Aktie rutscht ab Infineon kommt mit Chipproduktion nicht hinterher

In vielen Branchen herrscht derzeit akuter Chipmangel, dem Halbleiterhersteller Infineon werden seine Produkte praktisch aus den Händen gerissen. Doch die Bayern haben Schwierigkeiten, die Nachfrage zu bedienen. So steht am Quartalsende nur ein winziges Umsatzplus.

Reinraum zur Chipproduktion: Infineon kann die Nachfrage nicht befriedigen und hat zudem mit Produktionsproblemen zu kämpfen

Reinraum zur Chipproduktion: Infineon kann die Nachfrage nicht befriedigen und hat zudem mit Produktionsproblemen zu kämpfen

Foto: Inifneon

Der Halbleiterkonzern Infineon kämpft mitten im Chipboom gegen Probleme mit der Produktion. Der Umsatz lag im dritten Geschäftsquartal 2020/21 (April bis Juni) trotz der starken Nachfrage mit 2,72 Milliarden Euro nur marginal über dem Wert des zweiten Quartals, weil neue Corona-Ausbrüche in Asien die Fertigung vor allem im malaysischen Malakka bis zuletzt bremsten. Zudem belasteten die Nachwirkungen eines Wintersturms in Austin (USA).

Vorstandschef Reinhard Ploss (65) sprach am Dienstag von einer "weiterhin sehr angespannten Liefersituation. Die Vorräte sind auf einem historischen Tiefstand. Unsere Chips gehen aus der Fertigung direkt in die Endanwendungen." Infineon tue sein Möglichstes und versuche, für zusätzliche Kapazitäten zu sorgen.

Im bereits laufenden vierten Geschäftsquartal bis Ende September sollen die Produktionsprobleme behoben sein. Der Erlös soll wieder auf rund 2,9 Milliarden Euro wachsen, bei einer steigenden Marge von rund 19 Prozent. Dann soll vor allem das Geschäft mit Smartphone-Chips anziehen, das zuletzt etwas lahmte. Im dritten Quartal verbesserte sich die Marge auf 18,2 (Vorquartal: 17,4) Prozent.

Die Summe der Ergebnisse in den einzelnen Sparten (Segmentergebnis) legte um 6 Prozent auf 496 Millionen Euro zu. Infineon bleibt bei den wichtigsten Prognosen für das Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende September): einem Umsatz von elf Milliarden Euro und einer Segmentergebnis-Marge von mehr als 18 Prozent.

Aktie geht in die Knie

An der Börse wurden die Zahlen und der Ausblick des Managements verhalten aufgenommen. Nach einem starken Start in die Woche ging es für die Infineon-Aktie  am Dienstag um fast 4 Prozent abwärts. Damit büßte das Papier den Großteil seiner Kursgewinne vom Vortag wieder ein - und liegt mit Blick auf den bisherigen Jahresverlauf nur noch leicht im Plus. Im vergangenen Jahr hatte die Infineon-Aktie mit einem Plus von fast 55 Prozent allerdings die zweitstärkste Entwicklung im deutschen Leitindex hingelegt.

Die Corona-Pandemie hat einen weltweiten Digitalisierungsschub ausgelöst, der die Chipnachfrage massiv ankurbelt. Dazu kommen Nachholeffekte, nachdem die Lieferketten in der Corona-Krise ins Stocken geraten waren. Auch wenn der Umsatz im dritten Quartal im Vergleich zum zweiten Geschäftsquartal nahezu stagnierte - gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahrs zog der Umsatz um ein Viertel an, im Vergleich der jeweils ersten neun Monate sogar um ein Drittel. Der Nettogewinn hat sich von Oktober bis Juni im Vergleich zum Vorjahr auf 705 (259) Millionen Euro mehr als verdoppelt.

rei/Reuters, DPA
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