Huawei-Verfolger mit Gewinnsprung 5G-Aufbau in China hilft Ericsson

Ausgerechnet China lässt das Geschäft von Ericsson florieren: Der schwedische Netzwerkausrüster konkurriert dort erfolgreich mit dem chinesischen Marktführer Huawei um 5G-Aufträge. Dessen politischer Ausschluss in Schweden könnte das allerdings ändern.
Ericsson-Messestand in Peking Mitte Oktober

Ericsson-Messestand in Peking Mitte Oktober

Foto: Mark Schiefelbein / AP

Der Aufbau des neuen Mobilfunkstandards 5G in China hat dem schwedischen Netzwerkausrüster Ericsson zu einem Gewinnsprung verholfen. Allerdings könnte der Ausschluss der chinesischen Konzerne Huawei und ZTE beim Aufbau der 5G-Netze in Schweden Ericsson künftig die Suppe versalzen. "Die Einführung von 5G in China war der große Treiber in diesem Quartal", sagte Finanzvorstand Carl Mellander am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Im Gegensatz zum finnischen Rivalen Nokia habe Ericsson Aufträge von allen drei großen Betreibern in der Volksrepublik zur Lieferung von Technik für die 5G-Netze erhalten. Das stimme den Vorstand zuversichtlich, seine Jahresziele zu erreichen.

Restriktionen Chinas könnte jedoch die Entscheidung Schwedens vom Dienstag nach sich ziehen, beim Aufbau eines 5G-Netzes auf die Dienste des umstrittenen chinesischen Ausrüsters Huawei zu verzichten. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums reagierte am Mittwoch postwendend und forderte, das Verbot aufzuheben, um "negative Auswirkungen" zu vermeiden. "China äußert starke Unzufriedenheit mit Schweden", sagte Zhao Lijian.

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Die schwedische Regulierungsbehörde für Telekommunikation untersagte die Nutzung von Technik der chinesischen Unternehmen Huawei und ZTE in ihrem 5G-Netz und folgte damit der Einschätzung des schwedischen Militärs und der Sicherheitsbehörden. Im November will Schweden die Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G versteigern. Die teilnehmenden Firmen müssen die Huawei- und ZTE-Technologie bis 2025 aus zentralen Funktionen entfernen.

Betriebsgewinn steigt um mehr als ein Drittel

Nach Druck aus den USA, die chinesische Netzwerkausrüster als Sicherheitsrisiko bezeichnen, haben europäische Regierungen unter anderem die Rolle von Huawei beim Aufbau ihrer Netzwerke überprüft. Großbritannien hatte als erstes Land in Europa Huawei-Technologie ab 2027 aus seinem 5G-Netz verbannt.

Im dritten Quartal verbuchte Ericsson derweil einen Gewinnsprung: Das Betriebsergebnis stieg auf 9,0 Milliarden Kronen (871 Millionen Euro) von 6,5 Milliarden vor Jahresfrist und übertraf damit die Markterwartungen von 6,98 Milliarden Kronen. Netto blieben 5,6 Milliarden Kronen übrig. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte es noch einen Verlust von 6,9 Milliarden Kronen gegeben, wie schon oft in den vergangenen Jahren. Der Umsatz legte um 1 Prozent auf 57,5 Milliarden Kronen zu. "Covid-19 hatte bisher nur begrenzte Auswirkungen auf unser Geschäft, aber wir beobachten alle Anzeichen einer Änderung der Situation genau", erklärte Konzernchef Borje Ekholm (57).

Unabhängig davon kündigte Ericsson an, mit dem Telekommunikationskonzern Telia einen Fünfjahresvertrag über mehrere Milliarden Kronen für den Aufbau des 5G-Netzes in Nordeuropa und dem Baltikum geschlossen zu haben.

ak/reuters
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