Express-Lieferdienst Gorillas vor Verkauf an Getir

Der Berliner Express-Lieferdienst Gorillas soll Insidern zufolge an den Rivalen Getir aus Istanbul verkauft werden. Gorillas-CEO Kağan Sümer ist es nicht gelungen, die Kapitalverbrennung des Unternehmens zu stoppen.
Bald unter neuem Eigentümer: Der Express-Lieferdienst Gorillas

Bald unter neuem Eigentümer: Der Express-Lieferdienst Gorillas

Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP

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Der Express-Lieferdienst Gorillas soll an das türkische Quick-Commerce-Unternehmen Getir verkauft werden. Dies erfuhr das manager magazin aus Insiderkreisen. Die Eigner von Gorillas und Getir sollen weitgehend einig sein. Allerdings warnten die Insider, dass der Deal auch noch scheitern könnte. Der US-Nachrichtendienst Bloomberg  berichtete am Montagnachmittag ebenfalls über die Verkaufsverhandlungen. Gorillas lehnte auf Anfrage einen Kommentar ab. Getir wollte sich ebenfalls nicht äußern.

Gorillas-CEO Kağan Sümer hatte seit Ende vergangenen Jahres erfolglos versucht, eine neue Finanzierungsrunde für das hochdefizitäre Start-up abzuschließen. Zuletzt hatte er mit drastischen Maßnahmen versucht, die Kapitalverbrennung des Dienstes zu reduzieren. Ende Mai hatte er rund die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seiner Zentrale gefeuert  sowie in der Folge mehrere Standorte in europäischen Ländern wie Italien, Spanien und Belgien dicht gemacht.

Getir war bereits 2015 in Istanbul gegründet worden. Der Dienst konnte im März 2022 eine Finanzierung in Höhe von 768 Millionen Dollar abschließen und erreichte dabei eine Bewertung von 11,8 Milliarden US-Dollar. Auch Getir ist weiterhin hochdefizitär. Es wird erwartet, dass das Unternehmen in diesem Jahr rund 1,1 Milliarden US-Dollar verbrennt.

Mit Getir konkurriert Gorillas unter anderem in Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Getir gilt als Marktführer in Großbritannien. In Deutschland ist der Dienst bislang allerdings in deutlich weniger Städten vertreten als Gorillas.

Verlorene Marktanteile

Gorillas soll zuletzt zwar die Verluste pro Bestellung reduziert haben. Doch das hatte offenbar auch zu dem Verlust von Marktanteilen geführt. So hatte Gorillas nach einer Auswertung des Analyseunternehmens YipitData zuletzt Marktanteile in Großbritannien verloren und war von dem US-Dienst Gopuff abgehängt worden. In Deutschland hatte wiederum der Berliner Rivale Flink Gorillas schon vor rund einem Jahr die Marktführerschaft abgenommen . YipitData zufolge soll Gorillas nur noch rund ein Fünftel des Umsatzes von Flink machen.

Gorillas-Investoren hatten eine weitere Finanzierung nur unter der Maßgabe in Aussicht gestellt, dass Gorillas seine hohen Verluste stark reduziert. Bis Ende Juni 2023 sollten mindestens zwei Kernländer profitabel wirtschaften, bis Ende 2023 die ganze Gruppe. Zugleich hatten sie aber auch verschiedenen Rivalen den Dienst zum Kauf angeboten, darunter auch dem Berliner Konkurrenten Flink.

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