Infineon fährt Werk wieder hoch Texas-Sturm stört Chipnachschub für Autoindustrie bis Juni

Infineon braucht noch Monate, um seine von Stromausfall getroffene Chipfabrik in Texas wieder auf Touren zu bringen. Das hat Folgen für die Autoindustrie. Toyota legt eine ungeplante Werkspause in Tschechien ein.
Mangelware: Halbleiterwafer von Infineon

Mangelware: Halbleiterwafer von Infineon

Foto: Peter Kneffel / dpa

Der Chiphersteller Infineon fährt seine Produktionskapazitäten in Austin, Texas, wieder hoch. Ab Juni sollen die ursprünglichen Mengen wieder erreicht werden, teilte das Unternehmen am Freitag in Neubiberg bei München mit. Infineon hatte die Anlage wegen eines schweren Wintersturms Mitte Februar abschalten müssen. Das Unwetter hatte zu einem großflächigen Stromausfall geführt - mit teuren Folgen für den deutschen Energiekonzern RWE, der dort mehrere Windparks betreibt und zugesagte Strommengen zu Höchstpreisen an den Börsen kaufen musste. Noch weiter jedoch reichen die Folgen für Infineon-Kunden wie die Autoindustrie, weil die Produktion noch über Monate gelähmt bleibt.

"Nach derzeitigen Erkenntnissen gehen wir davon aus, dass wir aufgrund des Ereignisses den Bedarf unserer Kunden nicht vollumfänglich bedienen können", sagte Vorstand Jochen Hanebeck laut Mitteilung. Dazu stehe das Unternehmen mit den betroffenen Kunden in engem Austausch. Wegen des angespannten Marktumfelds und der daraus resultierenden vollen Auslastung werde es nicht möglich sein, die ausgefallene Produktionsmenge wieder auszugleichen.

In Austin fertigt und testet Infineon Produkte, die in zahlreichen Anwendungen eingesetzt werden. Wegen der Abschaltung rechnet das Unternehmen mit Umsatzeinbußen. Diese dürften insbesondere im dritten Quartal (per 30. Juni) anfallen und einen hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag ausmachen. An seiner Umsatzerwartung für das gesamte Geschäftsjahr hält Infineon jedoch wegen der hohen Nachfrage nach Mikroelektronik fest. Ein Update zu Austin will der Konzern bei seiner Quartalsberichterstattung am 4. Mai geben.

Toyota schließt Werk in Tschechien

Extremes Wetter habe zu Lieferengpässen bei einem nordamerikanischen Halbleiterlieferanten geführt, begründete Toyota am Freitag eine weitere Werksschließung. Die Fließbänder im tschechischen Kolin werden von Sonntag an für zwei Wochen stillstehen, wie ein Sprecher am Freitag auf Anfrage bestätigte. Der Mangel an Elektronikchips für Autos bereitete in letzter Zeit auch anderen Autoherstellern Probleme, darunter Volkswagen und Daimler.

Toyota galt bislang als vergleichsweise unbeschadet durch die Krise, weil die Japaner sich größere Lager wichtiger Waren leisten. Der Mangel wegen sprunghaft angestiegener Nachfrage sorgte für Ausfälle bei praktisch allen Wettbewerbern, die auf Just-in-time-Lieferungen vertrauten. Nun kommen jedoch noch die Unwetterfolgen obendrauf.

Toyota stellt in dem tschechischen Werk mit rund 2500 Mitarbeitern den Kleinwagen Toyota Aygo her. Noch in diesem Jahr soll das größere Modell Yaris hinzukommen. Dafür sind Investitionen in Höhe von umgerechnet 150 Millionen Euro geplant. Der japanische Autohersteller hatte die Fabrik, die 2002 als Joint Venture mit Peugeot Citroën gegründet worden war, zu Jahresbeginn komplett übernommen. Kolin liegt knapp 60 Kilometer östlich von Prag.

ak/dpa-afx
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