Nach dem gescheiterten Verkauf Was Tim Höttges jetzt mit T-Systems vorhat

Die traditionell defizitäre Telekom-Tochter T-Systems ist seit Langem eine der letzten verbliebenen Baustellen von Telekom-Chef Tim Höttges. Ein Verkauf scheiterte. Nun präsentiert der CEO eine neue, gesichtswahrende Lösung.
Tim Höttges: Der Telekom-CEO möchte T-Systems mehr Eigenständigkeit bei Investitionsplänen einräumen

Tim Höttges: Der Telekom-CEO möchte T-Systems mehr Eigenständigkeit bei Investitionsplänen einräumen

Foto: Anke Waelischmiller; Sven Simon / IMAGO

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Die defizitgeplagte T-Systems ist seit Jahren eine Art Schandfleck in der ansonsten so schön polierten  Telekom-Zahlenwerk. Eigentlich wollte Telekom-Chef Tim Höttges (60) den IT-Dienstleister längst loswerden. Doch die Verkaufspläne scheiterten. Es fand sich offenbar niemand, der T-Systems für einen vetretbaren Preis übernehmen wollte.

Nun hat Höttges einen Plan B geschmiedet: Der Verkauf wird offiziell abgesagt, ein Teil des Geschäfts unter das Konzerndach geholt. Und T-Systems-Chef Adel Al-Saleh (59) bekommt mehr Bewegungsfreiheit. Die Telekom übernimmt einen Teil der Altlasten, die den IT-Dienstleister seit Jahren drücken. Künftig soll sich die von dem US-Amerikaner Al-Saleh geführte T-Systems ausschließlich um Großkunden und öffentliche Auftraggeber wie Ministerien und den Staat kümmern, wie Al-Saleh ankündigte. Das Mittelstandsgeschäft soll unter dem Dach der Deutschen Telekom geführt werden.

Dazu soll die in Dresden ansässige T-Systems-Tochter MMS (Multimedia-Solutions), die Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützt, in den Mutterkonzern integriert werden, hieß es weiter. Ziel sei es, dem Mittelstand künftig Digitalisierung aus einer Hand zu bieten,: von der Konnektivität über Cloud und Sicherheitsdienstleistungen bis zu Integration bei den Kunden, sagte Telekom-Deutschandchef Srini Gopalan.

Man habe die Erfahrung gemacht, dass vor allem der Mittelstand hier gern auf einen Anbieter setze, der alles aus einer Hand biete, erklärte er. Großkonzerne, die auch in Zukunft weiterhin von T-Systems betreut werden sollen, setzten traditionell dagegen oft auf unterschiedliche Dienstleister.

"Ziemlich bedeutsame" Altlasten werden von der Telekom übernommen

Bei MMS arbeiten den Angaben zufolge derzeit rund 1600 Mitarbeiter, die zuletzt rund 200 Millionen Euro umsetzten. Unter dem Konzerndach soll die Sparte in die Verantwortlichkeit von Maximilian Ahrens fallen, bis vor Kurzem CTO von T-Systems. Er soll künftig direkt an Telekom Deutschland-Chef Srini Gopalan berichten

Details dazu, in welchem Ausmaß T-Systems von finanziellen Altlasten wie etwa Pensionslasten befreit werden soll, machten Al-Saleh und Gopalan nicht. Das Ausmaß werde "ziemlich bedeutsam" sein, kündigte Al-Saleh an. Der 59-Jährige, der 2018 die Führung der traditionell verlustreiche Sparte übernommen hatte und auch im Vorstand der Telekom sitzt, verspricht sich davon künftig mehr Bewegungsfreiheit für den IT-Dienstleister.

T-Systems, das aus einer Zusammenlegung von IT-Beratungen von Daimler, Volkswagen und Telekom entstanden war, verbuchte 2021 einen Umsatzrückgang auf rund vier Milliarden Euro und einen Verlust von 242 Millionen Euro (Ebit). Im ersten Halbjahr 2022 stand allerdings ein kleiner Gewinn von sechs Millionen Euro zu Buche. Man denke auch wieder an Zukäufe, kündigte Al-Saleh an. "T-Systems steht nicht zu Verkauf", bekräftigte er.

Für Telekom-Chef Höttges ist die Umstrukturierung fürs Erste eine gesichtswahrende Lösung, galt die Abwicklung der Problemsparte doch als eine der letzten großen Baustellen des ansonsten erfolgreichen Telekom-Lenkers. Nun bekommt der einst von Höttges persönlich angeheuerte Al-Saleh auch mit geschrumpftem Zuständigkeitsbereich eine neue Chance, auch wenn die Aufgabe angesichts der aktuellen Wirtschaftslage und der Belastungen für Unternehmen nicht leicht werden dürfte. Telekom-Chef Höttges jedenfalls hat erst einmal Zeit gewonnen.

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