Druck vom Staat Chinas Mobilitätsdienst Didi beendet Wall-Street-Abenteuer

Der Uber-Konkurrent kündigt nach nur wenigen Monaten den Rückzug von der New Yorker Börse an. Der politische Druck in der Heimat war in den vergangenen Monaten extrem gestiegen.
Unter Druck: Didi-Präsidentin Jean Liu und ihrem Co-Gründer, CEO Cheng Wei, setzt die Aufsicht zu.

Unter Druck: Didi-Präsidentin Jean Liu und ihrem Co-Gründer, CEO Cheng Wei, setzt die Aufsicht zu.

Foto: Bloomberg / Bloomberg via Getty Images

Das Abenteuer Wall Street dauerte für Cheng Wei (38) und Jean Liu (43) nur wenige Monate. Ende Juni waren die beiden Co-Gründer mit ihrer Mobilitätsplattform Didi Global an die New Yorker Börse gegangen – trotz Warnungen aus der chinesischen Regierung. 4,4 Milliarden Dollar hatten sie eingenommen, die Bewertung des Unternehmens, das neben Taxi-, Chauffeur-, Fracht- und Lieferdiensten auch diverse Shared-Mobility-Services anbietet, war auf über 70 Milliarden Dollar gestiegen. Jetzt, nach Monaten mit politischem Dauerruck, will sich Didi von der US-Börse zurückziehen.

Der Vorstand um CEO Wei habe das Unternehmen autorisiert, ein für das Delisting erforderliches Verfahren einzuleiten, teilte das Unternehmen am Freitag mit, ohne weitere Gründe zu nennen. Später solle auf einer Aktionärsversammlung abgestimmt werden. Gleichzeitig werde eine Notierung an der Hongkonger Börse angestrebt. Didis Aktienkurs war seit dem Börsengang zwar deutlich eingebrochen, zuletzt war Didi aber immer noch rund 37 Milliarden Dollar wert. Zu den Investoren zählen Softbanks Vision Fund und der US-Konzern Uber, die gemeinsam mehr als ein Drittel der Anteile halten.

Der Vorstoß folgt einer ganzen Reihe von Eingriffen  der Regierung in die jahrelang boomende Tech- und Finanzindustrie. Chinas Präsident Xi Jinping (68) hat dazu aufgerufen, China zu "gemeinsamem Wohlstand" zu verhelfen, um die Kluft zwischen Arm und Reich zu schließen, die zunehmend die Legitimität der Herrschaft der Kommunistischen Partei bedroht. Insbesondere die Tech-Konzerne waren öffentlich von den Aufsichtsbehörden kritisiert worden, ihre Mitarbeitenden auszubeuten und gegen Datenschutz- und Verbraucherrechte zu verstoßen.

Erst in dieser Woche erließ die Regierung neue Regeln zum Schutz der Fahrerinnen und Fahrer in der lange Zeit boomenden Mobilitätsbranche, die 2020 in China umgerechnet rund 35 Milliarden Euro umgesetzt haben soll. Die Betreiber der Fahr- und Lieferdienste sollen künftig für Sozialversicherungen sorgen und deren Einkünfte veröffentlichen, um damit die Einkommensverteilung zu verbessern. Außerdem sollen die Anti-Monopol-Maßnahmen verschärft und eine "ungeordnete Expansion des Kapitals" in dem Sektor verhindert werden.

Das war auch als Attacke auf das Geschäftsmodell interpretiert worden; die Kosten der Anbieter dürften steigen. Betroffen davon sind neben Didi auch Meituan, der zu Alibaba gehörende Dienst Ele.me sowie Tencent – mithin die größten Tech-Konzerne des Landes.

Die Mobilitätsplattform Didi hat sich in den vergangenen Monaten einen besonders intensiven Streit mit den Behörden geliefert. Am 30. Juni war Didi trotz Warnungen der Aufseher an die New Yorker Börse gegangen. Nur wenige Tage darauf erhob Chinas Cybersicherheitsbehörde CAC Vorwürfe, das Unternehmen habe Datenschutzvorgaben verletzt und gefährde die nationale Sicherheit. Die Beamten sperrten zahlreiche Apps des Dienstes in chinesischen App-Stores und verboten teilweise die Aufnahme von Neukunden.

In den folgenden Monaten gab es immer wieder Warnungen und öffentliche Ankündigungen, das illegale Treiben in der Branche zu beenden. Börsengänge chinesischer Unternehmen im Ausland will die Regierung am liebsten unterbinden.

Didi soll sich nach Recherchen der Agentur Reuters zuletzt auf einen Neustart seiner Apps in China vorbereitet haben. In der vergangenen Woche waren dann Berichte aufgetaucht, Regierungsbeamte würden Didi drängen, die Börsenpräsenz in den USA zu beenden. Didi solle einen konkreten Plan für das Delisting an der Wall Street ausarbeiten.

lhy/Reuters