Ungeschwärzte Klageschrift Sheryl Sandbergs Rolle im Werbekartell mit Google

Google und Facebook beherrschen den Onlinewerbemarkt - laut einer Klage von US-Staaten inzwischen als bewusstes Kartell. Jetzt sind weitere Teile der Klageschrift bekannt geworden, darunter Zitate von Facebook-Topmanagerin Sheryl Sandberg.
"Strategisch ein großer Deal": Facebook-COO Sheryl Sandberg

"Strategisch ein großer Deal": Facebook-COO Sheryl Sandberg

Foto: Alex Brandon/ AP

Googles Dominanz bei Suchmaschinen ist bekannt und hat dem Konzern unlängst das erwartete Kartellverfahren wegen möglichen Missbrauchs seiner Marktmacht eingebrockt. Der US-Bundesstaat Texas und neun weitere Staaten gingen noch einen Schritt weiter, verklagten die Alphabet-Tochter zusätzlich, weil sich der Konzern im Onlinewerbegeschäft mit den Kontrahenten Facebook abgesprochen haben soll. Texas verlangt die Zerschlagung von Google.

Google wies den Vorwurf der Absprache zurück, nannte die Klage haltlos und unzutreffend. Einem Bericht des "Wall Street Journal"  zufolge, das Einblick in eine ungeschwärzte Fassung der Klageschrift eingesehen hat, stellt sich das allerdings anders dar:

Die Konzerne hätten sich nicht nur im Onlinewerbemarkt abgesprochen, sondern auch vereinbart, "zu kooperieren und sich gegenseitig zu unterstützen", falls sie mit Ermittlungen ihres Paktes konfrontiert würden. Das Wort Kartellrecht sei im Entwurf zu dem Deal 20-mal genannt worden.

Codename "Jedi Blue"

Auf das Konto von Google geht etwa ein Drittel der Einnahmen im globalen Markt für Onlinewerbung. Eigentlich herrscht ein harter Wettbewerb mit Facebook. Doch sollen die beiden Konzerne im September 2018 einen Deal geschlossen haben, in dem Facebook zugestimmt habe, nicht mit Googles Onlinewerbetools zu konkurrieren.

Im Gegenzug sollten dem Deal zufolge Facebook-Kunden im Google-Netzwerk eine Sonderbehandlung erhalten und der Konzern von Mark Zuckerberg auch Zugriff auf exklusive Google-Daten bekommen. Intern wurde der Deal angeblich unter dem Codenamen "Jedi Blue" behandelt.

Eine bekannt gewordene geschwärzte Fassung der Klage enthielt keinen Hinweis auf Facebook-COO Sheryl Sandberg (51). Der dem "Wall Street Journal" vorliegenden Fassung zufolge soll aber Sandberg den Deal mit Google unterzeichnet haben. Dem Bericht zufolge zitiert die Fassung der Klage auch eine E-Mail der Managerin an Facebook-Chef Mark Zuckerberg und andere Führungskräfte mit dem Satz: "Das ist strategisch ein großer Deal."

Die bekannt gewordene Fassung der Klage hatte keine Angaben zu dem möglichen Wert der Vereinbarung enthalten. Laut "WSJ" habe sich Facebook aber verpflichtet, ab dem vierten Jahr des Deals jährlich mindestens 500 Millionen Dollar in von Google betriebene Anzeigenauktionen zu investieren - verbunden mit der Zusage, einen festen Anteil an Werbeplätzen auch zu bekommen. Facebook habe einem internen Dokument zufolge den Deal als "relativ günstig" bezeichnet.

rei
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