Neuer Chef des Verwaltungsrats Disney bringt Nike-Veteran Mark Parker gegen Nelson Peltz in Stellung

Mark Parker wird Chefaufseher bei Disney. Parker wird es gleich mit dem aktivistischen Investor Nelson Peltz zu tun bekommen. Dieser ist ein erklärter Gegner des zurückgekehrten Vorstandschefs Bob Iger und verlangt mehr Macht in dem Unterhaltungskonzern.
Parker gegen Peltz (l): Der ehemalige Vorstandschef von Nike soll als neuer Disney-Verwaltungsratschef einen unangenehmen Investor auf Distanz halten

Parker gegen Peltz (l): Der ehemalige Vorstandschef von Nike soll als neuer Disney-Verwaltungsratschef einen unangenehmen Investor auf Distanz halten

Foto: [M] Mike Blake / REUTERS; Tom Hauck / Getty Images for NIKE, Inc.

Der Entertainment-Gigant Walt Disney hat den langjährigen Nike-Topmanager Mark Parker (67) zum neuen Vorsitzenden seines Verwaltungsrats ernannt. Parker soll nach dem diesjährigen Aktionärstreffen Susan Arnold (68) ablösen, deren Amtszeit endet. Das teilte Disney am Mittwoch nach US-Börsenschluss mit.

In US-Unternehmen ist der Verwaltungsrat wie der Aufsichtsrat bei deutschen Firmen dem Vorstand übergeordnet. Allerdings hat das Gremium dort in der Regel eine höhere Leitungs- und weniger starke Kontrollfunktion. Häufig zählt auch das Management selbst dazu.

Bei Disney gab es zuletzt einen plötzlichen Führungsumbruch: Im November kam der langjährige Konzernlenker Bob Iger (71) aus dem Ruhestand zurück und ersetzte als Vorstandschef den glücklosen Bob Chapek (63), der nach nicht mal zwei Jahren im Amt seinen Hut nehmen musste. Iger will den Spitzenposten jedoch lediglich für zwei Jahre übernehmen. Deshalb soll Parker als Chefaufscher auch ein neu gegründetes Gremium leiten, das den Konzern bei der Nachfolgesuche berät. Parker ist bereits Verwaltungsratsvorsitzender von Nike, wo er von 2006 bis 2020 Vorstandschef war. Bei Disney sitzt er seit 2016 im Verwaltungsrat.

Zugleich wird Parker es mit Nelson Peltz (80) und dessen Hedgefonds Trian Fund Management zu tun bekommen. Peltz' Forderung nach einem Sitz im Verwaltungsrat erteilte Disney am Mittwoch eine Abfuhr. Das könnte für Zündstoff und weitere Konflikte sorgen.

Peltz ist dafür bekannt, sich aggressiv ins Management von Firmen einzumischen und gilt als Kritiker Igers. Vor etwa zwei Monaten hatte sich Trian mit rund 800 Millionen Dollar an Disney beteiligt und um einen Sitz im Verwaltungsrat bemüht. Vergeblich, wie sich jetzt zeigt.

Will mitbestimmen: Der aktivistische Investor Nelson Peltz dringt jetzt mit aller Macht auf einen Sitz im Aufsichtsrat von Disney

Will mitbestimmen: Der aktivistische Investor Nelson Peltz dringt jetzt mit aller Macht auf einen Sitz im Aufsichtsrat von Disney

Foto: Mike Blake / REUTERS

Nach Informationen der "Financial Times"  plant der aktivistische Investor nun, sich direkt an die Investoren zu wenden, um seinem Ziel nach mehr Einfluss näherzukommen. Damit würde er nur wenige Monate nach der Rückkehr von Bob Iger auf Konfrontationskurs zu dem Vorstandschef gehen. Peltz' Hedgefonds hält mittlerweile einen rund 900 Millionen Dollar schweren Anteil an Disney.

Disney habe sich "verirrt, was zu einer rapiden Verschlechterung seiner finanziellen Leistungsfähigkeit geführt hat", erklärte Peltz. Trian dringt auf harte Kostenschnitte und operative Verbesserungen. Dabei hatte Disney bereits im vergangenen November ein Sparprogramm angekündigt, das unter anderem einen Einstellungsstopp vorsieht.

Trian hatte laut CNBC  noch vor Bekanntgabe der Parker-Personalie betont, der Investor wolle Bob Iger als Vorstandsvorsitzenden nicht ablösen. Stattdessen wolle Trian mit Iger zusammenarbeiten, um einen erfolgreichen CEO-Wechsel innerhalb der nächsten zwei Jahre zu gewährleisten. "Das Ziel von Trian ist es, in Zusammenarbeit mit Bob Iger und dem Disney-Vorstand einen nachhaltigen, langfristigen Wert bei Disney zu schaffen", so das Unternehmen. "Wir sind uns bewusst, dass Disney sich in einer Phase bedeutender Veränderungen befindet, und wir versuchen nicht, zusätzliche Instabilität zu schaffen."

Beobachter erwarten einen chaotischen Machtkampf

Die Ankündigung von Peltz' Hedgefonds, sich nun direkt an die Investoren zu wenden, interpretieren Beobachter als Beginn eines möglichen Machtkampfes. So veröffentlichte Trian kurz nach Disneys Ankündigung einen 35-seitigen Bericht, in dem der Fonds unter anderem die M&A-Strategie von Disney kritisierte, insbesondere die Übernahme von 21st Century Fox im Jahr 2018. Disney habe hier schlicht ein "schlechtes Urteilsvermögen" an den Tag gelegt.

Kritik an Disneys Streaming-Geschäft

Der aktivistische Investor prangerte auch Kostenineffizienzen im Streaming-Geschäft von Disney an, die dem Unternehmen bis heute Verluste in Höhe von 11 Milliarden US-Dollar beschert haben. Zugleich kritisierte Trian den Prozess der Nachfolgeplanung der Vorstandsspitze scharf und bezeichnete ihn schlicht als "kaputt".

Der Machtkampf folgt auf ein schwieriges Jahr für den Unterhaltungsriesen, in dem eben steigende Streaming-Kosten und eine geringe Anzahl von Kinostarts die Gewinne schmälerten. Die Aktien von Disney hatten am Mittwoch bei rund 96 Dollar geschlossen. Vor einem Jahr lag der Kurs noch bei 160 Dollar.

rei mit dpa-afx

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