Massiver Kapazitätsausbau Intel-Chef Gelsinger greift an

Produktionsschwierigkeiten und sinkende Umsätze - zuletzt lief es nicht gut für Intel. 20 Milliarden US-Dollar will der Chipriese nun in zwei neue US-Fabriken investieren und groß in die Auftragsfertigung einsteigen, kündigt Konzernchef Gelsinger an.
"Wir sind mit aller Macht zurück": Intel-Chef Pat Gelsinger

"Wir sind mit aller Macht zurück": Intel-Chef Pat Gelsinger

Foto: VMware / Reuters

Der weltgrößte Chipkonzern Intel will seine Produktionskapazitäten in den USA stark ausbauen. Es sei geplant, bis zu 20 Milliarden Dollar für die Errichtung von zwei Fabriken in Arizona auszugeben, kündigte der seit Februar amtierende neue Konzernchef Pat Gelsinger  (60) in der Nacht zu Mittwoch an. Zudem steigt Intel in großem Umfang in das Geschäft zur Auftragsfertigung ein, indem der US-Konzern seine Werke für externe Kunden öffnet.

Gelsinger reagiert mit diesen Schritten auch auf die jüngsten Produktionsschwierigkeiten. Zwischenzeitlich hatte es Spekulationen gegeben, dass Intel künftig stärker auf Auftragsfertiger wie Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) oder Samsung Electronics setzt. "Wir sind mit aller Macht zurück", zitiert das "Wall Street Journal"  den Konzernchef. Im vergangenen Jahr hatte Intel Marktanteile verloren, der Aktienkurs hatte wegen des starken Wettbewerbs, des Verlusts wichtiger Kunden und der Stolpersteine bei der Herstellung von Chips der nächsten Generation nachgegeben.

Am Markt kam die neue Strategie gut an. Die Intel-Aktie  legte nachbörslich 7,5 Prozent zu, während die Papiere von TSMC  angesichts der schärfer werdenden Konkurrenz um vier Prozent einbrachen. Applaus auch von Analysten-Seite: "Der Plan verschafft Intel die beste Position, um so schnell wie möglich wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt zu bringen", sagte Matthew Bryson von Wedbush Securities. Er warnte allerdings, dass "es ein langfristiger Prozess sein wird, Intel wieder dorthin zu bringen, wo es einmal war."

Intel gehört weltweit zu den wenigen Chipfirmen, die Halbleiter sowohl entwickeln als auch produzieren. Der Konzern, lange der unangefochtene Marktführer bei Prozessoren für PC, war zuletzt allerdings stark unter Druck geraten. Zum einen gab es Rückschläge bei der Einführung von leistungsfähigeren Chips mit Strukturbreiten von 7 Nanometern. Führende Auftragsfertiger wie TSMC haben den 7-Nanometer-Prozess bereits im Griff. Davon profitierte zuletzt unter anderem der Intel-Konkurrent AMD.

Außerdem stellt Apple seine Mac-Computer gerade von Intel-Chips auf Prozessoren aus eigener Entwicklung um. Sie bauen auf der Architektur des Chipdesigners Arm auf, die auch beim iPhone und anderen Smartphones zum Einsatz kommt. Die ersten Macs mit den hauseigenen M1-Chips wurden unter anderem für längere Batterielaufzeiten gelobt. Gelsinger betonte jetzt, Intel erneuere seine Bemühungen, Chips für andere herzustellen und ziele auf Kunden wie Apple oder den Rivalen Qualcomm.

Intel will um Apple werben, Investitionen auch in Europa

Aktuell werden mehr als zwei Drittel aller modernen Chips in Asien gefertigt. US-Handelsministerin Gina Raimondo (49) begrüßte die Ankündigung von Intel und erklärte, sie stärke die US-Wirtschaft und nationale Sicherheit und schaffe Tausende Hightech-Jobs. Die Halbleiter-Engpässe in der Corona-Krise wurden zuletzt zum Problem unter anderem für die Autobranche - fehlende Bauteile sorgten für Produktionsunterbrechungen auch bei US-Autobauern.

Ohne konkreter zu werden, kündigte Intel-Deutschland-Chefin Christin Eisenschmid auch weitere Investitionen in Europa an. "Wir wollen dabei unseren Beitrag zur Erfüllung des Ziels der EU leisten, bis zum Jahr 2030 20 Prozent der Weltproduktion an Halbleitern einschließlich Prozessoren in Europa zu fertigen", sagte Eisenschmid und gab bekannt, dass auch Europa einen Beitrag zur Auftragsfertigung leisten wird.

Im laufenden Jahr rechnet Intel nun mit einem Umsatz von 72 Milliarden Dollar sowie einem bereinigten Gewinn je Aktie von 4,55 Dollar. Dies ist etwas weniger als von Analysten im Schnitt erwartet. Laut Gelsinger berücksichtigt der Ausblick die industrieweite Knappheit an einigen Baukomponenten.

rei/Reuters/DPA
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