Rezessionsängste Auch Google und Microsoft sparen jetzt kräftig beim Personal

Das "R"-Wort geht um: Aus Sorge vor einer Rezession nicht nur in den USA treten nun als letzte der Tech-Giganten auch Google und Microsoft auf die Kostenbremse. Sie reduzieren ihre Personalpläne deutlich.
"Wir sind nicht immun gegen wirtschaftlichen Gegenwind", sagt Sundar Pichai, CEO des Google-Mutterkonzerns Alphabet, und verhängt einen befristeten Einstellungsstopp

"Wir sind nicht immun gegen wirtschaftlichen Gegenwind", sagt Sundar Pichai, CEO des Google-Mutterkonzerns Alphabet, und verhängt einen befristeten Einstellungsstopp

Foto: Kyle Grillot / Bloomberg via Getty Images

Im ersten Quartal schrumpfte die US-Wirtschaft: Wie es weitergeht, ist unsicher. Für gewöhnlich sprechen Ökonomen von einer Rezession, wenn zwei oder mehrere Quartale in Folge das Bruttoinlandsprodukt einer Volkswirtschaft sinkt. Gleichwohl ist das "R"-Wort wieder in aller Munde. Ökonomen warnen seit geraumer Zeit vor einem globalen Wirtschaftsabschwung.

Die USA als weltgrößte Volkswirtschaft machte in den vergangenen 50 Jahren acht Rezessionen durch, doch nicht jede fällt gleich schwer aus und dauert gleich lang. So brauchte die US-Wirtschaft deutlich mehr Zeit, um sich von der Rezession im Jahr 2008 als Folge einer Finanz- und Bankenkrise mit bis zu 10 Prozent Arbeitslosigkeit zu erholen – erst acht Jahre später sank die Arbeitslosigkeit wieder deutlich unter die Marke von 5 Prozent.

Bislang baute die US-Wirtschaft Jobs auf

Und jetzt? Tatsächlich schafft die US-Wirtschaft derzeit im Eiltempo neue Jobs, bislang jedenfalls. Dennoch verunsichern derzeit gleich mehrere ineinander greifende Faktoren wie die hohe Inflation, Lieferengpässe, Energiepreis-Explosion und der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine die Unternehmen. Wo die Sorge oder gar die Angst wächst, steigt auch die Risikoaversion: Start-ups haben diese Entwicklung als Erste zu spüren bekommen, sie bauen massiv Jobs ab. Doch mittlerweile treten nun auch die großen US-Technologiekonzerne auf die Bremse.

Hatte der Google-Mutterkonzern Alphabet im zweiten Quartal noch rund 10.000 neue Mitarbeiterinnen eingestellt, ist damit vorläufig erst einmal Schluss. Letzte Woche hatte Google-Chef Sundar Pichai der Belegschaft via Mail mitgeteilt, dass der Internetriese das "Tempo der Neueinstellungen für den Rest des Jahres verlangsamen wird", berichteten das Fachmagazin "Verge"  und die Nachrichtenagentur "Bloomberg"  aus einer Mail. Nun lässt Pichai der Ankündigung Taten folgen und hat einen auf zunächst zwei Wochen befristeten Einstellungsstopp verhängt. "Wie alle Unternehmen sind wir nicht immun gegen wirtschaftlichen Gegenwind", sagte Pichai den Berichten zufolge. Der jetzt angekündigte Einstellungsstopp von Google sei Teil dieser Verlangsamung, "um den Teams die Möglichkeit zu geben, ihre Aufgaben und Einstellungspläne für den Rest des Jahres zu priorisieren", so Pichai weiter. Ende März zählte der Internetkonzern 164.000 Mitarbeiter.

Der Softwarekonzern Microsoft zählte Ende vergangenen Jahres rund 181.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bereits im Mai hatte das Unternehmen erklärt, dass es insbesondere im Bereich der Anwenderprogramme die Einstellungen verlangsamen werde. Im Zuge einer Umstrukturierung baute der Konzern dann in den Folgemonaten knapp 1 Prozent der Stellen ab – also rund 1800 Jobs. Zu Wochenbeginn erklärte Microsoft, dass der Konzern damit begonnen habe, zahlreiche offene Stellen zu streichen.

Auch der iPhone-Konzern Apple wappnet sich gegen einen möglichen Wirtschaftsabschwung, wird laut "Bloomberg"  im kommenden Jahr weniger Personal einstellen und die Ausgaben herunterschrauben. Kostensenkungsprogramme sind bei Apple eher selten. Im Mai noch hatte Apple angekündigt, im Wettbewerb mit anderen Unternehmen zumindest für einen Teil der Beschäftigten die Löhne und Einstiegsgehälter deutlich zu erhöhen. Allerdings hatte der Techkonzern bereits Anfang 2019, also vor der Pandemie, die Neueinstellungen zurückgefahren, nachdem die iPhone-Verkäufe in China und anderen Teilen der Welt die Erwartungen verfehlt hatten.

Vor Apple hatten bereits andere US-Konzerne wie die Facebook-Mutter Meta, der Elektroautobauer Tesla oder Amazon angekündigt, ihre Personalpläne einzudampfen. So kündigte Meta laut Bloomberg an, 30 Prozent weniger Ingenieure einzustellen als geplant. Meta-Chef Mark Zuckerberg hatte zuvor erklärt, dass er mit einem der härtesten Wirtschaftsabschwünge der jüngeren Geschichte rechne. Ende März beschäftigte Meta noch 77.800 Mitarbeiter. Tesla wiederum hat im Juni Tausende Stellen von Festangestellten gestrichen und zugleich zahlreiche Stundenkräfte eingestellt.

Amazon hatte bereits im April erklärt, einen in der Pandemie aufgebauten Personalüberhang nun wieder abbauen und die Mitarbeiterzahl reduzieren zu müssen, wie Finanzvorstand Brian Olsavsky erklärt hatte. Der Online-Gigant und Technologiekonzern Amazon zählte Ende März dieses Jahres rund 1,6 Millionen Beschäftigte und ist damit der größte Arbeitgeber in der Tech-Welt.

rei
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