Auskunftsforderungen zu Bots Twitter beugt sich dem Druck von Elon Musk

Elon Musk will genau wissen, wie viele Fake-Accounts es bei Twitter gibt – nun lenkt das Unternehmen laut einer US-Zeitung ein. Zudem bekommt Musk bei seinem Twitter-Deal offenbar Unterstützung von einem deutschen Tech-Investor.
Bekommt die gewünschten Daten: Tesla-Chef Elon Musk

Bekommt die gewünschten Daten: Tesla-Chef Elon Musk

Foto: Susan Walsh / AP

Seit Wochen geht es in der Übernahmeschlacht zwischen Twitter und Musk hin und her. Zuletzt war der Ton schärfer geworden. Jetzt will der Unternehmensvorstand einem Medienbericht zufolge den Auskunftsforderungen des Techmilliardärs nachkommen.

Twitter werde Musk in Kürze ausführliche Daten liefern, die Aufschluss über die Anzahl falscher Konten bei dem Kurzbotschaftendienst liefern. Das berichtete die "Washington Post " am Mittwoch unter Verweis auf informierte Kreise. Musk hatte ein Kaufangebot von 44 Milliarden Dollar für Twitter abgegeben, zuletzt jedoch mit Rückzug des Angebots gedroht.

Twitter habe "einen klaren Verstoß" gegen seine "Verpflichtungen im Rahmen der Fusionsvereinbarung verübt", hatte Musk am Montag abermals erklärt. Das Unternehmen habe seinen Anfragen nach Informationen über gefälschte Konten in dem Onlinenetzwerk "aktiv" widerstanden. Dies betrachte er als klare Verletzung der Verpflichtungen im Rahmen seines Übernahmeangebots. Aus Sicht von Twitter kann Musk allerdings die Vereinbarung nicht einseitig auf Eis legen.

Der Unternehmer macht die milliardenschwere Übernahme von der Zahl der Spam- oder Fake-Konten bei dem Kurzbotschaftendienst abhängig. Dabei geht es um sogenannte Bots: Computerprogramme, die mittels Algorithmen mit Nutzerinnen und Nutzern interagieren und dabei vorgeben, echte Menschen zu sein. Laut Twitter-Chef Parag Agrawal (38) handelt es sich bei weniger als 5 Prozent der bei Twitter aktiven Konten um Bots.

Die von der Plattform angewandte Methodik für die Erfassung dieser Fake-Konten sei jedoch nicht "angemessen", erklärte Musk. Er müsse seine "eigene Analyse" durchführen. Manche Experten sehen in Musks bohrenden Fragen zu den Bots ein Mittel, seinen vorzeitigen Ausstieg aus dem Twitter-Deal vorzubereiten – oder um den Übernahmepreis zu drücken.

Interessant dabei: Tesla selbst soll jahrelang von automatisierten Twitter-Accounts profitiert haben. Das zeigt eine Untersuchung von US-Forschern, die dem manager magazin vorliegt .

Generalstaatsanwalt von Texas springt Musk bei

Rückendeckung bekam Musk vom Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Texas, Ken Paxton (59), der eine Untersuchung zu Twitters Angaben über die Zahl der Fake-Accounts bekannt gab. Das Unternehmen ist nun binnen drei Wochen aufgefordert, Informationen dazu zu liefern. Der Republikaner Paxton liegt schon länger im Clinch mit Twitter und anderen Onlineplattformen. Er wirft ihnen vor, konservative Ansichten zu unterdrücken.

Der Chef des Elektroautopioniers Tesla hatte sich mit Twitter zuvor darauf geeinigt, das Unternehmen für 54,20 Dollar je Aktie zu übernehmen. Bei Kursen von um die 40 Dollar je Aktie sind die Anleger derzeit aber offenbar sehr skeptisch, ob es wirklich zu einem entsprechenden Geschäft kommt.

Twitter geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Aktionäre über die geplante Milliarden-Übernahme bis Anfang August abstimmen werden. Dies werde möglicherweise bereits im späten Juli geschehen, erklärte die Chefjuristin des Kurznachrichtendienstes, Vijaya Gadde (48), am Mittwoch vor Mitarbeitern.

Deutscher Tech-Investor finanziert Twitter-Deal

Musks Übernahmeangebot für Twitter wird unterstützt von einer Schar namhafter Investoren und bekannter Silicon-Valley-Größen. Zu den weniger prominenten Mitstreitern gehört ein hierzulande kaum bekannter deutscher Technologieinvestor: Alexander Tamas.

Die von Tamas gegründete Investmentfirma Vy Capital mit Sitz in Dubai hat 700 Millionen US-Dollar (654 Millionen Euro) für die Finanzierung von Musks Angebot für Twitter zugesagt und ist damit der drittgrößte externe Kapitalgeber für den möglichen Deal, bei dem auch Oracle-Gründer und Milliardär Larry Ellison (77) und Sequoia Capital mitwirken wollen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg  unter Berufung auf bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichte Unterlagen.

Über Vy Finanzierungsquellen oder die Art der Investitionen, die die Firma tätigt, ist öffentlich wenig bekannt. Die Webseite der Firma besteht aus einer einzigen Seite ohne Adresse und Kontaktdaten. Dabei summiert sich das von dem deutschstämmigen Gründer Alexander Tamas verwaltete Vermögen auf mehr als fünf Milliarden Dollar, wie aus offiziellen Unterlagen hervorgeht.

hr, mg/AFP