Mega-Investition in den USA Intel plant "größte Halbleiter-Produktion auf diesem Planeten"

Intel will in den USA bis zu 100 Milliarden Dollar in bis zu acht neue Chipfabriken investieren. Konzern-Chef Pat Gelsinger möchte den Konzern damit zu alter Größe und Dominanz führen. Doch auch die Wettbewerber in Asien rüsten auf.
Beide können gute Schlagzeilen gebrauchen: US-Präsident Joe Biden und Intel-Chef Pat Gelsinger (rechts) bei der Ankündigung des Konzerns am Freitag, bis zu 100 Milliarden Dollar in neue Chipfabriken in den USA zu investieren

Beide können gute Schlagzeilen gebrauchen: US-Präsident Joe Biden und Intel-Chef Pat Gelsinger (rechts) bei der Ankündigung des Konzerns am Freitag, bis zu 100 Milliarden Dollar in neue Chipfabriken in den USA zu investieren

Foto: JONATHAN ERNST / REUTERS

Mitten in der Chipkrise will Intel seine Produktionskapazitäten mit dem Bau einer riesigen Anlage im US-Bundesstaat Ohio erweitern. Es würden bis zu 100 Milliarden Dollar investiert, kündigte der größte US-Chipkonzern am Freitag an. Die Ankündigung ist Teil der Bemühungen von Intel-Chef Pat Gelsinger (60) , die frühere Dominanz wiederzuerlangen und die Abhängigkeit der USA von asiatischen Herstellern zu verringern.

Intel plant auch in Europa neue Werke, hält sich zu möglichen Standorten aber noch bedeckt. Gelsinger sagte dazu der Nachrichtenagentur Reuters, er hoffe, in den nächsten Monaten eine Ankündigung machen zu können. Deutschland rechnet sich große Chancen aus, einen Zuschlag zu erhalten. Als potenzielle Orte werden immer wieder Dresden, Penzing in Bayern und Magdeburg genannt.

Zunächst 20 Milliarden Dollar für Fabrik in Ohio

In Ohio will Intel zunächst 20 Milliarden Dollar investieren und damit 3000 dauerhafte Jobs schaffen, wie Gelsinger ankündigte. Dies könne auf bis zu 100 Milliarden Dollar und insgesamt acht Fabriken aufgestockt werden, sagte er und fügte hinzu: "Das wäre die größte Halbleiter-Produktion auf diesem Planeten."

Intel hat sich zum Ziel gesetzt, auch stärker in die Auftragsfertigung einzusteigen. Dem Chipmangel wird der Konzern damit die Spitze vorerst nicht nehmen. Gelsinger erwartet laut "Wall Street Journal"  (WSJ), dass die Versorgungslücken bei Chips bis ins nächste Jahr und womöglich sogar bis 2024 bestehen bleiben könnten. Autohersteller und Elektronikkonzerne leiden unter dem Mangel und müssen ihre Produktionen herunterfahren.

Laut Intel soll das Werk in der Nähe von Columbus 2025 an den Start gehen. 7000 Menschen sollen während des Baus dort Arbeit finden. Partner und Zulieferer wie Air Products, Applied Materials und LAM Research sollen bereits Interesse angemeldet haben, ebenfalls eine Präsenz in der Region zu eröffnen. Zugleich möchte Intel 100 Millionen Dollar für Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen ausgeben, um Forschungsprogramme in der Region zu stärken und neue Talente aufbauen, berichtet das "Wall Street Journal" .

Auch die Wettbewerber rüsten auf

Wettbewerber haben Intel in der Vergangenheit den Rang abgelaufen. Der Grafikchiphersteller Nvidia überholte Intel 2020 als wertvollstes Halbleiterunternehmen in den USA. Im vergangenen Jahr übertrumpfte Samsung Electronics den US-Konzern gemessen am Quartalsumsatz als größten Chiphersteller. Analysten erwarten, dass der südkoreanische Konzern diese Position halten kann, wenn beide Unternehmen nächste Woche ihre Ergebnisse vorlegen.

Im Moment werden mehr als zwei Drittel aller modernen Halbleiter in Asien hergestellt. Geht es nach Gelsinger, soll dies nicht so bleiben. Mit den angekündigten Investitionen will der Intel-Chef die frühere Dominanz auf dem Halbleitermarkt wiedererlangen. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Angesichts verstärkter Nachfrage und der Bereitschaft vieler Regierungen, Subventionen für die Ansiedlung von Halbleiterproduktionsanlagen zu gewähren, will auch Samsung in den nächsten drei Jahren mehr als 200 Milliarden Dollar in die Chipherstellung investieren. So soll unter anderem eine neue Chipfabrik in Texas entstehen. Taiwan Semiconductor Manufacturing, der weltgrößte Auftragsfertiger von Chips, will 100 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten stecken.

Gelsinger erwartet, dass sich der jährliche Umsatz der Halbleiterindustrie bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf eine Billion Dollar mehr als verdoppelt haben dürfte. Intel wolle seinen Anteil an diesem wachsenden Markt vergrößern und deshalb seine Produktionskapazitäten mehr als verdoppeln, sagte er dem "WSJ".

rei mit Reuters