Chancen für KKR auf Milliardendeal steigen Cellnex zieht sich aus Bieterwettstreit um Telekom-Funktürme zurück

Der spanische Cellnex-Konzern war an den Funktürmen der Deutschen Telekom interessiert, zieht nun aber sein Gebot zurück. Der Rückzug dürfte einem Konsortium um den US-Finanzinvestor KKR in die Hände spielen.
Ohne Funktürme kein schneller Datenaustausch: Die Vermietung der Türme gilt als lukrativ und sorgt für einen regelmäßigen Cashflow

Ohne Funktürme kein schneller Datenaustausch: Die Vermietung der Türme gilt als lukrativ und sorgt für einen regelmäßigen Cashflow

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Das Bieterfeld für die Telekom-Funktürme ist kleiner geworden: Die spanische Cellnex buhlt nicht mehr um eine Beteiligung an der Funkturmtochter der Deutschen Telekom. Damit könnte der Weg für ein rivalisierendes Konsortium um den Finanzinvestor KKR für eine Transaktion frei sein, die Schätzungen zufolge ein Volumen von rund 18 Milliarden Euro haben dürfte.

Cellnex sei "nicht länger Teil des Prozesses einer möglichen Übernahme eines Anteils an dem Telekom-Unternehmen, das die Telekom-Infrastruktur in Deutschland und Österreich betreibt", teilte Cellnex am Mittwoch lediglich mit. Das Unternehmen, das in Europa mehr als 100.000 Funktürme vermietet galt nach Informationen von manager magazin als heißer Anwärter für die Türme der Deutschen Telekom. Mit dem Erwerb hätte Cellnex seine Position als Europas Funkturmgroßmacht zementieren und zu einem digitalen Großdienstleister für Unternehmen werden können.

Ein Telekom-Sprecher wollte die Nachricht nicht kommentieren. Dem "Handelsblatt" zufolge wollte der Telekom-Aufsichtsrat im Laufe des Tages über die Transaktion beraten. Telekom-Aktien gaben am Morgen um rund 1,6 Prozent nach.

US-Finanzinvestoren melden offenbar Interesse an

Nach der Telekom-Tochter hat Insidern zufolge auch ein Konsortium des US-amerikanischen Finanzinvestors KKR mit den US-Investmentfirmen Global Infrastructure Partners (GIP) und Stonepeak die Fühler ausgestreckt. Dem Bündnis dürfte der Cellnex-Rückzug in die Karten spielen. Insidern zufolge könnte die Telekom auch bei einem Zuschlag Zugriff auf die Funktürme behalten, während das Konsortium um KKR abseits des operativen Geschäfts agieren könnte.

Die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) zählt inzwischen fast 41.000 Standorte und hat im vergangenen Jahr ihren vergleichbaren Umsatz um rund fünf Prozent auf 1,1 Milliarden Euro und das Betriebsergebnis (Ebitda AL) um 6,3 Prozent auf 600 Millionen Euro erhöht. Telekom-Chef Timotheus Höttges (59) hat immer wieder klargemacht, sich letztlich für das attraktivste Angebot entscheiden zu wollen.

Die Telekom kann die Milliarden gut gebrauchen

Eine Transaktion könnte Europas größtem Telekom-Konzern frisches Geld bringen, um seine Schulden von zuletzt etwa 130 Milliarden Euro zu verringern oder etwa endlich die Kapitalmehrheit an der US-Tochter T-Mobile US zu erwerben und den teuren Netzausbau zu stemmen.

In der Funkturmbranche herrscht seit einiger Zeit viel Dynamik - auch weil der 5G-Netzaufbau und die zunehmende Digitalisierung für eine hohe Nachfrage sorgen. Infrastrukturanbieter können einfacher als Mobilfunkkonzerne die Masten am Boden und auf Hausdächern an mehrere Nutzer gleichzeitig vermieten, was über Jahre hinweg wiederkehrende Einnahmen und planbare Investitionen verspricht. Deswegen haben Konzerne wie Vodafone und Telefonica bereits vor einiger Zeit ihre Funktürme ausgegliedert oder verkauft.

Cellnex war in den vergangenen Jahren auf Expansionskurs gegangen - Analysten der Banco Sabadell bescheinigten den Spaniern, auch ohne das Geschäft der Telekom mit Schwerpunkt in Deutschland wachsen zu können.

rei/Reuters
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