Kryptokrise weitet sich aus Kryptoverleiher Genesis stellt Antrag auf Gläubigerschutz

Trotz der jüngsten Kurserholung am Kryptomarkt geraten immer mehr wichtige Player der Branche in Schwierigkeiten. Nach der Pleite von FTX hat nun der Kryptoverleiher Genesis einen Teilantrag auf Gläubigerschutz gestellt. Genesis gehört zum Kryptoriesen DCG, und DCG muss sich nicht nur über Genesis Sorgen machen.
Beben am Kryptomarkt: Nach FTX ist auch die DCG-Tochter Genesis in Schwierigkeiten geraten

Beben am Kryptomarkt: Nach FTX ist auch die DCG-Tochter Genesis in Schwierigkeiten geraten

Foto: DADO RUVIC / REUTERS

Die Turbulenzen nach dem Kollaps der Kryptowährungsbörse FTX fordern ihr nächstes Opfer. Die Kreditvergabesparte des Kryptowährungsbrokers und -verleihers Genesis stellte am Freitag in den USA Antrag auf Gläubigerschutz. Genesis Global Capital verfügt über Aktiva und Passiva zwischen einer und zehn Milliarden Dollar, wie aus Gerichtsunterlagen hervorging. Die Zahl der Gläubiger schätzte die Firma darin auf 100.000.

Die Handelssparte sei von der Insolvenz aber nicht betroffen, betonte das Unternehmen. Kunden könnten wie gewohnt Cyberdevisen kaufen und verkaufen. Genesis hatte als Reaktion auf die FTX-Affäre im November die Kreditvergabe vorläufig eingestellt und Abhebungen blockiert. Außerdem setzte die Firma einen Großteil der Belegschaft vor die Tür.

Schlagabtausch mit Gemini und Kritik von der Börsenaufsicht

Gleichzeitig liefert sich Genesis einen Schlagabtausch mit dem Vermögensverwalter Gemini. Die Institute hatten gemeinsam ein Produkt Namens "Earn" angeboten, das von der US-Börsenaufsicht inzwischen als illegal eingestuft wird. Dabei konnten Gemini-Kunden ihre Bestände an Cyber-Devisen gegen Zinsen an Genesis verleihen.

Die Zwillinge und Gemini-Gründer Cameron und Tyler Winklevoss werfen Genesis vor, Teilnehmern des "Earn"-Programms noch mehr als 900 Millionen Dollar zu schulden. Kurz nach dem Insolvenzantrag von Genesis forderte Cameron Winklevoss auf Twitter ein faires Angebot an die Gläubiger, sonst werde die Genesis-Mutter Digital Currency Group (DCG) und deren Chef Barry Silbert umgehend verklagen.

Genesis ist einer der größten Financiers von Geschäften mit Bitcoin, Ethereum & Co. Anders als klassische Banken sind Geldverleiher in diesem Bereich jedoch kaum reguliert. Auch gehören sie keinem Einlagensicherungsfonds an, der eventuelle Ausfälle bei einer Insolvenz abfedert.

Genesis gab nach eigenen Angaben 2022 Kredite im Volumen von 130,6 Milliarden Dollar aus und handelte Kryptowerte im Volumen von 116,5 Milliarden Dollar. Am Ende des dritten Quartals 2022 waren Kredite über drei Milliarden Dollar offen.

Die größten Schuldner von Genesis sind Insidern zufolge Alameda, das Brokerhaus des FTX-Gründers Sam Bankman-Fried, und der insolvente Krypto-Hedgefonds Three Arrows. Letzterer war im Sommer durch den Kurskollaps der Cyber-Devise TerraUSD in Schieflage geraten und hatte die Kryptobank Celsius mit in die Pleite gerissen.

Auch DCG-Tochter Coindesk stellt sich zum Verkauf

Genesis ist ein Tochterunternehmen der Digital Currency Group (DCG), zu der auch die auf Nachrichten aus der Kryptobranche spezialisierte Website Coindesk gehört. Auch Coindesk ist neben Genesis aktuell in Schwierigkeiten, was die Statik bei DCG ins Wanken bringt.

Gemeinsam mit der Investmentbank Lazard wolle er Optionen ausloten, um an frisches Kapital zu kommen, teilte Kevin Worth, Chef von Coindesk, am Donnerstagabend mit. "Das könnte einen teilweisen oder kompletten Verkauf beinhalten."

la/Reuters
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