Sheryl Sandberg verlässt Meta Mark Zuckerberg verliert polarisierende Sympathieträgerin

Sheryl Sandberg legt nach 14 Jahren ihr Amt als COO der Facebook-Mutter Meta nieder. Mark Zuckerberg verliert damit nicht nur eine Topmanagerin, sondern auch eine Identifikationsfigur. Ihre berufliche Zukunft lässt Sandberg offen, ihre privaten Pläne dagegen stehen fest.
Sheryl Sandberg war 38 und Mark Zuckerberg 23 Jahre alt, als sie sich kennenlernten. Der junge Facebook-Gründer holte Sandberg ins Unternehmen und machte die Mutter eines damals zweijährigen Sohnes später zum COO

Sheryl Sandberg war 38 und Mark Zuckerberg 23 Jahre alt, als sie sich kennenlernten. Der junge Facebook-Gründer holte Sandberg ins Unternehmen und machte die Mutter eines damals zweijährigen Sohnes später zum COO

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Kevin Dietsch / Getty Images

Sie zählt zu den prominentesten Managerinnen in der Technologiebranche und ist durch ihr Engagement für Frauen auch darüber hinaus vielen Menschen bekannt. Nun zieht Sheryl Sandberg (52) unter ihre berufliche Karriere vorerst einen Schlussstrich: Sandberg wird ihr Amt als Chief Operating Officer bei Meta zum Herbst dieses Jahres aufgeben. Das gab sie am späten Mittwochabend in einem Statement auf ihrem Facebook-Profil bekannt. Konzernchef Mark Zuckerberg (38) verliert damit nicht nur eine Topmanagerin, sondern auch eine Werbefigur, die über viele Jahre trozt aller Kritik das menschliche Antlitz des Techkonzerns darstellte. Sandberg soll aber weiterhin dem Aufsichtsrat des Konzerns angehören.

"Als ich diesen Job 2008 antrat, hoffte ich, dass ich fünf Jahre lang in dieser Rolle bleiben würde", schreibt Sandberg auf Facebook  in einem langen Beitrag. "Vierzehn Jahre später ist es Zeit für mich, das nächste Kapitel meines Lebens zu schreiben." An der Börse sorgte die Nachricht für Verunsicherung: Die Aktie  von Meta verlor 2,6 Prozent.

Sandberg hat am Erfolg von Facebook großen Anteil

Sandberg wechselte Anfang 2008 von Google zu Facebook, vier Jahre bevor das weltgrößte soziale Netzwerk an die Börse ging. Die damals 38-Jährige wurde hinter Facebook-Gründer Zuckerberg die Nummer Zwei im Konzern. In den Folgejahren wuchs Facebook zu einem wahren Werbegiganten und einem der mächtigsten Unternehmen in der Technologiebranche mit einer Marktkapitalisierung von mehr als einer Billion Dollar heran. Sandberg hat einen großen Anteil daran und galt lange Zeit als rechte Hand von Zuckerberg. Sie verteidigte das auf Werbeeinnahmen basierende Geschäftsmodell vehement in den Medien und auf internationalen Konferenzen.

In den vergangenen Jahren ist Facebook allerdings zunehmend unter Druck geraten. Mangelnde Kontrolle, der Umgang mit Nutzerdaten in der Cambridge-Analytica-Affäre, zu wenig Gegenmaßnahmen gegen die Verbreitung von Fakenews und Hassrede sowie die mögliche Wahlmanipulation über die Plattform haben Kritiker und Regulierungsbehörden auf den Plan gerufen. Zuckerberg musste mehrfach vor dem US-Kongress aussagen. Zusätzlich ermitteln die Kartellbehörden in den USA und Europa gegen den Konzern. Sandberg konnte sich zwar weitgehend aus diesen öffentlichen Auseinandersetzungen heraushalten – hat aber auch nichts gegen die Auswüchse unternommen. Die von ihr entworfene Werbemaschine hatte – arglos oder absichtlich – jedenfalls kein Sicherungsnetz. In den vergangenen Jahren war der Mythos Sheryl Sandberg daher zunehmend in sich zusammengefallen. 

Autorin, Sympathieträgerin, Idol

Prägend für das öffentliche Bild war lange ihre Arbeit als Autorin: 2013 veröffentlichte sie ihr viel beachtetes Buch "Lean In: Women, Work, and the Will to Lead", das sich mit den Herausforderungen auseinandersetzt, den Frauen im Job ausgesetzt sind und der Frage nachgeht, was sie tun können, um ihre Karriere voranzutreiben. Dies und ihre ehrenamtliche Tätigkeit in verschiedensten Projekten machten die Managerin in weiten Kreisen lange Zeit zu einer Sympathieträgerin und für manche Frauen vielleicht auch zu einem Idol. Allerdings waren ihre Thesen nicht unumstritten: Sandberg schreibe aus einer absolut privilegierten Position heraus, hieß es.

2015 musste Sandberg einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen, als ihr Mann Dave Goldberg einem Herzinfarkt erlag. Sandberg ging mit diesem Schicksalsschlag und ihrer Trauer offen um. So veröffentlichte sie 2017 ein weiteres Buch, das vom Tod ihres Mannes beeinflusst wurde und in dem sie über den Umgang mit traumatischen Ereignissen im Leben nachdachte.

"Ich habe nicht vor, Sheryls Rolle in unserer bestehenden Struktur zu ersetzen. Ich bin mir nicht sicher, ob das möglich wäre, da sie ein Superstar ist, die die Rolle des COO auf ihre eigene einzigartige Weise definiert hat“, schreibt Zuckerberg in einem Facebook-Post . Sandberg äußert sich in ihrem langen Beitrag nicht minder respektvoll über ihren Chef und langjährigen beruflichen Wegbegleiter: "In diesen 14 Jahren an Marks Seite zu sein, war die Ehre und das Privileg meines Lebens. Mark ist ein echter Visionär und eine fürsorgliche Führungspersönlichkeit."

Nach Informationen von CNBC  soll Javier Olivan, Chief Growth Officer bei Meta , im Herbst die Nachfolge von Sandberg antreten. Olivan ist bislang für die Kernprodukte und -funktionen der vier großen Apps des Unternehmens verantwortlich: Facebook, Messenger, Instagram und Whatsapp.

Meta befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Die Facebook-Mutter richtet sich auf das Metaverse aus und will die über verschiedene Geräte erreichbare, komplett vernetzte Welt dominieren. Allerdings kommt Zuckerberg mit diesem Vorhaben nur langsam voran.

Sandberg will bald Verlobten Tom Bernthal heiraten

Wie das eingangs erwähnte nächste Kapitel in dem Leben der erfolgreichen Managerin aussehen wird, wisse sie selbst noch nicht, räumt Sandberg ein. "Aber ich weiß, dass ich mich mehr auf meine Stiftung und meine philanthropische Arbeit konzentrieren werde, die mir wichtiger denn je ist, wenn man bedenkt, wie wichtig dieser Moment für Frauen ist."

Sicher ist, dass Sandberg und ihr Lebensgefährte Tom Berntahl "in diesem Sommer heiraten" werden, wie sie zum Schluss ihres Posts verrät. Das Paar verlobte sich im Februar 2020, fünf Jahre nach dem Tod von Dave Goldberg. Der TV-Produzent bringt drei Kinder mit in die Beziehung, Sandberg ist Mutter eines Sohnes und einer Tochter.

rei