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Game Changer 2021

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Bain & Company

Game Changer Award 2021 Aus der Pandemie und in die Kinderzimmer

Die drei Gewinner des Game Changer Award gehen neue Wege: Einen aus der Pandemie, einen zu vollautomatisierter Logistik und einen in die Kinderzimmer. Die Juroren Joe Kaeser, Nicola Leibinger-Kammüller und Verena Pausder gratulieren.

Verena Pausder (42) lächelt in die Kamera. Die Unternehmerin und Jurorin des Gamechanger-Award erinnert sich zurück an vergangenen November, an ihren ersten Hoffnungsmoment in der Coronapandemie: "Da präsentierte Biontech die Wirksamkeit seines Impfstoffes", sagt sie – in bloß zehn Monaten entwickelt , made in Germany. "Plötzlich jonglieren Menschen mit Begriffen wie mRNA", sagt Pausder. Dabei war der Impfstoff nur ein Nebenprodukt des Unternehmens: Eigentlich forscht Biontech an Therapien gegen Krankheiten wie Krebs, HIV und Multiple Sklerose. "Biontechs Technologie wird die Medizinrevolution in den nächsten Jahren antreiben", sagt Pausder. Die Jury sei sich noch nie so einig gewesen.

Das Mainzer Unternehmen von Özlem Türeci (54) und Uğur Şahin (55) gewann den von der Unternehmensberatung Bain und manager magazin ins Leben gerufenen Game Changer Award in der Kategorie Produkt- und Serviceinnovation. Biontech-Finanzchef und COO Sierk Poettig (48) und Sean Marett (56), als Chief Commercial Officer zuständig unter anderem für die Verträge mit den Zulieferern der Impfstoffkomponenten, nahmen die Auszeichnung entgegen. In einem Q&A mit einigen Gästen im Anschluss zeigten sie sich zuversichtlich, dass die mRNA-Technologie auch bei vielen anderen Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer funktionieren werde.

Die Gewinner sind Biontech, Kion und Boxine

Der Preis für die Game Changer wird seit 2015 verliehen und zeichnet besonders fortschrittliche Unternehmen aus. Die siebenköpfige Jury nominiert 15 Finalisten und prämiert drei Gewinner, neben der Kategorie Produktinnovation auch in den Kategorien Kundenerfahrung (Customer Experience) und Operations of the Future.

Bain-Deutschlandchef Walter Sinn (55) gratulierte den Preisträgern am Donnerstag Abend erstmals per virtueller Veranstaltung. Der Innovationsgeist in Deutschland stimme ihn positiv. Gleichzeitig kritisierte er die mangelnde Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung, die noch mit "Papier, Bleistift und Fax" arbeite. Beim digitalen Lernangebot der Schulen und der Impfstoffverteilung etwa sieht er Handlungsbedarf.

Der ehemalige Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser (63) sprach an dem Abend ausnahmsweise einmal aus einer eher privaten Rolle heraus – der des Opas. Er verlieh den Preis in der Kategorie Customer Experience an das Düsseldorfer Unternehmen Boxine, dessen Gründer Marcus Stahl (54) und Patric Faßbender (51) die sogenannte Toniebox entwickelt haben . Der Hörspielwürfel für Kinder steht mittlerweile in mehr als zwei Millionen Haushalten. Er sei außerdem ein mobiler Begleiter etwa für lange Autoreisen, so Kaeser. "Wer schon mal den Druck von der Rückbank gespürt hat, weiß, wovon ich rede."

Die Boxine-Macher, die die Box drei Jahre lang von Grund auf selbst entwickelt haben, denken derzeit über weitere Einsatzgebiete nach und untersuchen Möglichkeiten, neue Zielgruppen wie Demenzkranke zu bedienen. "In Deutschland neigen wir zum Over-Engineering", so Kaeser. Bei der Toniebox sei das Gegenteil der Fall.

Die Jury des Game Changer Award:
  • Nicola Leibinger-Kammüller (Vorsitzende der Geschäftsführung Trumpf)

  • Andreas von Bechtolsheim (Chairman und CDO Arista)

  • Philipp Justus (Vice President Central Europe Google)

  • Joe Kaeser (Aufsichtsratsvorsitzender Siemens Energy und Daimler Truck)

  • Harald Krüger (Berater und ehemaliger CEO von BMW)

  • Verena Pausder (Gründerin Fox & Sheep / Haba Digitalwerkstätten),

  • Martin Noé (Chefredakteur manager magazin)

  • Walter Sinn (Managing Partner Bain & Company)

In der Kategorie Operations of the Future gewann das Frankfurter Unternehmen Kion, einer der beiden marktführenden Anbieter von Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten. Die Chefin des Maschinenbauers Trumpf , Nicola Leibinger-Kammüller (61), sagte in ihrer Laudatio, der Kion-Vorstandsvorsitzende Gordon Riske (63) habe schon früh auf automatisierte Logistikzentren gesetzt, etwa mithilfe strategischer Übernahmen, und verbinde Ingenieurskunst mit neuester IT. "Kion wandelt sich vom Hardware- zum Softwarekonzern", so Leibinger-Kammüller.

Als Ziel hat sich das Unternehmen sogenannte Dark Warehouses gesetzt, also Lagerhallen, wo die Logistik automatisiert von Robotern abgewickelt wird, daher kein Licht gebraucht wird und Menschen nur noch die Maschinensteuerung übernehmen. manager-magazin-Chefredakteur Martin Noé (60) erinnerte das an seine Wehrdienstzeit. Da habe er mit seiner Truppe im Lager auch schon mal die Lichter ausgemacht und eine Runde zwischen den Paletten geschlafen – "nur Kion hat daraus ein Milliardengeschäft gemacht."

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