Aktientausch Michael Dell meldet sich mit "Deal des Jahrhunderts" zurück

Als PC-Pionier Michael Dell vor acht Jahren sein Unternehmen von der Börse nahm, hatten es viele bereits abgeschrieben. Nun legt Dell das Comeback des Jahres hin - mit einem der größten Unternehmens-Spin-offs aller Zeiten. Der Deal macht ihn zum Herrscher über zwei Börsenriesen.

Comeback des Jahres: Mit dem Spin-off von VMware kehrt Dell-Chef Michael Dell zu alter Größe zurück

Comeback des Jahres: Mit dem Spin-off von VMware kehrt Dell-Chef Michael Dell zu alter Größe zurück

Foto: ROBERT LEVER/ AFP

Der US-Unternehmer Michael Dell (56) ist seit Montag um viele Milliarden Dollar reicher: Sein Unternehmen Dell Technologies  gibt die 81-prozentige Beteiligung an der Softwaretochter VMware ab und schafft damit ein börsennotiertes Unternehmen mit einem Börsenwert von knapp 64 Milliarden Dollar, wie die Zeitung "Financial Times" ("FT") berichtet .

Im Zuge der Abspaltung von VMware gibt Dell Technologies den Anteil an die Dell-Aktionäre weiter, die damit Aktien von VMware ins Depot gebucht bekommen. VMware wiederum zahlt eine Sonderdividende in Höhe von zwölf Milliarden Dollar an seine Aktionäre - 9,5 Milliarden Dollar davon landen bei Dell. Da Michael Dell persönlich noch 52 Prozent an Dell Technologies hält, streicht er knapp fünf Milliarden Dollar Bardividende ein. Zudem hält Michael Dell auch nach dem Spin-off von VMware noch rund 41 Prozent an dem Unternehmen - gemeinsam mit dem US-Investor Silverlake (11 Prozent) kontrolliert er damit die Mehrheit an VMware.

"Dino" Michael Dell war schon totgesagt - und ist jetzt mit zwei Börsenriesen zurück

Es ist das fulminante Comeback des Tech-Investors Michael Dell, der den angeschlagenen PC-Hersteller Dell einst von der Börse nahm, sanierte, auf Pump den Chiphersteller EMC samt der Softwarefirma VMware übernahm, anschließend mit Dell Technologies an die Börse zurückkehrte, VMware entschuldete, von Dell jetzt wieder abspaltete und auf diese Weise nun zwei Börsengrößen schuf, bei denen er jeweils größter Anteilseigner ist. Am 75-Milliarden-Dollar-Unternehmen Dell Technologies hält Dell persönlich 52 Prozent, am 64-Milliarden-Dollar-Unternehmen VMware 41 Prozent.

Hinter der Abspaltung von VMware steckt ein Finanzkonstrukt, dass das Wirtschaftsmagazin "Forbes" bereits als "Deal des Jahrhunderts" bezeichnet . Der Deal zeigt, wie Michael Dell im jeweils entscheidenden Moment erkannte, wohin sich die Technologiebranche bewegt. Um das zu verstehen, ist ein Blick in die Vergangenheit notwendig.

Das von Michael Dell 1983 gegründete Unternehmen war einst der größte PC-Hersteller der Welt. Doch Anfang der 2000er kriselte es im Konzern, zudem sanken die Verkäufe von PCs. Viele Konkurrenten, Kunden und Analysten schrieben das Unternehmen bereits ab.

Der Texaner entschied sich 2013 dazu, das Unternehmen zusammen mit der Private-Equity-Firma Silver Lake für rund 25 Milliarden Dollar zu kaufen und von der Börse zu nehmen. Es war die größte fremdfinanzierte Übernahme im Technologiesektor überhaupt - und der Beginn eines der eindrucksvollsten Comebacks der Tech-Geschichte.

70 Milliarden Dollar Kredit für Übernahme von EMC und VMware

Drei Jahre später übernahm Dell den Speicherspezialisten EMC für rund 67 Milliarden Dollar, zu dem auch die Softwarefirma VMware gehört, ein 1998 in den USA gegründeter Virtualisierungsspezialist mit derzeit rund 34.000 Mitarbeitern. Um die Deals zu finanzieren, nahm der Konzern laut "Forbes" insgesamt rund 70 Milliarden Dollar an Krediten auf – so viel wie kaum ein anderes US-Unternehmen je zuvor. Wie auch beim Delisting von Dell ging der Unternehmer damit voll ins Risiko.

Bei der Übernahme von EMC im Jahr 2016 blieb die Tochter VMware mithilfe des Börsenvehikels "Tracking-Aktie" als eigenständiger Bereich an der Börse notiert. Dadurch hatte Dell die Möglichkeit, sein Unternehmen 2018 ohne ein Initial Public Offering (IPO) erneut an die Börse zurückbringen - als Dell Technologies. Er nutzte stattdessen das Tracking-Vehikel.

Mit der Übernahme von EMC beziehungsweise VMware bewies Michael Dell den richtigen Riecher, schließlich nahmen die zu verarbeitenden Datenmengen gewaltig zu. Als der Gründer das PC-Urgestein 2013 von der Börse nahm, wurde es gerade einmal mit 3,8 Milliarden Dollar bewertet. Heute haben die verbleibenden Hardwareaktivitäten von Dell laut "FT" einen Wert von 33 Milliarden Dollar. Insgesamt wurde Dell vor dem Spin-off mit rund 85 Milliarden Dollar bewertet. Nach dem Spin-off sind die beiden Einzelteile zusammengenommen deutlich mehr wert. Damit ist Michael Dell der Architekt des "größten Buy-out-Coups aller Zeiten", wie "Forbes" weiter schreibt.

Noch schätzt "Forbes" Dells Vermögen auf 55 Milliarden Dollar, damit landet er derzeit auf Platz 18 der Liste der reichsten Amerikaner . Das könnte sich in den nächsten Tagen ändern - Dell hat gute Chancen, am Jahresende auch bei Forbes zu den Aufsteigern des Jahres zu gehören.

mg, la
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