Ralf Wenzel setzt auf Lebensmittel-Lieferungen Seriengründer sammelt 170 Millionen Dollar mit Gorillas-Konkurrent ein

Für Rocket Internet hat er einen Essenslieferanten aufgebaut, für Softbank bei der WeWork-Sanierung geholfen. Nun startet Ralf Wenzel mit reichlich Investorengeldern einen Angriff im umkämpften Start-up-Segment der Lebensmittellieferungen.
Jokr-Gründer Ralf Wenzel (Archivaufnahme)

Jokr-Gründer Ralf Wenzel (Archivaufnahme)

Foto: Mint / Hindustan Times / Getty Images

Der Online-Lebensmitteldienst Jokr holt sich drei Monate nach Marktstart 170 Millionen Dollar Kapital für seine Expansion. Angeführt wurde eine der größten Series-A-Runden der vergangenen Jahre von den namhaften Finanzinvestoren GGV Capital, Balderton Capital und Tiger Global, wie Jokr am Dienstag mitteilte. Der deutsche Risikokapitalgeber HV Capital war wie bereits in der Seed-Runde ebenfalls mit von der Partie. "Sie kamen an Bord, weil wir beispiellos wachsen", sagte Firmengründer und -chef Ralf Wenzel der Nachrichtenagentur Reuters. Der Online-Handel mit Lebensmitteln boomt seit Beginn der Corona-Krise: Allein in Deutschland betrug das Plus von 2019 bis 2020 60 Prozent.

Wenzel ist ein Veteran der deutschen Start-up-Szene: Für Rocket Internet baute er den Essenslieferdienst Foodpanda auf, der später in Delivery Hero aufging; für Softbank arbeitete er später an der Sanierung des in Schräglage geratenenen Coworking-Anbieters WeWork mit. Jokr mit Hauptsitz in New York ist in neun Städten aktiv - darunter Mexiko City, Sao Paulo, Warschau und Wien. Das frische Geld will Wenzel nun nutzen, um in weitere Städte zu expandieren. Mit Blick auf die starke Konkurrenz beispielsweise durch den US-Anbieter Instacart, aber auch durch neue Lieferdienste wie Gorillas, Flink und Getir will Wenzel nun den Wettbewerb berücksichtigen, statt ihn anzufachen: Deswegen stünden hart umkämpfte Städte wie London erstmal nicht auf der Jokr-Liste.

Ähnlich wie bei Gorillas und Co. liefern Fahrradfahrer für Jokr die Bestellungen aus, allerdings können Kunden bei Wenzels Dienst aus einem größeren Produktangebot auswählen. Die Bewertungen in dem umkämpften Markt sind hoch: Gorillas hatte erst im März 244 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt und damit neun Monate nach der ersten Bestellung eine Milliardenbewertung erreicht.

Die Arbeit der Branche ist allerdings umstritten: Angesichts der hohen Kosten durch die vielen nötigen Fahrer stehen immer wieder die Arbeitsbedingungen der Anbieter im Fokus. In Deutschland hatten etwa unzufriedene Gorillas-Mitarbeiter zuletzt mit einem Streik und Blockaden für Schlagzeilen gesorgt. Und die Konkurrenz wird nicht weniger, auch Delivery Hero will etwa wieder im Markt mitmitschen - mit Wenzels alter Marke Foodpanda.

Mit dieser hatte der Seriengründer bereits erste Erfahrungen auf Schwellenländermärkten gesammelt, auf die er sich heute mit Jokr zunächst konzentriert. In Indonesien und Indien habe er etwa einst eine Liefer-Website aufgebaut, erzählte er auf einer Konferenz des Branchenverbands Bitkom , um anschließend festzustellen, dass Bestellungen in diesen Ländern kaum über Webseiten, sondern nur über Mobiltelefone liefen. Auch habe sein Team in Indonesien erkennen müssen, dass es dort keine Postleitzahlen oder konsistente Adressen gebe.

luk
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