Alphamänner unter sich Die unendliche Fehde zwischen Elon Musk und Jeff Bezos

Seit rund 20 Jahren konkurrieren Elon Musk und Jeff Bezos im Raumfahrtgeschäft - und ungefähr genauso lange liefern sie sich schon immer wiederkehrende Scharmützel per Twitter und anderen Medien. Jetzt kochte der Schlagabtausch erneut hoch.
Erfolgloses Meeting 2004: Elon Musk (l.) und Jeff Bezos konkurrieren im Weltall-Geschäft

Erfolgloses Meeting 2004: Elon Musk (l.) und Jeff Bezos konkurrieren im Weltall-Geschäft

"Jeff who?" Selbstverständlich wusste Elon Musk sehr genau, welchen Jeff der Reporter von der BBC meinte, vor einigen Jahren, in einem TV-Interview . Aber so ist er, der Multimilliardär und Chef des Elektroautobauers Tesla sowie der Raumfahrtfirma SpaceX: Lässt keine Möglichkeit aus, seinem Rivalen Jeff Bezos, Gründer des Handelsriesen Amazon sowie des Raumfahrtunternehmens Blue Origin, einen mitzugeben.

Der Wettstreit, den die beiden Unternehmer und Superreichen seit Jahren - teils augenzwinkernd, teils ernsthaft - zelebrieren, kocht in diesen Tagen wieder hoch. Schauplatz diesmal: Die Reichstenliste des US-Magazins "Forbes" . Anfang dieses Jahres hatte Musk (50) Bezos (57) an der Spitze des Rankings schon einmal als reichsten Menschen der Welt abgelöst. Vergangene Woche gelang ihm das erneut: Der Höhenflug der Tesla-Aktie sorgte dafür, dass Musks Vermögen laut "Forbes" die Marke von 200 Milliarden Dollar überschritt. Damit schob er sich an Amazon-Gründer Bezos vorbei an die Spitze.

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Für den Elektroautounternehmer war der Sprung auf Platz eins offenbar weniger bedeutend als die Tatsache, dass er ausgerechnet Bezos dabei in den Schatten stellte. Er werde eine große Statue mit der Nummer 2 an den Amazon-Gründer schicken, zusammen mit einer Silbermedaille, schrieb Musk laut "Forbes" in einer Email .

Seit vielen Jahren tauschen die beiden US-Unternehmer nun schon solche Freundlichkeiten aus, mal über die Medien, oft auch über den Kurznachrichtendienst Twitter. Vordergründig handelt es sich dabei meist um harmlose Nadelstiche, doch im Hintergrund sind harte Geschäftsinteressen im Spiel, bei denen es um Milliarden Dollar geht. Musk und Bezos sind mit ihren Firmen SpaceX und Blue Origin zwei der wichtigsten Protagonisten im Wettstreit um lukrative Weltraumgeschäfte. Sei es der gerade entstehende Weltall-Tourismus, seien es lukrative Aufträge der US-Regierung - der Konkurrenzkampf wird scharf geführt.

Anwälte, Satelliten - und zweimal "Copycat"

Zum Beispiel auf juristischem Terrain: Vor einigen Wochen klagte Blue Origin wegen eines Milliardenauftrags zur Entwicklung einer neuen Mondlandefähre für die Nasa, den Konkurrent SpaceX erhalten hat. Die US-Raumfahrtbehörde hatte den Auftrag für 2,9 Milliarden Dollar, also rund 2,5 Milliarden Euro, im April an SpaceX vergeben, woraufhin Blue Origin bereits öffentlich Kritik geäußert hatte. "Wir sind fest davon überzeugt, dass die Probleme im Vergabeverfahren und seinem Ergebnis geregelt werden müssen, um Fairness wiederherzustellen, für Wettbewerb zu sorgen und eine sichere Rückkehr zum Mond für Amerika zu gewährleisten", so die aktuelle Begründung der Klage durch Blue Origin.

Es folgte: ein weiterer Schlagabtausch zwischen Musk und Bezos beziehungsweise deren Firmen. Würden Lobbyismus und Anwälte den Weg in den Weltraum ebnen, dann wäre Bezos bereits auf dem Pluto, schrieb Musk auf Twitter.

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Auf einer Tech-Konferenz vergangene Woche legte er nach: Bezos sollte mehr Energie darauf verwenden, in den Weltraum zu gelangen, als in Gerichtsstreitigkeiten, sagte Musk laut CNBC  auf der "CodeCon 2021" in Beverly Hills. "Man kann sich seinen Weg auf den Mond nicht einklagen, ganz gleich, wie gut die Anwälte sind."

Die Antwort von Bezos darauf ließ nicht lange auf sich warten. SpaceX habe eine lange Geschichte von Rechtsstreitigkeiten mit der US-Regierung in Weltraumsachen, hieß es in einem Statement von Amazon gegenüber CNBC. Es sei schwer zu erkennen, wie dieser Track-Record mit der aktuellen Kritik an anderen, die ähnliche Klagen führten, zusammen passen sollte. Darauf wiederum Musk per Twitter: SpaceX habe geklagt, um zum Wettbewerb zugelassen zu werden. Blue Origin dagegen klage, um den Wettbewerb zu stoppen.

