilität seines Konzerns in der Zukunft glaubt. Er spricht darüber, wie groß das Liefergeschäft von JustEat Takeaway werden soll und wie er den Schritt in den Markt mit den schnellen Lebensmittellieferungen angeht. Denn das soll bei Takeaway deutlich profitabler passieren als bei so mancher Konkurrenz.

Doch insgesamt ist auch da der Weg noch weit: Sechs Jahre nach dem Börsengang stehen unter dem Strich weiter keine Gewinne.

Im Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger" informiert und diskutiert mm-Redakteurin Christina Kyriasoglou mit ihrem Kollegen Mark Böschen und ausgewählten Gästen aus der deutschen Wirtschaft, welche Chancen die wichtigsten digitalen Hoffnungsträger haben, an die Weltspitze vorzustoßen und was die Krisen derzeit für sie bedeuten. Sie können den Podcast über manager magazin sowie auf Spotify , Apple , Deezer  und bei castbox  abonnieren.

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