Bewertung eingebrochen Getir schnappt sich Gorillas zum Discountpreis

Heftiger Abschlag für die Gorillas-Investoren: Der Berliner Schnelllieferdienst Gorillas ist für 1,2 Milliarden Euro in Aktien an den türkischen Anbieter Getir verkauft worden. Allerdings bedeutet das auch eine Abwertung des Käufers.
Verkauft: Die Gorillas-Flotte hat nun neue Eigner

Verkauft: Die Gorillas-Flotte hat nun neue Eigner

Foto: Hollie Adams / Bloomberg

Ende für Gorillas: Der Berliner Schnelllieferdienst ist an diesem Freitag an den türkischen Konkurrenten Getir verkauft worden. Das Unternehmen wurde dabei mit 1,2 Milliarden Euro bewertet, sagten Insider dem manager magazin. Die Gorillas-Investoren bekommen im Zuge des Deals rund 14 Prozent der Anteile an Getir. Beide Unternehmen äußerten sich auf Anfrage zunächst nicht zu der Übernahme.

Damit wechselt eines der schillerndsten deutschen Start-ups die Besitzer. Gorillas, erst im Mai 2020 von CEO Kağan Sümer (35) gegründet, hatte während der Corona-Krise so schnell wie keine andere Firma zuvor eine Milliardenbewertung erreicht. Das Versprechen des Quick-Commerce-Anbieters, innerhalb von zehn Minuten liefern zu können, hatte die Investoren elektrisiert. Insgesamt konnte Sümer 1,1 Milliarden Euro bei Kapitalgebern einsammeln. Allerdings war das Geschäft höchst unrentabel, Gorillas verbrannte Geld.

Das Management – ohnehin höchst umstritten wegen des Umgangs mit Mitarbeitenden – hatte mit drastischen Maßnahmen versucht, die Kapitalverbrennung des Dienstes zu reduzieren. Ende Mai hatte Sümer rund die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seiner Zentrale gefeuert sowie in der Folge mehrere Standorte in europäischen Ländern wie Italien, Spanien und Belgien dicht gemacht.

Bereits seit Ende vergangenen Jahres hatte Sümer erfolglos versucht, eine neue Finanzierungsrunde für das hochdefizitäre Start-up abzuschließen. Zuletzt hatten die Investoren mit einer Brückenfinanzierung in Höhe von rund 40 Millionen Euro den stark defizitären Dienst am Laufen gehalten. Maßgabe für eine weitere Finanzierung war, dass Grollias bis Ende 2023 profitabel wird. Die Investoren hatten das Unternehmen zugleich mehreren Rivalen zum Kauf angeboten, darunter auch dem Berliner Konkurrenten Flink.

Auch Getir massiv abgewertet

Über einen Verkauf des Dienstes an den türkischen Anbieter Getir war bereits seit Wochen spekuliert worden. Die Konditionen des Aktientauschs haben es jedoch in sich. Mit der Gorillas-Übernahme wurde auch Getir massiv abgewertet. Das neue Getir, inklusive Gorillas, ist nur noch 8,7 Milliarden Dollar wert. Bei der letzten Finanzierungsrunde mit März 2022 wurde das Unternehmen noch mit knapp 12 Milliarden Dollar bewertet.

Getir war bereits 2015 in Istanbul gegründet worden. Der Dienst konnte im März 2022 eine Finanzierung in Höhe von 768 Millionen Dollar abschließen. Mit der Übernahme kann sich Getir als Marktführer in Europa positionieren. Auch Getir ist allerdings weiterhin stark defizitär.

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