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Dabei ist das Gefecht um den Nasa-Auftrag keineswegs der einzige Rechtsstreit zwischen den beiden Kontrahenten. Auch gegen das Starlink-Satelliten-Internet-Projekt von SpaceX geht Amazon vor. Denn auch auf dem Gebiet gibt es direkten Wettbewerb: Unter dem Label "Project Kuiper" arbeitet Amazon an seinem eigenen Satelliten-Internet-Vorhaben.

Und auch in diesem Zusammenhang flogen bereits Nettigkeiten durch das Internet. Als Amazons Satellitenpläne vor gut zwei Jahren bekannt wurden, war SpaceX auf dem Terrain schon einige Jahre aktiv. Grund genug für Musk, sein Gegenüber Bezos per Twitter als "Nachahmer" ("Copycat") zu brandmarken:

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Eine Bezeichnung übrigens, auf die der Tesla-Chef rund ein Jahr später noch einmal zurückkam: Mitte 2020 stieg Amazon beim Selbstfahr-Auto-Start-up Zoox ein. Der Deal löste in Elon Musk offenbar den unwiderstehlichen Drang aus, sich auf Twitter selbst zu zitieren (man beachte den erneuten Einsatz des Katzen-Emojis):

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Dabei ist Zoox keineswegs die einzige Firma, mit der Bezos seinem Widersacher auch im Autogeschäft nahekommt. Amazon gehört zugleich zu den wichtigsten Investoren und Großkunden des Elektroauto-Start-ups Rivian, das derzeit seinen Börsengang vorbereitet. Weitere Scharmützel zwischen Musk und Bezos könnten also auch auf diesem Gebiet folgen: Rivian will unter anderem den Markt für Elektro-Pick-ups erobern - und auch Tesla hat mit dem "Cybertruck" bereits ein Modell in diesem Segment vorgestellt.

Und bemerkenswert: Zwar scheint Elon Musk den deutlich stärkeren Drang zu verspüren, Jeff Bezos immer wieder per Twitter und anderen Medien zu piesacken. Der Amazon-Gründer ist jedoch keinesfalls nur Empfänger in diesem Disput. 2019 beispielsweise trat Bezos im Yale Club in New York City auf, wo er über zukünftige Möglichkeiten für die Raumfahrt sprach. "Meine Freunde, wer will auf den Mars ziehen?", wird Bezos von dieser Veranstaltung zitiert . "Tut mir einen Gefallen, lebt zunächst für ein Jahr auf dem Gipfel des Mount Everest und schaut, ob euch das gefällt. Denn das ist das Paradies verglichen mit dem Mars." Einer, der immer wieder mit großer Begeisterung von der Möglichkeit spricht, dereinst den Mars mit Menschen zu besiedeln, ist bekanntlich: Elon Musk.

Gegründet hat Jeff Bezos Blue Origin im Jahr 2000, Musk ging mit SpaceX 2002 an den Start. Seitdem findet sich im Internet und in Archiven eine Vielzahl weiterer Belege für den unablässigen Zweikampf zwischen den beiden Alphamännern. Einmal geht es um Bezos' höheres Alter, das ihm laut Musk zu wenig Zeit lasse, um echte Fortschritte auf dem Weg ins Weltall zu machen, ein anderes Mal gratuliert Blue-Origin-Chef Bezos dem SpaceX-CEO zu einer erfolgreichen Raketenlandung - und fügt als Spitze hinzu: "Welcome to the club!" Dann wieder stört sich der Tesla-Chef an der monopolartigen Marktstellung des Amazon-Konzerns.

So geht es hin und her und her und hin. Dabei begann die Beziehung der beiden augenscheinlich friedlich: 2004, noch am Anfang ihrer Raumfahrtunternehmungen, trafen sich Musk und Bezos - ganz zivilisiert - in einem Restaurant zum Essen, um sich über ihre Pläne auszutauschen. Doch schon dieses Meeting scheint nicht optimal verlaufen zu sein, wie der vietnamesisch-kanadische Journalist Trung Phan berichtet:

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"Ich habe alles versucht, ihm gute Ratschläge zu geben, aber er hat sie hartnäckig ignoriert", fasste Musk die Unterhaltung später dem Buch "The Space Barons" von Christian Davenport zufolge zusammen. Bezos habe bei der Raketenentwicklung den falschen Weg verfolgt. Musk wollte demnach verhindern, dass Bezos noch einmal die gleichen Fehler mache, die er mit SpaceX zu jener Zeit bereits gemacht habe - doch der Blue-Origin-Chef zeigte sich angeblich unbeirrbar.

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Damit war die Grundlage für die jahrelange Fehde der beiden Männer wohl gelegt. Den jüngsten erfolgreichen Weltraum-Flug von Musks SpaceX-Rakete mit vier Weltraumtouristen an Bord der Raumkapsel konterte Bezos jetzt damit, dass er Captain-Kirk-Darsteller William Shatner (90) in Kürze in den Weltraum befördern will.

Allerdings gibt es auch lichte Momente im Austausch zwischen Musk und Bezos. Kurz bevor Bezos mit seiner Blue-Origin-Mannschaft im Sommer dieses Jahres in den Orbit abhob, wünschte ihm Musk per Twitter "Best of luck":

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Später revanchierte sich Bezos mit einer Gratulation an Musk und SpaceX, die mit dem Raumschiff "Inspiration4" ebenfalls erfolgreich in den Weltraum gestartet waren.

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"Ein weiterer Schritt in eine Zukunft, in der das All für uns alle erreichbar ist", so der Amazon-Gründer. Darauf antwortete Elon Musk ungewohnt brav: "Thank you"

cr