Telekom, Vodafone und O2 verbünden sich Hoffnung für Funkloch-geplagte Mobilfunkkunden

Fast jeder kennt sie, vor allem in ländlicher Umgebung: Funklöcher. Auf Drängen des Kartellamts und der Netzagentur haben die drei großen Anbieter in Deutschland endlich eine Lösung gefunden.
Wo ist das Netz? Mancherorts sucht man vergeblich nach Mobilfunk-Empfang

Wo ist das Netz? Mancherorts sucht man vergeblich nach Mobilfunk-Empfang

Foto: Fernando Gutierrez-Juarez / DPA

Funklöcher vor allem in ländlicher Umgebung könnten bald endlich der Vergangenheit angehören. Wie Telefónica Deutschland (O2) am Dienstag mitteilte, kann der Konzern nun zusammen mit der Deutschen Telekom und Vodafone die sogenannten "grauen Flecken" bekämpfen.

Telekom und Vodafone hatten eine solche Vereinbarung zum Ärger von Telefónica bereits im vergangenen Jahr getroffen. Das rief die Wettbewerbshüter vom Bundeskartellamt auf den Plan, die die beiden großen Anbieter daraufhin zur Zusammenarbeit mit Telefónica verdonnerte. "Eine Kooperation von Deutscher Telekom und Vodafone ohne Beteiligung von Telefónica wäre aus unserer Sicht wettbewerblich problematisch", begründete Kartellamtspräsident Andreas Mundt (60) damals die Einflussnahme seiner Behörde und der Bundesnetzagentur.

Die Unternehmen haben es sich zum Ziel gesetzt, im Laufe dieses Jahres Hunderte "graue Flecken" zu schließen. Sie wollen sich dafür an Orten, an denen bislang nur einer präsent ist, gegenseitigen Netzzugang gewähren, sodass die Kunden mit einem Handyvertrag für die anderen zwei Netze nicht mehr im Funkloch stecken. Die zwei Kooperationsvereinbarungen zu 4G (LTE) umfassen insgesamt 2400 Standorte, an denen die Sendetechnik und die Antennen gemeinsam genutzt werden und die Kunden der unterschiedlichen Anbieter mit dem Netz verbinden. Die Standorte liegen in dünn besiedelten Gegenden Deutschlands - dort ist ein wirtschaftlicher Betrieb der Antennen schwierig. Durch die gemeinsame Nutzung der Standorte sind die Kosten für die Netzbetreiber niedriger als bei einem Alleingang.

"In Zukunft wird man die grauen Flecken mit der Lupe suchen müssen", versicherte Telefónica-Chef Markus Haas (48). Netzagentur-Präsident Jochen Homann (68) sagte: "Kooperationen der Betreiber können wesentlich zu einer besseren Mobilfunkversorgung in Deutschland beitragen." Und Telekom-Deutschland-Chef Srini Gopalan (50) ergänzte: "Wir arbeiten mit unserem Wettbewerber zusammen, damit noch mehr Menschen in Deutschland ein besseres Netz nutzen könne."

Telefónica Deutschland erhöht die Dividende

Für Telefónica Deutschland  eröffnen sich durch die zwangsverordnete Kooperation ganz neue Möglichkeiten. Firmenchef Haas sprach sogar von einem "Game Changer". Entsprechend zuversichtlich schaut die Tochter des hoch verschuldeten spanischen Telekomkonzerns Telefónica in die Zukunft und will nun jedes Jahr um mindestens 1,5 Prozent wachsen. Haas machte vor allem im ländlichen Raum Potenzial aus, da sei das für die Marke O2 bekannte Unternehmen "unterrepräsentiert".

Zugleich gab er bekannt, die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr auf 18 Cent je Aktie von zuvor 17 Cent zu erhöhen. Dies dürfte vor allem den Mutterkonzern Telefónica freuen, die rund zwei Drittel halten. Analysten hatten allerdings mit einem höheren Aufschlag nach dem 1,5 Milliarden Euro schweren Verkauf von Funkmasten gerechnet. Die Telefónica-Deutschland-Aktie fiel am Morgen etwa 0,5 Prozent.

Telefónica Deutschland hinkt bisher bei der Netzabdeckung hinter der Konkurrenz hinterher. Auch bei der neuen 5G-Mobilfunktechnik muss das Unternehmen aufholen und gab bekannt, bis Jahresende mehr als 30 Prozent der Haushalte mit 5G erreichen zu wollen. 2025 soll es dann ein flächendeckendes 5G-Netz geben. Dabei soll auch die Umrüstung des Funknetzes auf die Open-Ran-Technologie helfen. Bei der Deutschen Telekom können inzwischen 55 Millionen Menschen in Deutschland 5G nutzen.

Im dritten Quartal hatte Telefónica Deutschland dank des Funkmasten-Verkaufs den ersten Gewinn seit 2016 erzielt. Rund 100 Millionen Euro aus dem Verkaufserlös sollen in die neue Glasfasergesellschaft von Telefónica und Allianz fließen, an der sich der deutsche Mobilfunker mit 10 Prozent beteiligen will. Mittelfristig würden drei Millionen Anschlüsse in Deutschland gebaut und auch unter der Marke O2 vermarktet, sagte Haas.

mg/Reuters, dpa-afx