Neue Chips kommen später Intel-Chef Swan schockt Aktionäre

Die Quartalszahlen waren besser als erwartet. Doch weil Intel bei der Entwicklung einer neuen Generation von Prozessoren dem eigenen Plan hinterherhinkt, bricht die Aktie ein.
Intel-Chef Bob Swan muss Probleme bei der Entwicklung und Produktion von neuen Prozessoren eingestehen.

Intel-Chef Bob Swan muss Probleme bei der Entwicklung und Produktion von neuen Prozessoren eingestehen.

Foto: Steve Marcus/ REUTERS

Die Hiobsbotschaft kam nach Börsenschluss: Der Chiphersteller Intel hinkt bei der Entwicklung einer neuen Generation von Prozessoren Monate dem eigenen Zeitplan hinterher. Die 7-nm-Chip-Technologie sei um mindestens ein halbes Jahr verspätet, teilte Intel  zusammen mit den Zahlen zum zweiten Quartal mit. Investoren flüchteten aus der Aktie und drückten sie nachbörslich in der Spitze um mehr als 10 Prozent ins Minus. Die Papiere des Erzrivalen AMD  stiegen dagegen um 6,3 Prozent. Dabei hatte Intel durchaus respektable Quartalszahlen vorgelegt und sowohl beim Gewinn wie auch beim Umsatz die Erwartungen der Märkte übertroffen. Der Ausbau von Rechenzentren in der Corona-Krise hat dem Chip-Riesen im vergangenen Quartal einen kräftigen Schub beschert.

Die Prozessoren mit Strukturbreiten von 7 Nanometern sollen nun voraussichtlich Ende 2022 in erste Computer kommen, sagte Intel-Chef Bob Swan (60). Das wäre ein Jahr später als ursprünglich anvisiert. Je niedriger die Strukturbreiten, desto mehr Prozessoren passen auf eine Halbleiterscheibe bei der Produktion. Zudem arbeiten die Chips dadurch effizienter und stromsparender.

Das Problem mit Intels 7-Nanometer-Produktion ist, dass sie zu viele unbrauchbare Chips abwirft. In der Chipfertigung sind niedrige Fehlerquoten wichtig, um mit Gewinn arbeiten zu können. Intel habe die Ursachen des Problems inzwischen gefunden und stelle sie ab.

Zuvor hatte sich bei Intel schon der Übergang zur 10-Nanometer-Technologie, auf die der Konzern nun für die nächste Zeit setzt, verzögert. Der kleinere Konkurrent AMD und seine Produktionspartner fertigen bereits 7-Nanometer-Chips. Intel setzt anders als AMD und diverse weitere Chipkonzerne auf eigene Fertigung, statt sie an spezialisierte Anbieter auszulagern.

Apple hat sich von Intel abgewendet

Die erneute Verzögerung bei Intel wirft auch ein neues Licht auf Apples jüngste Entscheidung, in seinen Mac-Computern Prozessoren des Konzerns durch Chips aus eigener Entwicklung zu ersetzen. Apple musste in der Vergangenheit wiederholt die Erneuerung seiner Modellpalette bremsen, weil die erforderlichen Intel-Prozessoren nicht verfügbar waren.

Swan zeigte sich trotz der Probleme zuversichtlich für die Zukunft. Über die Hauptprozessoren hinaus steckten in verschiedenen Geräten immer mehr Intel-Halbleiter, betonte er. Der Markt sei groß: "Wir sehen eine Welt, in der im Grunde alles zum Computer wird." Und Intel werde auf Wachstum ausgerichtet. Ein wichtiger Baustein dafür ist die zugekaufte Firma Mobileye, die Autoherstellern Ausrüstung für Fahrassistenz-Systeme anbietet und an Technologie zum autonomen Fahren arbeitet. Im vergangenen Quartal sackte der Mobileye-Umsatz allerdings wegen schwächelnder Autoverkäufe um 27 Prozent auf 146 Millionen Dollar ab.

Konzernumsatz klettert um ein Fünftel

Die berichteten Quartalszahlen gingen ob der Hiobsbotschaft am Markt schon fast unter - und konnten sich durchaus sehen lassen:

Laut Intel stieg der Konzernumsatz im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 19,7 Milliarden Dollar (16,9 Milliarden Euro). Das Geschäft mit Rechenzentren schoss dabei um 43 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar hoch. Die Corona-Krise hatte durch die Verlagerung ins Homeoffice und die verstärkte Nutzung von Streaming-Diensten den Ausbau der Netzwerk-Kapazitäten notwendig gemacht. Unter den US-Technologiekonzernen hatten zuvor sowohl Texas Instruments als auch Microsoft von positiven Effekten verstärkter Heimarbeit berichtet. Der Bedarf an Chips dafür lasse inzwischen aber wieder nach, sagte Intels Finanzchef George Davis (61).

Zugleich wurden in den vergangenen Monaten mehr Notebooks für Heimarbeit gekauft - so hatte auch Microsoft über steigende Umsätze mit Windows-Betriebssystemen und Surface-Computern berichtet. Intel profitierte von dieser Entwicklung mit einem Umsatzplus von 7 Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar in seiner Computerchip-Sparte.

Unterm Strich machte Intel einen Quartalsgewinn von 5,1 Milliarden Dollar - 22 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Allerdings lag die Umsatzprognose für den Rest des Jahres unter den Erwartungen der Analysten.

rei/dpa
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