Telekom-Chef Höttges "Für 2022 legen wir die Latte höher"

Eine gute Entwicklung auf beiden Seiten des Atlantiks hält die Telekom auf Wachstumskurs. Auch 2021 profitierte der Konzern von seiner Tochter T-Mobile US. Für 2022 gibt sich CEO Tim Höttges optimistisch. Derzeit sorgt sich der Chef um 2000 Telekom-Mitarbeiter in St. Petersburg.
Auf Wachstumskurs: Telekom-Chef Timotheus Höttges

Auf Wachstumskurs: Telekom-Chef Timotheus Höttges

Foto: Federico Gambarini / dpa

Die Deutsche Telekom will dank guter Geschäfte auf beiden Seiten des Atlantiks ihren Gewinn weiter ausbauen. "Für 2022 legen wir die Latte noch mal ein Stück höher", sagte Firmenchef Tim Höttges (59), dessen Vertrag erst kürzlich vorzeitig um fünf Jahre verlängert wurde, am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz. Demnach strebt der Dax-Konzern ein bereinigtes Betriebsergebnis nach Leasingaufwendungen (Ebitda) von 36,5 Milliarden Euro an. Auf vergleichbarer Basis - und damit unter anderem ohne das verkaufte Niederlande-Geschäft - sei dies ein Plus von 5 Prozent - nach einem Zuwachs von 6,6 Prozent auf 37,3 Milliarden Euro 2021.

Inzwischen ist die US-Tochter T-Mobile US zum wichtigsten Pfeiler im Geschäft der Bonner aufgestiegen. Auf dem umkämpften US-Markt mit den Platzhirschen AT&T und Verizon wurden mehr als 62 Prozent des Konzernumsatzes von 108,8 Milliarden Euro (plus 7,7 Prozent) erwirtschaftet. Aktuell hält die Telekom lediglich 48,4 Prozent an T-Mobile US, kann das Unternehmen aber voll konsolidieren. "Ziel bleibt und ist, dass wir die klare Kapitalmehrheit erwerben", betonte Höttges. Dabei muss er allerdings auch den riesigen Schuldenberg im Blick behalten, der 2021 um fast zwölf Milliarden auf inzwischen 132,1 Milliarden Euro wuchs. "Angesichts steigender Zinsen gerät die Verschuldung stärker in den Fokus der Anleger", machte Union-Investment-Fondsmanager Andreas Mark deutlich.

Neben der Anteilsaufstockung in den USA und dem kostenintensiven Infrastrukturausbau treibt Höttges derzeit die Zukunft der Funkturm-Sparte um, für welche ihm einige Avancen - unter anderem von der Vodafone-Tochter Vantage Towers - vorliegen. "Wir sind in der Phase, wo wir genau überlegen, wer der richtige Partner ist und wer uns das attraktivste Angebot gibt", sagte der 59-Jährige. Die mehr als 40.600 Standorte in Deutschland und Österreich verdienten eine "Premium-Bewertung". Noch in der ersten Jahreshälfte könne sich etwas entwickeln. Fondsmanager Mark sagte dazu: "Für das Jahr 2022 erwartet der Kapitalmarkt eine Entscheidung zu den eigenen Funktürmen. Der strategische Entscheidungsprozess ist bereits angestoßen."

Den Prozess dürfte dann Post-Chef Frank Appel (60) begleiten, der sich auf der Hauptversammlung im April zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Telekom wählen lassen will. Der 75-jährige Ulrich Lehner räumt aus Altersgründen den Posten.

Sorge um Mitarbeiter in Russland

Die aktuellen Bemühungen um eine Konsolidierung im europäischen Telekomsektor lassen Höttges kalt. "Ich wage zu bezweifeln, dass sich die Telekom dort einschaltet", sagte Höttges mit Blick auf die Spekulationen über Fusionen auf dem spanischen und italienischen Markt. Zugleich verwies er auf das erfolgreiche und wachsende US-Geschäft: "Wir haben uns freigekämpft vom Korsett des europäischen Telekommarktes." Laut Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, könnten die Bonner in Großbritannien letztlich trotzdem ihre Hände im Spiel haben: "Die Beteiligung der Deutschen Telekom an BT kann in der Konsolidierungsphase eine Rolle spielen." Die Telekom ist mit 12 Prozent zweitgrößter BT-Eigner.

Trotz der Herausforderungen lief es im Europa-Geschäft der Telekom zuletzt gut. Der Konzern kam beim Ebitda zum ersten Mal über die Marke von vier Milliarden Euro.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stellte Höttges die Sicherheit der rund 2000 Telekom-Mitarbeiter in St. Petersburg in den Vordergrund. "Wir müssen uns überlegen, wie wir mit den Menschen in der Region umgehen", sagte Höttges. Dazu gehöre auch die Frage, ob die Telekom Visa anbiete. Zugleich machte Höttges eine größere Gefahr für Cyber-Angriffe aus.

cr/Reuters, dpa-afx
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