"In wenigen Monaten" Chinesische Firma kündigt weltweit erste Flugtaxi-Zulassung an

Das chinesische Unternehmen Ehang will für sein Fluggerät schon bald eine Typenzulassung haben. Damit wären sie schneller als die Rivalen in den USA oder Europa. Doch rund um die Firma ist vieles unklar.
Schauflug: Der Ehang 216 bei einem Event in Wien im Jahr 2019

Schauflug: Der Ehang 216 bei einem Event in Wien im Jahr 2019

Foto: JOE KLAMAR/ AFP

Das chinesische Unternehmen Ehang könnte womöglich das weltweit erste Start-up sein, das eine offizielle Zulassung für seine Flugtaxis bekommt. Der Strategiechef Edward Xu kündigte während der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen an, man sei auf Kurs, schon "in den nächsten Monaten" eine Typenzulassung für das Ehang 216 genannte Gerät von den chinesischen Behörden zu bekommen.

Ehang habe intensiv mit der Flugaufsichtsbehörde CAAC zusammengearbeitet, sagte Xu. Nun bittet die Behörde laut offiziellen Dokumenten  bis zum 20. Dezember um öffentliche Kommentierung, wie es in China üblich ist. Sollte es anschließend wirklich zu einer Zulassung kommen, hätte Ehang die Konkurrenz aus dem Westen deutlich überholt. Für deren Passagierdrohnen erwarten Experten frühestens 2023 eine solche Typenzulassung, vermutlich zunächst in den USA. Das US-Start-up Joby sowie das Münchener Start-up Lilium peilen optimistisch einen Marktstart ihrer Flugtaxis 2024  an, wenngleich noch diverse Fragen ungelöst sind.

Wie weit die Chinesen wirklich sind, ist allerdings derzeit kaum zu beurteilen. Branchenbeobachter halten Ehang für einen der aussichtsreichsten Hersteller in China. Das Modell Ehang 216 war immer mal wieder präsentiert worden, es kursieren Videos von Probeflügen. Allerdings ist vieles rund um die Firma unklar.

Anfang des Jahres erhob der aktivistische Short-Seller Wolfpack Research schwere Vorwürfe , die Zahlen und die angebliche Fabrikkapazität seien falsch dargestellt; Ehang gebe vor allem schöne PR-Meldungen heraus, es fehle aber an Substanz. Ehang hatte die Vorwürfe scharf zurückgewiesen. Der Kurs der an der US-Börse Nasdaq notierten Firma war jedoch eingebrochen. Aktuell ist Ehang knapp 1 Milliarde Dollar wert, in Spitzenzeiten waren es mehr als 7 Milliarden Dollar.

Um die Zweifel auszuräumen, kündigte Ehang im Februar einen "Investoren-Tag" für Ende Juni an. Die Fabrik sollte öffentlich vorgeführt werden. Das Datum wurde verschoben, auf Mitte August. Doch: Auch an dem Tag fiel die Showveranstaltung aus; die verschärften Corona-Regeln würden weder Anreise noch Versammlungen dieser Größe zulassen, so das Unternehmen. Im Internet präsentierte es lediglich ein schnell geschnittenes Video, das die Produktion in Yunfu in der Provinz Guangdong zeigen soll.

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Ob Ehang nun wirklich eine Zulassung in China bekommt, ist offen. Und selbst wenn, hieße das noch lange nicht, dass auch die europäische und die US-amerikanische Flugaufsicht dem Ehang 216 eine Erlaubnis erteilen würden.

lhy