Expertenschätzung Cyberangriffe im Homeoffice verursachen Milliardenschäden

Das Homeoffice ist für Cyberkriminelle ein Geschenk, sagt das Institut der deutschen Wirtschaft. Die IT daheim sei schlechter geschützt als am Firmenstandort - durch Hackerattacken entstand daher während der Corona-Zeit ein milliardenschwerer Schaden.
Schwachpunkt: Wer zuhause am Notebook arbeitet, ist virtuell oft angreifbar

Schwachpunkt: Wer zuhause am Notebook arbeitet, ist virtuell oft angreifbar

Foto: Daniel Naupold/ picture alliance / dpa

Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage: Hackerangriffe auf Mitarbeiter im Homeoffice haben im vergangenen Jahr bei deutschen Firmen zu Schäden von 52 Milliarden Euro geführt. Dies teilte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Montag zu Berechnungen zu einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom mit. Insgesamt haben Cyberkriminelle damit bei den Unternehmen 2020 einen so hohen Schaden verursacht wie noch nie - rund 223 Milliarden Euro. 2019 waren noch rund 103 Milliarden Euro verloren gegangen. "Das Homeoffice ist für Cyberkriminelle ein Geschenk", erklärte das IW. Denn jeder Mitarbeitende, der von zu Hause arbeite, nutze Verbindungen, die oft leichter angegriffen werden könnten als solche im Firmennetzwerk.

Deshalb müsse die IT-Sicherheit während der Pandemie besonders geschützt werden. Das sei bei vielen Unternehmen offensichtlich nicht der Fall gewesen. Ein Viertel der Schadenszunahme aus dem vergangenen Jahr lasse sich auf die Arbeit im Homeoffice zurückführen. "Zu oft gab es keine Firmen-Laptops, keine Schulungen und keine Sicherheitskonzepte", sagte IW-Studienautorin Barbara Engels. Die Folge seien gestohlene Daten, lahmgelegte Netzwerke und erpresste Unternehmen.

IW-Expertin Engels geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus: Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten sind in der Studie nicht berücksichtigt - sie haben aber meist den größten Nachholbedarf bei IT-Sicherheit. Angriffe könnten hier existenzbedrohend sein. Andere Schäden ließen sich nicht beziffern, weil sie nicht direkt auf Cyberangriffe zurückgeführt würden oder indirekt entstünden, etwa durch fehlende Umsätze oder Reputationsschäden. "Spätestens jetzt ist es an der Zeit, das Homeoffice flächendeckend IT-sicher zu machen. Hier sparen Unternehmen an der falschen Stelle", warnte Engels.

cr/Reuters
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