Milliarden-Transaktionen Deutsche Telekom verbündet sich mit Softbank

Deal-Feuerwerk in Bonn: Der Techinvestor Softbank wird zum zweitgrößten Aktionär der Deutschen Telekom. Zugleich verkauft der Ex-Staatskonzern seine Beteiligung in den Niederlanden. Die Telekom erhöht so ihren Anteil an der rentablen US-Tochter, Softbank hofft auf Zugang zu 240 Millionen Telekom-Kunden.
T-Mobile US: Die Telekom kommt ihrem Ziel einer vollen Kontrolle über die US-Tochter ein großes Stück näher

T-Mobile US: Die Telekom kommt ihrem Ziel einer vollen Kontrolle über die US-Tochter ein großes Stück näher

Foto: Christoph Dernbach/ dpa

Die Deutsche Telekom verbündet sich für die Kontrolle beim US-Mobilfunker T-Mobile US mit der japanischen Softbank von Masayoshi Son (64) und holt den Technologieinvestor als Großaktionär an Bord. Die Japaner - bekannt für ihre Beteiligungen an Firmen wie Uber oder Alibaba - steigen mit einem Anteil von 4,5 Prozent zum größten Einzelaktionär des Bonner Dax-Konzerns nach dem Bund auf, teilte die Telekom am Dienstag mit . Im Tausch erhält die Telekom 45 Millionen T-Mobile-US-Aktien. Zugleich verkauft der Konzern den Anteil an seiner Tochter T-Mobile Netherlands für rund fünf Milliarden Euro, um mit einem Teil der Einnahmen weitere 20 Millionen Anteilsscheine an T-Mobile US zu kaufen.

Mit den Deals kommt die Telekom auf 48,4 Prozent an dem US-Mobilfunkanbieter und Konzernchef Timotheus Höttges (58) seinem Ziel, die Mehrheit an der US-Tochter zu erhalten, einen großen Schritt näher. "Das ist ein großartiger Tag für die Telekom und Softbank", sagte Höttges. In Bonn war am Vormittag mehrfach von einem "Triple-Win" die Rede. Selten war das Selbstbewusstein des Telekom-Vorstands größer.

Der Clou: Die erstarkte Position in den USA geht nicht mit einer Reduktion der Mittel für die Telekom in Deutschland einher, die mit 5G- und Glasfaserausbau derzeit vor Milliardeninvestitionen steht. Bundesregierung und Arbeitnehmervertretern ist dieser Punkt besonders wichtig. Ein anderes, finanzwirksameres Konstrukt hätte Höttges so wohl kaum genehmigt bekommen. Abermals war es sein USA- und M&A-Vorstand Thorsten Langheim (55), der ihm eine Lösung baute, die Aktionäre wie Arbeitnehmer zufriedenstellte.

Außerdem gingen Softbank und die Telekom eine strategische Partnerschaft ein. Auch dieser Punkt war für Höttges wichtig, der sein Unternehmen bereits seit Jahren gern breiter und damit unabhängiger vom Kerngeschäft aufstellen möchte. Die Japaner investieren nun etwa in einen Wagniskapitalfonds der Telekom. Zudem sollen die mehr als 300 Portfoliounternehmen des Technologieinvestors - darunter die Neobank Revolut und der Fahrdienstanbieter Tier - Zugang zu den rund 240 Millionen Telekom-Kunden in Europa und den USA erhalten, um neue Möglichkeiten für Geschäfte aufzutun. Das Unternehmen sei nun auf allen Ebenen international aufgestellt, frohlockte man intern. So erhält der für den Deal verantwortliche Softbank-Manager Marcelo Claure voraussichtlich auch einen Sitz im Telekom-Aufsichtsrat.

"Dies ist eine herausragende Transaktion, die eine Win-Win-Win-Situation für unsere Portfolio-Unternehmen, Softbank und die Deutsche Telekom schafft", sagte Claure. Der frühere Sprint-Chef, der satte 20 Euro je Telekom-Aktie zahlte, schwärmte mehrfach von einem "upside" also dem Wertsteigerungspotential des Papiers. Normalerweise sind bei einer Kapitalerhöhung Rabatte aber keine Prämien üblich.

