Telekom-Hauptversammlung Magerkost für T-Aktionäre, 600.000 Euro zusätzlich für Höttges

Trotz satter Gewinne gibt's nur eine magere Dividende für T-Aktionäre - die Fusion der US-Tochter mit Sprint war teuer. Dafür streicht Konzernchef Höttges on top 600.000 Euro ein. Die Oberaufseher-Nachfolge bleibt vorerst offen.
Kann sich ein Lächeln nicht verkneifen: Telekom-Chef Tim Höttges

Kann sich ein Lächeln nicht verkneifen: Telekom-Chef Tim Höttges

Foto: Oliver Berg/ dpa

Nach einer Durststrecke für die Aktionäre stellt die Deutsche Telekom wieder höhere Ausschüttungen in Aussicht. "Wir können unsere Dividende weiter entwickeln", sagte Telekom-Chef Tim Höttges (58) am Donnerstag auf der Jahreshauptversammlung, die wegen der Corona-Pandemie zum zweiten Mal in Folge virtuell stattfand. Für 2020 zahlt der Bonner Dax-Konzern erneut nur Mindestdividende von 60 Cent je Anteilsschein und begründet dies mit Kosten im Zusammenhang mit der Fusion der US-Tochter T-Mobile US mit dem kleineren Konkurrenten Sprint.

Die Aussicht, dass es vielleicht irgendwann einmal mehr als das Minimum geben könnte, schien die Aktionäre nicht zu überzeugen. In einem starken Dax-Umfeld rutschte die T-Aktie  am Nachmittag sogar leicht ins Minus bei 17,1 Euro. Zuvor hatten Aktionärsvertreter die magere Ausschüttung kritisiert.

Ungeklärt blieb vorerst die Frage, wer TelekomAufsichtsratschef Ulrich Lehner (74) nachfolgt. Im Rennen um den künftigen Aufsichtsratsvorsitz bei dem Bonner Telekomkonzern befinden sich auch externe Kandidaten. "Ich kann die Frage bejahen", antwortete Aufsichtsratschef Ulrich Lehner, der dem Gremium seit 2008 vorsteht, auf der Hauptversammlung auf eine entsprechende Anfrage. Die Amtszeit des ehemaligen Henkel-Chefs endet mit dem Aktionärstreffen im kommenden Jahr. Lehner hatte seine Amtszeit Anfang 2021 um ein Jahr verlängert, als Ex-BMW-Chef Harald Krüger für den Posten absagte . Ein Nachfolgeprozess sei bereits im Gange, sagte Lehner. Eine Entscheidung werde rechtzeitig vor der nächsten Hauptversammlung getroffen.

"Knauserig" - Aktionäre kritisieren Dividendenhöhe

Frederik Beckendorff von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete die Höhe der Dividende als "erklärungsbedürftig". Vanda Rothacker von der Union Investment forderte, die Ausschüttung an die Aktionäre müsse wieder auf ein angemessenes Niveau gebracht werden. Deka-Investment-Fachmann Winfried Mathes bezeichnete die Ausschüttung als knauserig. Höttges werde mit 600.000 Euro für die Genehmigung des Zusammenschlusses T-Mobile US und Sprint belohnt, da wollten auch Telekom-Aktionäre vom steigenden Cashflow von T-Mobile US profitieren. Dabei wird Höttges künftig mit bis zu 8,5 Millionen Euro schon mehr als in 2020 verdienen, das reicht ihm aber nicht .

Rothacker hält eine Reduzierung des Schuldenbergs der Telekom von aktuell rund 120 Milliarden Euro für nötig. Höttges versprach, aktiv zu werden: Der Schuldenabbau habe Priorität. Mittelfristig werde angepeilt, in den Korridor des 2,25- bis 2,75-fachen des bereinigten Ergebnisses zurückzukehren. 2020 war das Ergebnis dank des Zugpferdes T-Mobile US um 41,6 Prozent auf 35 Milliarden Euro geklettert.

Dank des US-Zugpferdes sprang der Umsatz von Europas größtem Telekomanbieter 2020 über die Marke von 100 Milliarden Euro. Aktuell hält die Telekom rund 44 Prozent an der US-Tochter und kann sie aufgrund einer Stimmrechtsvereinbarung in der Bilanz konsolidieren.

Aktionäre wollen gegen neues Vergütungssystem stimmen

Mit dem japanischen T-Mobile-US-Aktionär Softbank, dem Sprint früher gehörte, wurde eine Kaufoption über 101 Millionen T-Mobile-Aktien geschlossen, die bis Juli 2024 ausgeübt werden kann. Bis dahin unterliegt Softbank einer Verkaufssperre bei ihrer Beteiligung an dem US-Mobilfunker von noch rund acht Prozent. Höttges sagte, die Telekom könne zu einem niedrigeren Kurs als dem aktuellen Aktienkurs kaufen - 45 Millionen der Kaufoptionen könnten zu einem Kurs von 101,5 Dollar je Aktie erworben werden. Der Rest könne zum jeweiligen Kurs gekauft werden, der aktuell umgerechnet bei rund 125 Dollar  liegt. Einen akuten Handlungsbedarf, die Kaufoptionen zu ziehen, macht Höttges nicht aus: "Es besteht hier kein Zeitdruck."

Die Telekom-Aktionäre stimmten bei der Hauptversammlung auch über ein neues Vergütungssystem  ab. So sollen in die Vorstandsvergütung auch Klimaziele verankert werden. DSW wie auch Union Investment hatten mit Blick auf die Möglichkeit von Sonderzahlungen angekündigt, gegen das neue Vergütungssystem zu stimmen.

rei/wed/Reuters
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