Verlogenes Netzwerk Facebook weiß, dass Instagram der Psyche schadet

Instagram hat negative Effekte auf die psychische Gesundheit von jungen Menschen. Insbesondere Mädchen im Teenageralter leiden darunter, weil ihr Selbstbild durch die App verzerrt wird. Facebook weiß das - und heuchelt etwas anderes.
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Instagram: Besonders junge Nutzerinnen leiden unter den Effekten der App

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Maskot . / Getty Images/Maskot

Instagram macht junge Menschen depressiv, schadet ihrem Körperbild und löst Angststörungen aus. Das haben nicht etwa Kritiker des sozialen Netzwerks herausgefunden, sondern Forscherteams von Facebook selbst. Die Ergebnisse legten sie bei unternehmensinternen Präsentationen vor. Demnach leiden besonders junge Frauen und Mädchen unter dem Druck, dem sie auf Instagram begegnen. "32 Prozent der Teenagerinnen sagen, dass, wenn sie Probleme mit ihrem Körper haben, Instagram das verschlimmert. Junge Frauen vergleichen sich mit anderen Nutzerinnen. Das verändert, wie sie sich selbst wahrnehmen", steht unter anderem in den Präsentationen, die dem Wall Street Journal  vorliegen.

Facebook habe in den vergangenen drei Jahren viele Studien dazu in Auftrag gegeben, wie Instagram seine Millionen jungen Userinnen und User beeinflusst. Und dabei kam der Tech-Konzern mehrfach zu dem Ergebnis, dass Instagram einem großen Teil seiner wichtigsten Zielgruppe schadet. In erster Linie jungen Mädchen. Besonders erschreckend sind auch die Zahlen zu Teenagern mit Suizidgedanken. Im vereinigten Königreich führten 13 Prozent der befragten Jugendlichen ihre Suizidgedanken auf Instagram zurück – in den Vereinigten Staaten waren es 6 Prozent. Auf einem anderen Slide steht: "Wir verschlimmern Körperwahrnehmungsprobleme bei drei von zehn Mädchen." Teenager geben Instagram aber auch Schuld am Anstieg anderer psychischer Krankheiten wie Depressionen und Angststörungen.

Die eigene Zielgruppe krank machen

Junge User sind aber die wichtigste Zielgruppe von Instagram. Sie zu erreichen ist essenziell für den mehr als 100 Milliarden US-Dollar hohen Umsatz der Facebook-Tochter. Somit hat das Unternehmen Anreize, Teenager auf der Plattform zu halten. Denn mehr als 40 Prozent des Publikums ist 22 Jahre oder jünger. Und 22 Millionen Teenager öffnen die App allein in den USA täglich. Zum Vergleich: Auf Facebook sind es nur fünf Millionen. Vom namensgebenden Netzwerk des Konzerns verabschiedet sich die junge Zielgruppe seit zehn Jahren. Jugendliche verbringen im Schnitt 50 Prozent mehr Zeit auf Instagram als auf Facebook.

Das beobachteten auch die Facebook-Forscher. "Instagram ist gut positioniert, um bei jungen Menschen anzukommen und dadurch zu profitieren. Sie weiterhin anzuziehen ist ein Weg für Instagram, zu wachsen", steht in den internen Dokumenten, die dem "Wall Street Journal" vorliegen. Facebook beauftragte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Departments Data Science, Marketing und Produktentwicklung mit den Studien.

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Facebook und Instagram, die "Feel-Good-Plattformen"

Facebook und Instagram wurden immer wieder für die psychischen Auswirkungen ihrer Plattformen kritisiert. Die Verantwortlichen, allen voran CEO Mark Zuckerberg, haben diese Vorwürfe stets zurückgewiesen. So beteuerte Zuckerberg im Frühjahr noch vor dem US-Kongress: "Die Studien, die wir kennen, zeigen, dass soziale Apps Menschen miteinander verbinden. Und das kann doch positive Effekte auf die Psyche haben." Dabei wusste der Konzern augenscheinlich, dass seine Apps psychische Erkrankungen auslösen und verschlimmern können. Trotzdem stellt Facebook-Chef Zuckerberg die Zusammenhänge bewusst anders dar.

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Im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken, geht es bei Instagram besonders um soziale Aspekte. Die vornehmlich jungen User der App TikTok dagegen definieren sich mehr über Klickzahlen und Aufrufe. Snapchat hat die Filter populär gemacht: Spezialeffekte, mit denen das Gesicht verändert wird. "Diese legen den Fokus auf das Gesicht", steht in den Facebook-Daten. Bei Instagram würden hingegen vor allem Körper und Lifestyle in den Vordergrund gerückt.

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Süchtig nach der App

Auf Instagram bekommt man meist nur die besten Momente aus den Leben Anderer zu sehen. Das und der Druck, selbst immer perfekt auszusehen, kann bei Teenagern zu Essstörungen, einem ungesunden Selbstbild und Depressionen führen. Facebook erwarb Instagram 2012 für eine Milliarde US-Dollar. Es war das erste Jahr, in dem die Zahl junger Nutzerinnen und Nutzer auf Facebook sank. 40 Prozent der Teenager-User, die sich unattraktiv fühlen, hatten dieses Gefühl erstmals auf Instagram. Die Studienautoren schreiben laut dem "Wall Street Journal" sogar, dass viele Jugendliche weniger Zeit auf der App verbringen wollen. "Aber sie fühlen sich, als ob sie Zeit dort verbringen müssten. Sie fühlen sich süchtig und wissen, dass es schlecht für ihre Psyche ist. Aber sie können einfach nicht aufhören."

Die Algorithmen der App suchen während der Nutzung immer neue Inhalte für die Nutzer. Die Studien warnten davor, dass man Jugendliche damit in eine Abwärtsspirale von Inhalten zieht, die gegebenenfalls schädlich sein könnten.

Dem internen Bericht zufolge sind zwar hauptsächlich Mädchen davon betroffen. Aber auch die Effekte auf Jungs wurden untersucht. 14 Prozent sagten, dass sie sich wegen Instagram schlechter fühlen würden. Etwas weniger als die Hälfte berichtete davon, sich mit unrealistischen Standards zu vergleichen.

flx