Am Aktienmarkt sorgte das Geflecht aus Transaktionen für einigen Beifall: Die Aktie  der Telekom legte zu Handelsbeginn zunächst mehr als 2 Prozent zu, drehte im weiteren Handelsverlauf aber leicht ins Minus bei knapp 18 Euro. Das lag aber immer noch unter dem Preis, den Softbank bereit war zu zahlen.

Konkret gibt die Telekom 225 Millionen neue eigene Aktien an Softbank mit einer Bewertung von 20 Euro je Aktie aus und erhält im Gegenzug rund 45 Millionen T-Mobile-US-Aktien zum Preis von durchschnittlich 118 Dollar je Aktie. Der Investor Softbank ist auch am gleichnamigen japanischen Telekomriesen Softbank beteiligt.

Bisher hält die Telekom 43,2 Prozent an der US-Tochter, die sich im vergangenen Jahr mit dem kleineren Konkurrenten Sprint zusammengeschlossen hat, der bis dahin Softbank gehörte. Aufgrund einer Stimmrechtsvereinbarung kann die Telekom den US-Mobilfunker derzeit in der Bilanz konsolidieren und profitiert somit vom rasanten Wachstum auf der anderen Seite des Atlantiks.

"Sehr nah" dran an der Mehrheit

Im Juni 2020 hatten Telekom und Softbank vereinbart, dass die Bonner Call-Optionen über insgesamt 101 Millionen T-Mobile-US-Aktien erhalten, die bei SoftBank liegen. Für 44,9 Millionen dieser Call Optionen ist ein fester und aus heutiger Sicht extrem lukrativer Ausübungspreis von 101,46 US-Dollar je T-Mobile US-Aktie vereinbart. Die übrigen 56,6 Millionen Call-Optionen kann die Telekom, basierend auf dem jeweils aktuellen Marktpreis der T-Mobile US-Aktie, ausüben.

Telekom-Chef Höttges hatte seinen Aktionären erst im Mai gegenüber angekündigt, Ziel sei es, die 50-Prozent-Marke zu überschreiten, um langfristig das Sagen zu haben. Die Erhöhung auf 48,4 Prozent kostet die Telekom nun rund sieben Milliarden Dollar. Damit sei man schon "sehr nah" dran an der Mehrheit, sagte Höttges. Allein durch die geplanten Aktienrückkäufe von T-Mobile US werde der Anteil der Telekom weiter steigen. Außerdem könne der Konzern weitere Aktien über den Markt zukaufen.

Niederländische Tochter geht an Finanzinvestoren

Neben dem Aktientausch mit Softbank zieht sich die Telekom endgültig aus den Niederlanden zurück und verkauft ihr zusammen mit Tele2 gehaltenes Geschäft an ein Konsortium mit den Finanzinvestoren Apax und Warburg Pincus - dem Arbeitgeber des früheren Telekom-Chefs Rene Obermann (58). T-Mobile Netherlands wird dabei mit 5,1 Milliarden Euro bewertet. Bei Vollzug der Transaktion erhält die Deutsche Telekom rund 3,8 Milliarden Euro. Ursprünglich wollte sich die Telekom bereits 2015 von dem Niederlande-Geschäft trennen, hatte dann die Sparte aber mit dem Zukauf der niederländischen Tele2 gestärkt.

Die Gerüchteküche über einen möglichen Verkauf der Niederlande-Sparte brodelte seit Monaten. Bereits im November 2020 hatte es Spekulationen darüber gegeben, dass sich die Deutsche Telekom neu in dem Nachbarland aufstellen will. Damals war von einem möglichen Börsengang oder einem Verkauf des Geschäfts die Rede.

Höttges muss bei seinen Deals stets auch den immensen Schuldenberg im Blick behalten, der durch den teuren Netzausbau und Sprint-Zukauf auf rund 130 Milliarden Euro angewachsen ist. Der Niederlande-Verkauf wie auch der Aktientausch sorgen ihm zufolge nun "für finanzielle Flexibilität". Diese soll dabei helfen, zwei weitere offene Flanken zu schließen. Im kommenden Jahr will er eine Lösung für die Funkturm-Sparte präsentieren und innerhalb der nächsten zwölf Monate auch über die Zukunft der Beteiligung am britischen Mobilfunker BT entscheiden.

rei, phal/Reuters
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