US-Sparte boomt Telekom erhöht Prognose, T-Aktie steigt auf Zehnjahreshoch

T-Mobile US bleibt die Cashcow des Bonner Konzerns. Dank der US-Tochter hat die Deutsche Telekom im zweiten Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn zugelegt. Die Aktie steigt auf das höchste Niveau seit mehr als zehn Jahren.
Läuft bei ihm: Telekom-Chef Tim Höttges übertrifft mit den Quartalszahlen die Erwartungen

Läuft bei ihm: Telekom-Chef Tim Höttges übertrifft mit den Quartalszahlen die Erwartungen

Foto: Oliver Berg/ dpa

Die Deutsche Telekom bleibt vor allem dank starker Geschäfte der amerikanischen Mobilfunktochter T-Mobile US auf Erfolgskurs. Und auch in Europa kann der Telekommunikationsriese organisch wachsen, wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal hervorgeht. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr hob Telekom-Chef Tim Höttges (58) seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr leicht an: Im Gesamtjahr werde nun mit einem bereinigten Betriebsergebnis ohne Leasingaufwendungen (Ebitda AL) von 37,2 Milliarden Euro gerechnet. "Alle Bereiche des Konzerns haben im ersten Halbjahr ihr Ergebnis gesteigert und damit die Wachstumsstory des Konzerns fortgeschrieben", so der Konzernchef.

Die hat Höttges selbst initiiert. Seit 2014 im Amt, hat der einst eher als spröde wahrgenommene Manager den ehemaligen Staatskonzern in den vergangenen Jahren in die Moderne geführt. Dank seines harten Stils, rastlos und nicht frei von Arroganz, hat er mit der Telekom eine lange Zeit unerwartete Erfolgsgeschichte geschrieben – und ist selbst dabei zur Gallionsfigur des Wandels geworden.  Mit einem Börsenwert von rund 85 Milliarden Euro wird das Unternehmen inzwischen so hoch bewertet wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr.

Im zweiten Quartal legte das bereinigte Ebitda AL des Gesamtkonzerns leicht um 1,1 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro zu. Rechnet man Wechselkurseffekte mit ein, ging der operative Gewinn um 4,2 Prozent zurück. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um 6,8 Prozent auf 26,6 Milliarden Euro. Inklusive der Wechselkurseffekte und der Belastungen durch den Verkauf der Prepaid-Sparte Boost an einen Konkurrenten, dem T-Mobile US im Zuge der Sprint-Übernahme zustimmen musste, sank der Umsatz allerdings um 1,7 Prozent auf 26,6 Milliarden Euro.

Der freie Barmittelzufluss kletterte verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Unter dem Strich bleib mit 1,9 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel bei der Deutschen Telekom hängen als noch vor einem Jahr. Das große Plus ist allerdings hauptsächlich auf Sondereffekte durch den Kauf von Sprint im Vorjahreszeitraum zurückzuführen. "Das ist erneut ein großartiger Mannschaftserfolg", sagte Firmenchef Höttges.

Die Aktie  reagierte mit einem Plus von knapp 3 Prozent auf die Zahlen und notierte zuletzt bei 18,36 Euro. Das ist das höchste Niveau seit mehr als zehn Jahren. Seit Jahresbeginn hat die Aktie der Deutschen Telekom stärker zugelegt als der Dax 30.

Größter Wachstumstreiber war erneut das Mobilfunkgeschäft in den USA. Hier steigerte die Tochter T-Mobile US die Zahl der Mobilfunk-Vertragskunden erneut um 1,3 Millionen. Die Gesamtkundenzahl von T-Mobile US erreichte damit zum Ende des zweiten Quartals knapp 105 Millionen - fast 6,5 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Die US-Sparte hatte bereits Ende Juli ihre Erwartungen angehoben.

T-Systems hinkt hinterher

Nicht ganz so beeindruckend war die Entwicklung auf dem deutschen Heimatmarkt. Doch konnte der Konzern auch hier dank einer erfolgreichen Entwicklung im Breitbandgeschäft und steigender Serviceumsätze im Mobilfunk nach eigenen Angaben ein organisches Umsatzplus von 1,8 Prozent erreichen. Im restlichen Europa lag das Plus bei 4 Prozent.

Problemkind bleibt die Großkundensparte T-Systems. Sie kommt mit ihrer langwierigen Neuaufstellung, die mit dem Abbau Tausender Stellen einhergeht, zwar voran, verzeichnet aber immer noch kein Wachstum. Der Umsatz ging um 5,5 Prozent zurück. Allerdings half die Ausrichtung auf die Cloud beim Auftragseingang, der um 25,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro stieg.

Offen bleibt, wie die Telekom mit ihrem Funkturmgeschäft oder der Niederlande-Sparte verfährt. Insidern zufolge wurden bereits Gebote für T-Mobile Netherlands abgegeben. Wie bei der Deutschen Funktturm hatte es bei T-Mobile Netherlands zuletzt geheißen, alle strategischen Optionen würden geprüft. Der Wert des Niederlande-Geschäfts wird mit vier bis fünf Milliarden Euro veranschlagt.

mg/Reuters, dpa-afx
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