Softwareentwickler John McAfee in spanischem Gefängnis gestorben

Der Entwickler von Antivirensoftware John McAfee ist in seiner Gefängniszelle tot aufgefunden worden. Kurz zuvor wurde seine Auslieferung an die USA wegen Steuervergehen angeordnet.
Jahre auf der Flucht: Unternehmer John McAfee, im Bild von Juli 2019 in der kubanischen Hauptstadt Havanna

Jahre auf der Flucht: Unternehmer John McAfee, im Bild von Juli 2019 in der kubanischen Hauptstadt Havanna

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Alexandre Meneghini / REUTERS

Der von den USA wegen Steuerhinterziehung gesuchte Softwareentwickler John McAfee (75) ist tot in seiner Zelle in einer spanischen Haftanstalt aufgefunden worden. Er habe "offenbar Suizid" begangen, sagte eine Sprecherin der Justiz in der Region Katalonien am Mittwoch. Kurz zuvor hatte Spaniens Oberster Gerichtshof die Auslieferung des bekannten Unternehmensgründers an die USA angeordnet, wo ihm ein Prozess wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung drohte.

McAfees Witwe Janice bezweifelte am Freitag die Version der Behörden und forderte eine weitere, unabhängige Autopsie. Sie habe noch am Tag seines Todes mit John McAfee gesprochen. "Seine letzten Worte an mich waren 'Ich liebe dich und rufe dich heute Abend an'. Das sind nicht die Worte von jemand, der zu Suizid neigt", sagte sie vor dem Gefängnis zu Journalisten. Janice McAfee beschuldigte die US-Regierung, für den Tod ihres Mannes verantwortlich zu sein.

Der 75-Jährige wurde im Oktober am Flughafen von Barcelona festgenommen, kurz bevor er in eine Maschine nach Istanbul steigen wollte. Laut Anklageschrift der US-Behörden reichte McAfee keine Steuererklärungen für die Jahre 2014 bis 2018 ein, obwohl er beträchtliche Einnahmen aus mehreren Bereichen gehabt habe. Dazu zählten demnach verschiedene Beratungstätigkeiten, Vorträge und der Verkauf der TV-Rechte für eine Dokumentation über sein Leben.

Er soll laut dem Auslieferungsantrag der USA in diesen vier Jahren umgerechnet mehr als zehn Millionen Euro verdient, aber nie eine Steuererklärung eingereicht haben. Ihm drohten im Falle einer Verurteilung bis zu 30 Jahre Haft. Die Auslieferungsentscheidung des spanischen Gerichts hätte noch angefochten werden können. Zudem hätte das spanische Kabinett noch zustimmen müssen.

Von der Nasa über Antivirensoftware zu Kryptowährungen

McAfees Frau Janice McAfee beklagte seit längerer Zeit, dass es ihm im Gefängnis "nicht gut" gehe und er nur mit Verzögerung "angemessene medizinische Versorgung" erhalten habe. "Die US-Behörden sind entschlossen, John im Gefängnis sterben zu lassen"; erklärte sie am Sonntag auf Twitter.

McAfee begann seine Karriere bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa und arbeitete in mehreren Informatikfirmen, bevor er 1987 die nach ihm benannte Firma für Antivirensoftware gründete. In den 80er Jahren machte er ein Vermögen. Kurz nach dem Börsengang 1994 trennte er sich von der Firma McAfee, die später an Intel ging. Heute gehört sie mehrheitlich Finanzinvestoren, die stark in der Softwareentwicklung sparen und aktuell das Kerngeschäft mit Firmenkunden für vier Milliarden Dollar verkaufen.

Der Gründer war zudem selbsternannter Experte für Kryptowährungen wie Bitcoin und hatte fast eine Million Follower auf Twitter. In einem seiner letzten Tweets schrieb McAfee, die USA glaubten zu Unrecht, dass er ein Kryptovermögen verstecke. "Ich wünschte, es wäre so", das Geld sei aber durch mehrere Hände seines Teams verschwunden. Er habe kein Vermögen und keine Freunde mehr. "Ich habe nichts. Und doch bereue ich nichts."

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ak/AFP, Reuters
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