Zukunft des Bezahlens Mastercard führt Bezahlmethode per Gesichtserkennung ein

Elektronisches Bezahlen im Handel über kontaktlose Verfahren verbreitet sich auch in Deutschland. Nun bietet der Finanzanbieter Mastercard eine neue Bezahlmethode an – per Gesichtserkennung. Kunden müssen an der Kasse nur noch in die Kamera schauen, lächeln oder winken.
Gesichtserkennung: Um seinen Einkauf zu bezahlen, muss der Kunde vor der Kamera nur winken oder lächeln - Bargeld oder Karte sind nicht mehr nötig

Gesichtserkennung: Um seinen Einkauf zu bezahlen, muss der Kunde vor der Kamera nur winken oder lächeln - Bargeld oder Karte sind nicht mehr nötig

Foto: Sven Hoppe/ dpa

In die Kamera schauen, lächeln – und schon ist der Einkauf bezahlt. Knapp eine halbe Milliarde Menschen kaufen in China bereits per Gesichtserkennung ein. Auch in Russland ist die biometrische Bezahlmethode bereits im Einsatz – zum Beispiel beim Kauf von U-Bahn-Tickets.

Die lange Warterei an der Kasse und Suche nach dem Portemonnaie soll auch in Deutschland bald ein Ende nehmen. Mit dem neuen Programm von Mastercard braucht man weder Geldbörse noch Kredit- oder EC-Karte – sondern nur noch sich selbst. Der Konzern startet sein neues Bezahlsystem zunächst in Supermärkten in Brasilien, will das System aber schrittweise auch in allen Märkten weltweit einführen. "Die Art und Weise, wie wir bezahlen, muss mit unserem Lebensstil Schritt halten", sagte Ajay Bhalla, President Cyber & Intelligence bei Mastercard. Die Corona-Pandemie hat den Bedarf nach kontaktlosen, schnelle Bezahlmethoden an der Kasse noch verstärkt. Mastercard will sich mit dem neuen System aus dem Girocard-System verabschieden, weil es nicht mehr zeitgemäß sei. Der Körper wird zum Ausweis – und zum biologischen Kennwort.

Mastercard-Kunden müssen sich für die Nutzung des neuen Systems über eine App anmelden. Dann werden die biometrischen Daten dort hinterlegt und können beim Scan des Gesichts oder der Handfläche an der Kasse abgerufen werden, indem der Kunde den Finger auf einen Scanner legt oder in die Kamera schaut und winkt oder lächelt. Der US-Konzern arbeitet dafür mit dem brasilianischen Fintech Payface zusammen, das die App entwickelt hat.

Persönlichkeitsschutz oder Überwachung?

Das klingt erst einmal simpel – und bietet einige Vorteile gegenüber herkömmlichen Bezahlmethoden. Biometrische Verfahren bieten im Vergleich zu anderen Systemen wie Kennwörtern mehr Sicherheit. Personen besitzen eindeutige unveränderliche Merkmale, die sich zur Identifikation mithilfe elektronischer Verfahren nutzen lassen. PIN und Passwort kann man an eine andere Person weitergeben, biologische Eigenschaften nicht. Und die biometrischen Merkmale können auch nicht verlegt werden oder verloren gehen - im Gegensatz zur Kredit- oder Girokarte.

Kunden fühlen sich mit dem Fingerabdruck derzeit noch am wohlsten. Das haben mehr als die Hälfte der Teilnehemr in der PwC-Studie "Biometrische Authentifizierungsverfahren" angegeben. Nicht einmal jeder Sechste vertraut der Gesichtserkennung – und jeder Vierte empfindet alle biometrischen Methoden als unsicher.

Denn das Programm hat auch seine Tücken. Es umfasst eine Reihe von Standards, die von Banken, Handelsunternehmen und Technologieanbietern eingehalten werden müssen, um die Sicherheit persönlicher Daten gewährleisten zu können. Eine Person anhand ihres einzigartigen biologischen Merkmals zu identifizieren, ist für Kritiker der neuen Bezahlmethode kein Vorteil – sondern ein Mittel der Überwachung.

Ein weiterer Nachteil: Die erstmalige Beschaffung und Einrichtung von biometrischen Systemen ist teurer als die herkömmlichen Methoden. Und es funktioniert nicht immer. Schon Kleinigkeiten wie Blasen oder Verletzungen an der Hand stellen ein Gerät zur Erkennung der Handgeometrie vor echte Schwierigkeiten.

Dennoch gehen Forscher davon aus, dass die klassische EC-Karte von den biometrischen Bezahlmethoden mittelfristig abgelöst wird. Schon jetzt gibt es an der Kasse viele Alternativen – zu denen Kunden auch zunehmend greifen.

Bezahlen per Fingerabdruck weit verbreitet: Diese biometrischen Bezahlmethoden gibt es bereits

  • Biometrische Zahlungskarten sind in Deutschland bereits seit einigen Jahren verfügbar. So ermöglicht unter anderem neben Mastercard auch Visa Zahlungen mithilfe des Fingerabdrucks. Die Fingerabdruckinformationen sind auf der Karte gespeichert.

  • Das Bezahlen per Fingerabdruck wird auch von Apple genutzt. Mit Apple Pay können Verbraucher über das iPhone, die iWatch und Co. Käufe verifizieren. Daneben sind Google Pay, Samsung Pay und andere Anbieter mit ähnlichen Diensten in Deutschland verfügbar.

  • Banken bieten auch das klassische mobile Bezahlen an, mit dem Kunden mit dem Handy oder der Smartwatch bezahlen können.

  • Amazon hat im vergangenen Jahr ein neues Zahlungssystem eingeführt, das eine einfache Handbewegung verwendet. Der Amazon One-Scanner registriert ein Bild der Handfläche des Benutzers und lässt ihn bezahlen, indem er seine Hand in der Luft schweben lässt.

Ob sich das Programm des Bezahlens per Gesichtserkennung weltweit etabliert – oder doch eine andere biometrische Methode den Markt erobert – ist bisher noch fraglich. Mastercard ist zuversichtlich, auf das Pilotprojekt in Brasilien bald weitere Märke in Europa folgen zu lassen.