Apple-Zulieferer Foxconn 20.000 Beschäftigte verlassen "iPhone-City"

Mehrere Tausend Mitarbeiter sollen das Foxconn-Gelände im chinesischen Zhengzhou im Zuge der Proteste verlassen haben. Der Abgang der Arbeiter hat auch ein Nachspiel für die Produktion: Die Kapazitäten können nicht wie geplant ausgeweitet werden.
Seltene Szenen des offenen Protests in China: Arbeiter des Apple-Zulieferers Foxconn protestierten am Mittwoch aus Frustration über einbehaltene Löhne und Prämien sowie gegen die strengen Corona-Beschränkungen

Seltene Szenen des offenen Protests in China: Arbeiter des Apple-Zulieferers Foxconn protestierten am Mittwoch aus Frustration über einbehaltene Löhne und Prämien sowie gegen die strengen Corona-Beschränkungen

Foto: AFPTV TEAMS / AFP

Es waren tumultartige Szenen, die sich zuletzt auf dem Werk des Apple-Zulieferers Foxconn im chinesischen Zhengzhou ereigneten: Arbeiter protestierten am Mittwoch aus Frustration über einbehaltene Löhne und Prämien sowie wegen der weitreichenden Corona-Beschränkungen. In den sozialen Medien kursierten Szenen, die Zusammenstöße zwischen Arbeitern und Sicherheitspersonal in Schutzkleidung zeigten, teilweise sollen Arbeiter auch verletzt worden sein. Daraufhin räumte der taiwanesische Konzern am Donnerstag "technische Fehler" bei der Bearbeitung von Neuanstellungen ein und entschuldigte sich.

Mehr als 20.000 Mitarbeiter haben das Gelände jetzt verlassen, berichtet Reuters und beruft sich auf einen Insider. Die Arbeiter seien noch nicht in die Produktion eingebunden gewesen. Foxconn hatte den protestierenden Neuzugängen eine Prämie von umgerechnet 1340 Euro angeboten, wenn sie gehen. Das Unternehmen sprach offenbar auch denjenigen eine Entschädigung zu, die bei Protesten der vergangenen Tage und Zusammenstößen mit der Polizei verletzt worden waren – ein Angestellter erzählte der Nachrichtenagentur AFP, dass Verletzte einen Bonus von 500 Yuan bekommen hätten.

In chinesischen Online-Netzwerken waren Videos mit langen Schlangen von Arbeitern zu sehen, die mit ihren Habseligkeiten auf Busse warteten. Foxconn wollte sich zu diesem Thema nicht äußern. Der US-Technologieriese Apple, der die Entsendung eigener Mitarbeiter in das Foxconn-Werk bekannt gegeben hatte, war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen.

Angesichts der zuletzt auf ein Rekordhoch gestiegenen Corona-Infektionen in China operiert das Foxconn-Werk in Zhengzhou seit mehreren Wochen in einem sogenannten geschlossenen Kreislauf – obwohl ein zwischenzeitlich verhängter Lockdown der Behörden bereits wieder aufgehoben wurde. Dies bedeutet, dass die insgesamt 200.000 Beschäftigten von der Außenwelt abgeschottet auf dem Gelände leben und arbeiten. Bereits Ende Oktober flohen Wanderarbeiter vom Werksgelände, um in ihre Heimatorte zu gelangen. Einige klagten über miserable Zustände in der Fabrik. Lokale Behörden versuchten sie zu isolieren, da sie eine weitere Ausbreitung der Pandemie verhindern wollen.

Produktion ist stärker beeinträchtigt als gedacht

Die jüngsten Unruhen im weltweit größten iPhone-Werk des Apple-Zulieferers Foxconn, auch genannt "iPhone-City", beeinträchtigen die Produktion einem Insider zufolge vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft nun stärker als bislang gedacht. Die Herstellung der Apple-Smartphones werde um mindestens 30 Prozent statt, wie bislang angenommen, um bis zu 30 Prozent zurückgehen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Freitag Reuters. Mit dem aktuellen Exodus von Mitarbeitern sei es unmöglich, bis zum Monatsende die Kapazitäten wie geplant wieder auszuweiten. In der Fabrik in der zentralchinesischen Industriemetropole Zhengzhou werden vor allem iPhone 14-Modelle hergestellt.

Auch im Rest der Volksrepublik werden die Pandemie-Beschränkungen wieder verschärft. Dies dämpft die Hoffnung auf eine rasche Erholung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft und schürt Ängste vor einer Rezession in weiten Teilen der Welt. Nach Einschätzung der Investmentbank Nomura ist mehr als ein Fünftel des gesamten chinesischen Bruttoinlandsprodukts von Abriegelungen betroffen und damit eine Zahl, die die Größe der britischen Wirtschaft übersteigt.

frm/Reuters, AFP
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