"Phantomeinnahmen" E-Scooter-Firma Bird gab mehr als zwei Jahre lang zu hohe Umsätze an

Die Lage für den Elektroroller-Verleiher Bird spitzt sich zu. Nach fallenden Erlösen und Entlassungen im Sommer stellt das US-Unternehmen nun fest, dass es seine Umsätze für die letzten zwei Jahre zu hoch ausgewiesen hat.
Die Zukunft ist dunkel: jedenfalls für den Scooter-Verleiher Bird

Die Zukunft ist dunkel: jedenfalls für den Scooter-Verleiher Bird

Foto: Mario Tama/ Getty Images

Ungeduldige Investoren, harter Wettbewerb, schwächelnde Konjunktur – für den Scooter-Verleiher Bird lief es zuletzt alles andere als gut. Das in den USA ansässige Unternehmen gab wegen schlechter Geschäfte seinen Rückzug aus Deutschland, Schweden und Norwegen bekannt. Zudem werde es in weiteren Dutzend Regionen der Welt sein Angebot zurückfahren.

Nun schockt Bird mit der Nachricht, dass es zwei Jahre lang seine Umsätze zu hoch ausgewiesen habe. Grund: Der Roller-Verleiher habe unbezahlte Fahrten als Einnahmen verbucht, berichten die Fachmagazine "Techcrunch"  und "The Verge"  gleichlautend.

Den Berichten zufolge teilte Bird der US-Börsenaufsicht SEC mit, dass den Geschäftsberichten des Unternehmens für das erste Quartal 2020 bis zum zweiten Quartal 2022 "nicht mehr vertraut werden sollte". Wegen der entdeckten Unregelmäßigkeiten werde Bird den Bericht für das vergangene dritte Quartal später einreichen.

Bird erklärt Fehlbuchungen

Bird seien die "Phantomeinnahmen" bei der Prüfung der Jahresbilanzen 2020 und 2021 aufgefallen. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Mikromobilitätsfirma im Voraus aufgeladene Guthaben der Kunden nach Abschluss bestimmter Fahrten als Einnahmen verbucht hatte. Diese Erlöse "hätten nicht verbucht werden dürfen", zitiert "The Verge" das Unternehmen. Die Kontrollverfahren des Unternehmens seien nicht hinreichend, räumte Bird ein und versicherte, die Finanzberichte so "schnell wie möglich" zu korrigieren und die Mängel abzustellen.

Bird, im Jahr 2017 gegründet, gilt als Pionier der Mikromobilität und als treibende Kraft des Roller-Sharing-Booms in den vergangenen Jahren. Als einziger E-Scooter-Verleiher ist Bird börsennotiert. Das Unternehmen gelangte 2021 im Zuge eines Spac-Deals auf das Parkett. Seinerzeit wurde Bird mit rund 2,3 Milliarden US-Dollar bewertet, die Aktie erklomm zu Hochzeiten neun Dollar.

Kurz darauf stürzte das Papier dramatisch ab und ist mit rund 36 US-Cents zu einem Pennystock geworden. Nach Berichten im vergangenen Oktober droht Bird ein zwangsweises Delisting, sollte der Kurs nicht nachhaltig auf einen Dollar steigen.

Im August hatte Bird noch gemeldet, dass es die Umsatzschätzungen für das zweite Quartal leicht verfehlt habe – mit einem Nettoverlust von rund 310 Millionen Dollar und einem Umsatz von knapp 77 Millionen Dollar. Nach den jüngsten Nachrichten dürften diese Angaben aber Makulatur sein.

Die Krise von Bird zieht sich indes schon länger hin. Bereits im vergangenen Sommer hatte der Roller-Verleiher versucht, mit einem harten Sparkurs den hohen Kosten zu begegnen. 140 Angestellte und damit fast ein Viertel der Belegschaft mussten das Unternehmen verlassen. Wenig später trat Gründer Travis VanderZanden von der Spitze zurück und wurde durch Shane Torchiana ersetzt. Auch Wettbewerber wie Tier oder Voi hatten im Sommer Stellen streichen müssen.

rei
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