Hauptversammlung in Präsenz Frank Appel wird Aufsichtsratschef bei der Telekom

Deutsche-Post-Chef Frank Appel übernimmt den Posten von Ulrich Lehner als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom. Auf der Hauptversammlung kündigte er an, einen Teil seiner Aufgaben bei der Post abzugeben, um genug Zeit für sein neues Mandat bei der Telekom zu haben.
Zusatzjob bei der Telekom: Deutsche-Post-Chef Frank Appel wird neuer Aufsichtsratschef

Zusatzjob bei der Telekom: Deutsche-Post-Chef Frank Appel wird neuer Aufsichtsratschef

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Die Hauptversammlung der Deutschen Telekom hat den Weg für den Deutsche-Post-Chef Frank Appel (60) frei gemacht, in Personalunion neuer Aufsichtratschef des größten deutschen Telekommunikationskonzerns zu werden. Appel erhielt auf dem Aktionärstreffen am Donnerstag in Bonn am Abend die notwendige Mehrheit für den Einzug ins Kontrollgremium. Insgesamt stimmten knapp 84 Prozent des anwesenden Grundkapitals für den Manager.

Als erster Dax-Konzern hatte die Deutsche Telekom seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie wieder eine Hauptversammlung in Präsenz gewagt. Mit dem Aktionärstreffen endete auch die Ära von Aufsichtsrat Ulrich Lehner (75) nach 14 Jahren und 352 Sitzungen des Gremiums und seiner Ausschüsse, auf denen er laut Telekom-Chef Timotheus Höttges (59) nicht ein einziges Mal fehlte. "Da werden viele Erinnerungen wach", sagte frühere Henkel-Chef.

Den Staffelstab wird nun Frank Appel übernehmen, der zunächst beide Posten parallel ausüben will, was Aktionärsvertreter kritisierten. Appel versicherte jedoch: "Ich glaube, dass ich genügend Zeit haben werde." Zudem verwies er darauf, dass er im Sommer bereits Aufgaben bei der Post abgibt, um Zeit zu gewinnen. Dadurch falle ein halber bis ein ganzer Tag pro Woche weg, so Appel. Zugleich sprach er seine Erfahrung im Umgang mit Staatsbeteiligungen an. Der Bund nimmt bei beiden Bonner Konzernen eine Schlüsselposition ein. "Verfügbare Kandidaten dieses Kalibers sind rar", sagte der ehemalige Henkel-Chef Lehner.

Angesichts seines altersbedingten Rückzugs wollte Lehner vorerst keine Nostalgie aufkommen lassen: "Alles andere kommt nach dieser Hauptversammlung." Aber er vermisse seine Frau, die mal hören solle, wie er von allen gelobt werde. Den von ihm geliebten Gong, mit dem er auch die Redezeit der Aktionäre eingrenzte, durfte er – in magentafarben – nach Hause mitnehmen.

Fokus auf Funkturmgeschäft

Viele Fragen gab es auf der Hauptversammlung zum Funkturmgeschäft der Deutschen Telekom. "Das Interesse an unseren Funktürmen ist derzeit gewaltig", sagte Höttges. Die Anlagen seien wegen ihrer Langfristigkeit hochattraktiv. Trotzdem will sich der 59-Jährige, dessen Vertrag vorzeitig bis 2026 verlängert wurde, nicht drängen lassen: "Wir schauen uns das momentan in Ruhe an. Wie immer gilt, mit wem wir uns am Ende des Tages zusammentun, wir machen keine schlechten Deals."

Insidern zufolge hat der Telekom-Konzern den milliardenschweren Verkaufsprozess für die Funkturm-Tochter inzwischen auf den Weg gebracht. Unter den Interessenten soll sich der europäische Branchenprimus Cellnex befinden, außerdem wohl auch die Vodafone-Tochter Vantage Towers.

Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern das bereinigte Betriebsergebnis nach Leasingaufwendungen (Ebitda AL) um 6,6 Prozent auf 37,3 Milliarden Euro. Die US-Tochter T-Mobile trägt inzwischen rund die Hälfte zum Gewinn bei. Allerdings halten die Bonner, die mehr als 215.000 Mitarbeiter beschäftigen, weiterhin nicht die Kontrollmehrheit am US-Geschäft, was Höttges "in Kürze" ändern will.

Dividende steigt nur leicht

Die Dividende soll für das abgelaufene Geschäftsjahr um vier Cent auf 64 Cent je Aktie steigen. Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka warf der Telekom vor, "knausrig mit der Beteiligung ihrer Aktionäre am Geschäftserfolg umzugehen" und bekam für diese Aussage einigen Applaus. Höttges versprach, dass man nun zunehmend die Früchte der Investitionen in den USA ernten werde – und das werde sich in steigenden Dividenden widerspiegeln.

hr/dpa, Reuters