Chiphersteller Infineon erhöht Prognose, Investoren senken Aktienkurs

Infineon ist gut ins neue Jahr gestartet und hebt die Prognose für 2022 an. Investoren sorgen sich jedoch vor allem um weitere Lieferengpässe – die Aktie fällt deutlich.
Boss mit Bauteil: Infineon-Chef Reinhard Ploss blickt zuversichtlich auf 2022

Boss mit Bauteil: Infineon-Chef Reinhard Ploss blickt zuversichtlich auf 2022

Foto: Sven Hoppe / dpa

Ein starkes erstes Quartal und ein schwacher Euro sorgen beim Halbleiterhersteller Infineon für noch mehr Optimismus. Der Chipkonzern hob am Donnerstag bei der Zahlenvorlage seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2021/22 (30. September) um 300 Millionen auf 12,5 bis 13,5 Milliarden Euro an. Auch beim operativen Gewinn erwartet Infineon mehr, nachdem der Konzern die Erwartungen im ersten Quartal übertroffen hatte.

An der Börse ging es für den Dax-Konzern dennoch deutlich nach unten. Händler verwiesen auf die Aussagen des Unternehmenschefs Reinhard Ploss (66), dass die Liefersituation in einigen Anwendungsbereichen noch weit in das Kalenderjahr angespannt bleiben wird.

Grundlage für die neue Prognose sei ein Euro-Kurs von 1,15 US-Dollar, hieß es nun. Bislang hatte Infineon mit 1,20 Dollar kalkuliert. Damit bleibt bei den in Dollar gestellten Rechnungen mehr in der Gewinn- und Verlustrechnung von Infineon hängen. Infineon erzielt rund zwei Drittel seiner Erlöse in Dollar. Die Marge des Segmentergebnisses – Infineons Größe für den operativen Gewinn – soll demnach im laufenden Geschäftsjahr auf 22 (Vorjahr 18,7) Prozent ansteigen. Zuvor hatte der Chiphersteller mit einem Prozentpunkt weniger gerechnet.

Bei der Analystenkonferenz zu den Zahlen sagte Ploss, dass die höhere Prognose vor allem auf den schwächeren Euro zurückgeht. Die neuen Ziele für den Umsatz und die operative Marge ergeben rechnerisch einen operativen Gewinn von knapp 2,9 Milliarden Euro. 2020/21 hatte Infineon bei einem Umsatz von elf Milliarden Euro operativ rund 2,1 Milliarden Euro verdient.

Erfolgreicher Start ins neue Jahr

Rückenwind für das Geschäftsjahr verliehen aber auch die Ergebnisse aus dem ersten Quartal. Die Erlöse stiegen in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorquartal um 5 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro. Infineon profitierte dabei von einem zweistelligen Wachstum in der wichtigen Automobilsparte. Das Segmentergebnis stieg um 16 Prozent auf 717 Millionen Euro. Damit lagen Umsatz und operativer Gewinn sowohl über der Prognose des Unternehmens als auch den Erwartungen der Analysten.

Die Marge stieg zum Vorquartal um 2,2 Prozentpunkte auf 22,7 Prozent. Unter dem Strich belastete ein erhöhtes Steueraufkommen das Ergebnis. Der Gewinn belief sich im ersten Quartal des Geschäftsjahres auf 457 Millionen Euro und damit etwas weniger als im Quartal zuvor.

Der Bedarf an Halbleiterprodukten sei nach wie vor "deutlich höher" als das Angebot, sagte Ploss, der Ende März die Leitung des Halbleiterherstellers an seinen Nachfolger Jochen Hanebeck (54) abgibt. Das Unternehmen baue die Kapazitäten deshalb schrittweise aus und produziere in hoher Auslastung. Im Lauf des Geschäftsjahres rechnet Infineon insbesondere mit Wachstum in den Sparten Automobil und CSS, in der unter anderem das Geschäft mit Chips für das kontaktlose Bezahlen oder Spielekonsolen gebündelt ist.

cr/dpa-afx